textbeet

Kompost für den Alltag


Das nervt doch!

• Laubpuster
• Kleinkinder mit Smartphones
• stinkende Motorroller
• die Allgegenwart von Google*
• Riesenadventskalender (mit Chipstütchen!)
• Halloween-Artikel

Dies ist meine aktuelle ganz private Hitliste, zusammengestellt vorhin beim Einkaufengehen, beliebig ergänzbar. Vorschläge gern an mg(at)textbeet.de

Was gar nicht nervt, ist ja gute Literatur. Drei weitere Titel aus unserer „Longlist“ für den nächsten BücherFrauen-LiteraturBrunch, die ich alle gern empfehle. [Ein Klick auf die Buchtitel führt zu weiteren Informationen auf den Verlagsseiten.]

Franziska Hauser, Die Gewitterschwimmerin
Hardcover, 431 Seiten, Eichborn

Lilian Loke, Auster und Klinge
Hardcover, 313 Seiten, C.H.Beck

Claudia Tieschky, Engele
Hardcover, 208 Seiten, Rowohlt Berlin

        

Noch eine Art Gegenentwurf zum Genervtsein:

Ich freue mich, dass ich mich an das Schöne
Und an das Wunder niemals ganz gewöhne.
Dass alles so erstaunlich bleibt, und neu!

Mascha Kaléko (1907–1975), aus dem Gedicht „Sozusagen grundlos vergnügt“
aus
In meinen Träumen läutet es Sturm
Hardcover, 192 Seiten, dtv, erscheint am 26. Oktober 2018

Sämtliche Briefe und Werke von Mascha Kaléko erscheinen ebenfalls im Deutschen Taschenbuch Verlag.

Diese Geschichte hat viele AutorInnen des Rowohlt-Verlages (milde gesagt) genervt und für den Branchen-Aufreger vor der Buchmesse gesorgt: Holtzbrinck kündigte von jetzt auf gleich seine Rowohlt-Verlegerin Barbara Laugwitz. Hintergründe dazu im Börsenblatt online unter dem Titel Die missratene Trennung vom 12. September 2018.

Meine ganz persönliche Verschwörungstheorie zur Causa Laugwitz ist, dass man bei Holtzbrinck genervt war von dieser Neuerscheinung unter ihrer Verlegerschaft:

    

Margarete Stokowski
Die letzten Tage des Patriarchats
Hardcover, 320 Seiten
»Stokowskis Texte machen Mut, sie helfen, wütend zu bleiben, Haltung zu zeigen und doch den Humor nicht zu verlieren. Und sie zeigen, dass es noch einiges zu tun gibt auf dem Weg zu einer gleichberechtigen Gesellschaft.« rowohlt.de

Grad heute wurde übrigens zur Causa Laugwitz von Rowohlt vermeldet, dass man sich einvernehmlich geeinigt habe. Die „Kontaktsperre“ war wohl ein Missverständnis. Und von den Ullstein Buchverlagen kam heute die Pressemeldung, dass Barbara Laugwitz dort ab März 2019 Verlagsdirektorin (CPO) werde. Glückwunsch!

* Apropos Google empfehle ich fürs Suchen im Netz startpage.com. Auch wenn startpagen nicht ganz so gemütlich-hyggelig klingt wie googeln. Doch dafür gibt es auf startpage.com [Zitat] „aktuelle Google-Suchergebnisse mit Privatsphäreschutz“. Einfach mal ausprobieren!

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Glocken erinnern

Mag sein, dass der jüngste Tag morgen anbricht lautete am 2. Juni 2018 eine beeindruckende Veranstaltung im Berliner Dom mit Texten des deutschen Widerstands 1938 bis 1945. Vorgetragen von Martina Gedeck, Matthias Brandt und Studierenden der Hochschule für Schauspielkunst Ernst Busch Berlin. Der Mitschnitt ist nachzuhören hier bei Bayern 2.

