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Kompost für den Alltag

Naja, naja

Während des G20-Gipfels vor drei Wochen war Hamburg im Ausnahmezustand. Ich bin froh, dass es keine Toten gab. Die Bilder von den mutwilligen Zerstörungen durch radikale Autonome und andere Krawallmacher, Videos von Wasserwerfern im Einsatz und von martialischen Polizeiaufmärschen überschatten leider die Bilder von den friedlich Engagierten bei den Demonstrationen Hamburg zeigt Haltung und Grenzenlose Solidarität statt G20.

Darum hier fürs Nichtvergessen zwei Fotos vom 2. und 8. Juli – gewaltfreie Proteste für berechtigte Anliegen wie Meinungs- und Pressefreiheit, Menschenrechte, fairer Welthandel, Klimaschutz, religiöse Toleranz …

Auf der Alster am 2.7.17. Foto: Gela Linne

Grenzenlose Solidarität am 8.7.17. Foto: Gela Linne

Das Verb demonstrieren wurde übrigens im 16. Jh. aus lat. demonstrare „hinweisen, deutlich machen“ entlehnt. Zugrunde liegt lat. monstrum „Mahnzeichen“, das auch für Ungeheuerliches steht.

Beim Schlagermove vorletztes Wochenende waren es angeblich 400.000 ungeheuer Begeisterte …
Wahrscheinlich haben sie nicht nach Naja, naja von Soulsänger Stefan Gwildis getanzt. Wem aber wie mir der andauernde Regen grad echt auf die Nerven geht, denen empfehle ich das Gute-Laune-Lied  – „denn in uns glüht ein Vulkan“. Als Made-in-Germany-Flickr-Video [2:50 min]. „Auch in Karlsruhe, Osnabrück und selbst in Bonn tanzt man in Straßen und Alleen …“ Münster wird nicht ausdrücklich genannt, ist aber bestimmt mitgemeint.

Vielleicht weil in Münster bald ein Ehemaligen-Treffen der Regensberger_innen stattfindet, anlässlich der Schließung von Europas ältester Buchhandlung vor 20 Jahren, ist mir etwas nostalgisch zu Mute.
In einem Artikel im münster-wiki ist über die Regensbergsche zu lesen, dass Lambert Raesfeld die Buchhandlung 1591 gründete, die erst 1832 nach dem damaligen Besitzer Ferdinand Regensberg umbenannt wurde und bis kurz vor ihrer Schließung 1997 im Familienbesitz blieb. Es sei „vorwiegend die weibliche Linie“ gewesen, „die den Bestand des Traditionsunternehmens sicherte.“


Die beiden Frösche in unserem kleinen Gartenteich erinnern mich an dieses Gedicht von Augustin Wibbelt (1862-1947) in Münsterländer Platt, das wir als Grundschulkinder noch auswendig gelernt haben.

Dat Pöggsken

Pöggsken sitt in’n Sunnenschien,
O, wat is dat Pöggsken fien
Met de gröne Bücks!
Pöggsken denkt an nicks.
Kümp de witte Gausemann,
Hät so raude Stiewweln an,
Mäck en graut Gesnater,
Hu, wat fix
Springt dat Pöggsken met de Bücks,
Met de schöne gröne Bücks,
Met de Bücks in’t Water!

Auf der Seite muenster.org ist eine Originalaufnahme vom Pöggsken mit Augustin Wibbelt zu hören.

Apropos Münster möchte ich nicht versäumen, auf die Ausstellung Skulptur Projekte 2017 hinzuweisen, zu erleben noch bis zum 1. Oktober. Die Skulpturen-Ausstellung findet seit 1977 alle zehn Jahre in Münster statt. Das vielleicht beliebteste Objekt 2017 – ein Unterwassersteg:

„On water“ von Ayşe Erkmen. Foto: Birgit Giering

Der Link Wissenswertes über die Skulptur Projekte 2017 führt zu einer interessanten Fotostrecke in den Westfälischen Nachrichten, die behaupten, dass die Skulptur-Projekte 1977 entstanden seien, „weil die Münsteraner mit zeitgenössischer Kunst nichts anzufangen wussten.“ – Naja, naja. – „Klaus Bußmann und Kasper König luden deshalb Künstler ein, am Ort Kunst zu realisieren.“

Keine neue Beet-Realisation ohne Buchempfehlungen. Für den nächsten LiteraturBrunch der Hamburger BücherFrauen im Februar 2018 sind wir schon wieder eifrig dabei, die Belletristik-Neuerscheinungen 2017 deutschsprachiger Autorinnen zu prüfen. Das für mich bislang beste Buch ist Und dann steht einer auf und öffnet das Fenster von Susann Pásztor, bei Kiepenheuer und Witsch. Der noch unerfahrene Sterbebegleiter Fred ist mit seiner Aufgabe, die Fotografin Karla in ihren letzten Lebensmonaten zu begleiten, leicht überfordert. Doch er bekommt Unterstützung, ganz unerwartet, unter anderem durch seinen 13-jährigen Sohn Phil. Überzeugende Figuren und Dialoge, kein Wort zu viel.

        

Susann Pásztors zweiten Roman Die einen sagen Liebe, die anderen sagen nichts (von 2013) habe ich gleich anschließend gelesen und bin auch von diesem Buch, das mit einem Schweigeseminar beginnt, sehr angetan. Nun freue ich mich noch auf ihr Debüt von 2010: Ein fabelhafter Lügner.

Zum guten Schluss eine neue Rubrik – das Sommerrätsel. Na, welcher Ort auf welcher Insel ist hier zu sehen?

Einsendeschluss ist der 1.9.2017. Es winkt ein Buchpreis und der Rechtsweg ist ausgeschlossen.
Allen, die im Sommerurlaub unterwegs sind, wünsche ich

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