Mag sein, dass der jüngste Tag morgen anbricht, dann wollen wir gern die Arbeit für eine bessere Zukunft aus der Hand legen, vorher aber nicht.
Dietrich Bonhoeffer (1906–1945)

»Friede sei ihr erst Geläute! – ringing the bells« heißt die Initiative zu einem europaweiten Glockenläuten am 21.9. im Rahmen des Europäischen Kulturerbejahres 2018 am Weltfriedenstag.
Der 21. September wurde 1981 von den Vereinten Nationen zum Weltfriedenstag erklärt, einem »Tag des Waffenstillstands und der Gewaltlosigkeit«.

Glockenturm, © wernau.de

Erstmalig europaweit sollen am 21.9.2018 um 18 Uhr für eine Viertelstunde alle kirchlichen und weltlichen Glocken läuten, als gemeinsames Zeichen des Friedens.

Dazu, auch interessant: Wozu brauchen wir heute noch Kirchenglocken? im Tagesspiegel vom 20.6.2018.

St. Petersglocke im Kölner Dom

Die mit einem Durchmesser von 3,22 Metern größte Glocke Deutschlands, gegossen 1923, wiegt 24 Tonnen und klingt mit einem tiefen C: die St.Petersglocke im Kölner Dom, auch »Dicker Pitter« genannt.

Vom Glockenstuhl im Dom ist es nicht weit bis zum Südquerhausfenster von 2007. Allein dieses von dem Künstler Gerhard Richter entworfene Fenster lohnt jeden Besuch im Dom, finde ich. Die 11.263 Quadrate in 72 verschiedenen Farbtönen aus mundgeblasenem Echt-Antikglas stammen aus der Glasmanufaktur Derix.

© Gerhard Richter, Köln / Dombauarchiv Köln

© derix.com

Wem das Dem-Glockenläuten-Lauschen oder das Betrachten von Kirchenfenstern nicht aktionistisch genug ist, wer es trotzdem gern bunt hat und Flagge gegen den grassierenden Rassismus zeigen will – welcome united auf dem Hamburger Rathausmarkt am 29. September 2018 um 12.00 Uhr.

»Wenn wir uns bewegen, bewegt sich die Welt!«
Aus dem Aufruf von We’ll come / Welcome united

Ebenfalls eine Initiative im Sinne des gesellschaftlichen Friedens ist der Friedenspreis des Deutschen Buchhandels, der seit 1950 in der Frankfurter Paulskirche vergeben wird – in diesem Jahr am 14. Oktober an Aleida und Jan Assmann, von denen ich ehrlich gesagt bislang nicht gehört hatte.
Soeben im Wiener Picus Verlag erschienen:
Alida Assmann, Menschenrechte und Menschenpflichten: Schlüsselbegriffe für eine humane Gesellschaft

Die Buchtipps im September stehen unter dem Motto »tolle bunte Cover«:


Meg Wolitzer, Die Interessanten
TB, 608 Seiten, Dumont
Übersetzung: Werner Löcher-Lawrence

»Meg Wolitzer spielt in diesem Roman nicht Lebenserfahrung gegen jugendliche Illusion aus, sondern nimmt sich die Mühe, Identität als vielschichtig und kompliziert, als widersprüchlich und unvermeidlich schmerzbeladen darzustellen. … So bleibt der Leserin nur helle Begeisterung für selten glaubwürdig erzählte Figuren und ihre Wege durchs Leben«, schrieb Bernadette Conrad unter der Überschrift Faszinierendes Gruppenporträt 2015 in der NZZ.


Rafik Schami, Erzähler der Nacht
TB, 288 Seiten, BELTZ & Gelberg

Rafik Schami (geb. 1946) wuchs in Damaskus auf und lebt seit 1971 in Deutschland. Der promovierte Chemiker ist ein begnadeter Geschichten-Erzähler, wurde vielfach ausgezeichnet und zählt zu den erfolgreichsten deutschsprachigen Schriftstellern. Erzähler der Nacht ist das mir liebste Buch von ihm.

Rafik Schami gründete 2012 zusammen mit dem Verleger Hans Schiler den Verein Schams, der seitdem Kinder und Jugendliche in den Anrainerstaaten Syriens unterstützt.

 

 

 


Kopf im Sand

Einem mir gut bekannten jungen Mann fiel zum Ausdruck »Den Kopf in den Sand stecken« das grad grassierende Prokrastination ein. In diesem Wort steckt alles drin: Krasses Ignorieren von Aufgaben, die eigentlich dringend erledigt sein wollen, und dieses gewisse »Ich kann auch nichts dafür«, da es sich offenbar um eine Art Fluch handelt.

Zeichnung von Adolf Oberländer (1877)

Auf neueswort.de findet sich: »Die Prokrastination stammt vom lateinischen procrastinatio (Vertagung) ab … ein kontraproduktives und unnötiges Aufschieben …«
Das Kopf-in-den-Sand-Stecken bietet also kaum Vorteile. Und doch vertagen wir ständig die Auseinandersetzung mit Problemen. Wir verdrängen, fühlen uns nicht angesprochen [Waaaas? Es gibt einen Zusammenhang zwischen Flugverkehr und Klimawandel? Echt jetzt?], würden zu gern so bequem und relativ entspannt weiterleben und auf gar keinen Fall persönliche Nachteile in Kauf nehmen wollen. Außerdem: Was kann ich allein schon ausrichten?

Als mir neulich diese adretten Plakate auffielen

 

Jennifer Aniston wirbt für Smart Water (c) Coca-Cola

hatte ich gleich Nestlé im Verdacht. Aber es steckt doch Coca-Cola dahinter. Der US-amerikanische Konzern hofft wohl, dass auch europäischen GroßstädterInnen gefallen könnte, worauf man in Hollywood nicht mehr verzichten möchte: WASSER  in Plastikflaschen. Selbstverständlich kein gewöhnliches, sondern quasi kluges Wasser. 

Wir hier im »echten Norden« sind heilfroh, dass wir uns keine Sorgen ums Trinkwasser machen müssen, trotz der ungewöhnlichen Dürre dieses Sommers. Das aus der Nordheide schmeckt übrigens ausgezeichnet.

In diesem Zusammenhang berichtete die Landeszeitung aus Lüneburg im letzten Jahr unter der Überschrift Wem gehört das Trinkwasser?, dass Coca-Cola Deutschland am Standort Lüneburg »ViO« abfülle und »in den vergangenen Jahren keine Gewerbesteuer gezahlt« habe. Coca-Cola verwies dazu auf »Verluste durch außerordentliche Kosten«.

Wasserspielplatz im Bürgerpark Bielefeld, (c) aquado.de

Die ideale Verbindung von Sand und Wasser – eine „Matschanlage« oder auch das Wattenmeer der Nordsee, seit 2009 UNESCO-Weltnaturerbe. Es gibt Prognosen, was aus dem Wattenmeer wird bei weiterem Meeresspiegelanstieg. Dazu gibt es die Strategie Wattenmeer 2100  – Wie ist das Watt trotz Klimawandel und Meeresspiegelanstieg zu retten? Mehr dazu auf der Website der Schutzstation Wattenmeer.

Karte: Schutzstation Wattenmeer

Zum Schluss noch kurz den Kopf aus dem Sand gesteckt und einen Blick geworfen auf die Vorbereitungen zu unserem nächsten BücherFrauen-LiteraturBrunch im Februar 2019, für den wir grad die Neuerscheinungen deutschsprachiger Autorinnen 2018 sichten. Zwei meiner Favoritinnen [ein Klick auf die Titel führt zu weiteren Informationen]:

       
Milena Michiko Flašar, Herr Katō spielt Familie
Verlag Klaus Wagenbach, 176 Seiten, geb., 20,– Euro

Wlada Kolosowa, Fliegende Hunde
Ullstein Buchverlage, 224 Seiten, geb., 20,– Euro

Fliegende Hunde erinnert mich an Alina Bronskys Scherbenpark von 2008, das ich damals ebenfalls sehr beeindruckend fand.
Alina Bronsky, Scherbenpark
Verlag Kiepenheuer & Witsch, 304 Seiten, TB, 9,99 Euro

    

Und eines der Bücher vom LiteraturBrunch 2018 ist soeben als Penguin-Taschenbuch erschienen und sei hiermit noch einmal ausdrücklich empfohlen:
Annette Mingels, Was alles war
Penguin Verlag, 288 Seiten, TB, 10,– Euro

PS: In dieser Woche wurde die Longlist für den Deutschen Buchpreis 2018 bekannt gegeben. Diesmal überwiegen die Romane von Autorinnen (12 von 20 nominierten Neuerscheinungen). Wir sind gespannt auf die Shortlist, die am 11.9.2018 präsentiert wird.

Nachtrag vom 12.9.2018: Auch auf der Shortlist überwiegen die Titel von Autorinnen. Wer den Deutschen Buchpreis 2018 erhält, wird am Montag, dem 8. Oktober um 18.55 Uhr bekannt gegeben.


Ansichtssache

In meinem Postkartenkarton finden sich tatsächlich noch ein paar Ansichtskarten wie diese, die ich vor einigen Sommern nicht rechtzeitig verschickt habe:

Postkarten zeigen in der Regel besonders hübsche Ansichten am Urlaubsort, die den Neid der Adressat_innen wecken könnten.
Weniger harmlose Ansichten dagegen sind solche, die auf Falschmeldungen oder Fehleinschätzungen beruhen.
Wie harmlos sind Menschen, die sich in der Flat Earth Society versammelt haben? Die davon überzeugt sind: Die Erde ist eine Scheibe.
Nein. Die Erde ist rund, die Welt ist bunt und außerdem bevölkert von Rechthabern und Besserwisserinnen [engl.: know-alls and smartypants].

Mit seinem Buch FACTFULNESS versucht der Schwede Hans Rosling (1948–2017), Professor für Internationale Gesundheit, zumindest mit einigen Irrtümern in unserem Denken aufzuräumen – sehr anschaulich und eindrücklich. Seine positive Sicht auf die Welt ist nicht naiv optimistisch, sondern gründet sich auf Fakten, auf Zahlen der Weltbank und der Vereinten Nationen z. B.

  
Hans Rosling with Ola Rosling and Anna Rosling Rönnlund
Factfulness. Ten Reasons We’re Wrong About the World – and Why Things Are Better Than You Think

Hans Rosling mit Anna Rosling Rönnlund und Ola Rosling
Factfulness. Wie wir lernen, die Welt so zu sehen, wie sie wirklich ist

Anna Rosling Rönnlund, Hans und Ole Rosling

Ich kann einen Blick auf die Website der 2004 von Hans Rosling gegründeten Gapminder-Stiftung nur empfehlen. Und zum Einstieg vielleicht Roslings TED-Vortrag in Katar über den Zusammenhang zwischen Religionen und Geburtenraten: Religions and babies. Das NDR-Kulturjournal hat dazu am 30.4.2018 diesen Beitrag Hans Rosling: „Factfulness“ gesendet. Wer das ZDF und Aspekte bevorzugt, schaue: Der Optimist Hans Rosling „Die Welt ist gar nicht so schlecht“.

Schon 1967 sangen die Beatles [bei youtube], dass alles immer besser werde, in Getting Better auf Sgt. Pepper’s Lonely Hearts Club Band:
.

»I’ve got to admit it’s getting better (Better)
A little better all the time (It can’t get more worse)
I have to admit it’s getting better (Better)«

Wahrscheinlich nicht nur, um den Beatles zu widersprechen, schrieb Joni Mitchell zwei Jahre später den wesentlich kritischeren Song Big Yellow Taxi [bei youtube], 1970 erschienen auf Joni Mitchells drittem Album Ladies of the Canyon:

»Don’t it always seem to go
That you don’t know what you’ve got till it’s gone?
They paved paradise
Put up a parking lot«

Joni Mitchell 2007

Joni Mitchell wurde 2007 in die Canadian Songwriters Hall of Fame aufgenommen. Bei dieser Gelegenheit sang das Publikum „Big Yellow Taxi“ mit, auch schön – Audience sing-along at the 2007 CSHF Induction Ceremony [bei youtube]. Eine kurze Rückschau auf ihr Leben als Musikerin zeigt dieser Rock and Roll Hall of Fame Induction Film von 1997 [bei youtube] .

Einer, dem die Bewahrung der Schöpfung sicher so am Herzen liegt wie Joni Mitchell und der die Herausforderungen der heutigen Zeit viel deutlicher anspricht als die meisten Politiker_innen und das durchaus zuversichtlich, ist Papst Franziskus. Am 14. Juni 2018 kommt der neue Film von Wim Wenders in die Kinos, auf den ich schon sehr gespannt bin – das Porträt „Papst Franziskus – Ein Mann seines Wortes“.

Papst Franziskus – Ein Mann seines Wortes (Universal)

Dieser 5-minütige Beitrag zum Film auf Arte ist noch bis zum 1.9.2018 online.
Papst Franziskus, nun immerhin schon fünf Jahre im Amt, sagt: „Lasst uns nach vorne blicken und gemeinsam vorangehen.“  Zum Trailer auf kino-zeit.de.

Keine zwei Meinungen bzw. Ansichten gibt es jedenfalls zu diesem Johannisbeer-Quark-Kuchen: mein Sommerkuchen mit roten Johannisbeeren ausm Garten [das Rezept als PDF Marens_Johannisbeer-Quark-Kuchen].

200 g weiche Butter mit
100 g Zucker,
2 Eiern,
je 200 g Mehl und Vollkornmehl sowie
1 Pk. Vanillezucker
zu einem geschmeidigen Teig verkneten.
Auf einem gebutterten Backblech ausbreiten.

750 g Magerquark,
250 g Zucker,
5 Eigelb und
1 Pk. Vanillepudding verrühren.
Jeweils 250 ml Sahne und
die 5 Eiweiße steif schlagen und mit
750 g Johannisbeeren
vorsichtig unter den Quark heben.
Auf dem Teig verteilen.

Bei 175°C (im nicht vorgeheizten Ofen) etwa 45 Min. backen.

Getting better handelt übrigens weniger von der immer besser werdenden Welt, wie Hans Rosling sie beschreibt. Hier gibt einfach jemand zu, mit seiner neuen Freundin großes Glück zu haben: „It’s getting better since you’ve been mine.“

Schönen Sommer weiterhin!


Jage ihm nach

Suche Frieden war das Motto des Katholikentages vom 9. bis 13. Mai in Münster.

Veranstaltung vorm Dom

„Suche Frieden und jage ihm nach!“, heißt es im Psalm 34, Vers 15.
Jage ihm nach! Nicht: „Wart mal ab, was passiert“. Nicht: „Ruht Euch erst mal auf Euern Fortschrittchen aus“, wie Hans Leyerdecker bei seinem sehr politischen biblischen Impuls zu Jesaja 52,1-12 deutlich sagte. Wacht auf! Wacht auf! (Jesaja 52,1)
Hans Leyendecker ist investigativer Journalist, Präsident des Evangelischen Kirchentags 2019 in Dortmund und ein ausgesprochen kluger Kopf.
Ich denke, dass die Gemeinsamkeiten der Konfessionen doch so sehr überwiegen, dass der Prozess „Vielfalt in der Einheit“ schneller vorangehen könnte. Blauäugig? An der Basis praktizieren sehr viele Gemeinden längst ökumenisches Miteinander. Könnte die Frage „Was würde Jesus heute sagen?“ nicht die Leitfrage sein bei dem theologischen Ringen um gemeinsame Positionen? Haben wir heute nicht drängendere Probleme? Die Bewahrung der Schöpfung zum Beispiel … Bietet sich die Frage nicht außerdem an in der Flüchtlingspolitik, insbesondere für die so genannten christlichen Parteien?

Heiner Geißler
Was würde Jesus heute sagen?
Die politische Botschaft des Evangeliums
160 Seiten

Die Weigelie in unserem Garten

Für alle, die Was würde Jesus heute sagen? nicht reizt, habe ich noch drei Buchempfehlungen vom Regalbrett „Fast schon ein Klassiker“ [die Titel sind für weitere Informationen auf die Verlagsseiten verlinkt]:

Irene Dische
Großmama packt aus
Übersetzt von Reinhard Kaiser
384 Seiten

Dörte Hansen
Altes Land
304 Seiten

Robert Seethaler
Der Trafikant
256 Seiten

       

Und noch ein Blick in unseren Garten. Im letzten Jahr wohnten zwei Frösche in unserem kleinen Gartenteich (siehe Naja, naja vom Juli 2017).
Seit ein paar Wochen sind es drei: zwei noch ziemlich kleine Teichfrösche und ein großer Frosch – ihr allein erziehender Vater?

 

Gern erinnere ich an das Frühlingspreisrätsel vom April, dazu einfach weiter nach unten scrollen. Einsendeschluss ist der 20.6.2018.

Frohe Pfingsten!


Hoffnung, lyrisch

Wäre die Welt eine bessere, womöglich friedlichere, wenn alle mehr Gedichte lesen würden? Eine Welt voller poetischer Momente, verdichtet im Augenblick? Lyrik als Kontrapunkt zu Hass-Tweets und anderen -Tiraden? Wir sollten noch Visionen haben. Gerade jetzt im Frühling!

Man sollte wieder mal spazierengehn.
Das Blau und Grün und Rot war ganz verblichen.
Der Lenz ist da! Die Welt wird frisch gestrichen!
Die Menschen lächeln, bis sie sich verstehn.

Aus: Erich Kästner (1899–1974), Besagter Lenz ist da
Das ganze Gedicht, gesprochen von Hermann Lause bei youtube.

Nun ist er endlich kommen doch
in grünem Knospenschuh;
Er kam, er kam ja immer noch,
die Bäume nicken sich’s zu.

Aus: Theodor Fontane (1819–1898), Frühling

Einst hab ich drei Weiden besungen.
Eine ist nur geblieben.
Ich habe drei Weiden besungen.
So sind auch drei Weiden geblieben.

Eva Strittmatter (1930–2011)

Hope is the thing with feathers,
That perches in the soul
And sings the tune without the words
And never stops – at all.

Aus: Emily Dickinson (1830–1886), Hope

Täglich säen wir Samen aus
Für Bäume des Himmels
Darin unsere Träume nisten
Die Vögel fliegen auf
Aus ihren Zweigen
Sieh doch, die Luft trägt!
Täglich säen wir neue Samen
Für einen ganzen Wald Hoffnung
Weil das Paradies in uns wurzelt.

Hilde Domin (1909–2006)

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Zu guter Letzt gibt es noch ein Gewinnspiel – das Frühlingsrätsel:
Welches Gedicht endet mit der Zeile »Der Regenblues wird abgestellt« und wer hat es geschrieben?
Die Antwort bitte per Mail an mg@textbeet.de
Einsendeschluss ist der 20.6.2018, der Rechtsweg ist ausgeschlossen, die Verlosung findet unter Aufsicht statt und zu gewinnen gibt es ein Exemplar von Gedichte, die glücklich machen.

 


Ohne Krimi …

Heute ist Equal Pay Day, der internationale Aktionstag für gleiche Bezahlung von Frauen und Männern. Rechnerisch auf das ganze Jahr bezogen, arbeiten die Frauen hierzulande bis zum 18. März 2018 sozusagen unentgeltlich, um für die gleiche Arbeit das Geld zu verdienen, das ihre männlichen Kollegen vom 1.1.2018 an auf ihrem Konto haben. Noch mal anders und mit wikipedia gesagt: »Damit steht der Equal Pay Day für den Tag, bis zu dem Frauen umsonst arbeiten, während Männer schon ab dem 1. Januar für ihre Arbeit bezahlt werden.«

2007 startete das Frauennetzwerk Business and Professional Women (BPW) Germany e.V. die „Initiative Rote Tasche“. Schon 1988 hatte das internationale BPW in den USA die „Red Purse Campaign“ initiiert, um auf den international bestehenden Gender Pay Gap hinzuweisen! Die roten Taschen stehen dabei für die roten Zahlen in den Geldbörsen der Frauen.

Es gibt noch eine gute Nachricht zum Thema: Die isländische Premierministerin Katrín Jakobsdóttir (Jg. 1976), seit dem 30. November 2017 im Amt, hat mit ihrer Partei Links-Grüne-Bewegung diese Geschlechter-Einkommenslücke per Gesetz abgeschafft (Quelle: perspective daily)  Damit ist Island mit seinen 348.000 Einwohner_innen das erste Land weltweit, in dem es in dieser Hinsicht gerechter zugeht.

Katrín Jakobsdóttir, visir.is

Maren Kroymann, ard.de

Eine bitter-lustige Überspitzung des Problems Chancengleichheit hat Maren Kroymann (Jg. 1949) in ihrer Satire-Sendung KROYMANN vom 8.3. (Weltfrauentag) in Szene gesetzt, nachzusehen in der ARD-Mediathek [ab min 19:51].
Zur 1. Sendung KROYMANN vom 9.3.2017.
Zur 2. Sendung KROYMANN vom 11.1.2018.

Sieben Jahre, bevor die 68er neue Rollenmodelle entwickelten [unter anderem], kam „Ohne Krimi geht die Mimi nie ins Bett“ in die Kinos, mit Starbesetzung: Karin Dor, Edith Hancke, Heinz Ehrhardt, Trude Herr, Harald Juhnke, Bill Ramsey … Zum Trailer und Titelsong [1:54 min] (Vorsicht Ohrwurm).

Edith Hancke und Bill Ramsey

Bei meinen Buchempfehlungen sind Krimis bislang eindeutig zu kurz gekommen, was daran liegen mag, dass ich kaum noch Krimis lese. Nun also endlich eine Auslese aus den letzten 20 Jahren. Ein Klick auf die Titel führt zu den ausführlichen Verlagsinformationen.

Mechtild Borrmann, Die andere Hälfte der Hoffnung
320 Seiten
  
Leif Davidsen, Der Augenblick der Wahrheit
Aus dem Dänischen von Peter Urban-Halle
432 Seiten

Håkan Nesser, Kim Novak badete nie im See von Genezareth
Aus dem Schwedischen von Christel Hildebrandt
432 Seiten. In Schweden Schullektüre!
  
Rose Tremain, Der unausweichliche Tag
Aus dem Englischen von Christel Dormagen
334 Seiten

Apropos Bill Ramsey – habe ich schon mal erwähnt, dass ich ein großer Fan von Stefan Gwildis bin, dem Soulsänger aus Hamburg-Barmbek? Zum guten Schluss dieses youtube-Fundstück: Stefan Gwildis am 11.04.2016 zu Gast bei Bill Ramsey [11:14 min].

Euch und Ihnen allen einen sonnigen Frühlingsanfang!