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Kompost für den Alltag

Entkommen

»Hoffnung ist eben nicht Optimismus. Es ist nicht die Überzeugung, dass etwas gut ausgeht. Sondern Hoffnung ist die Gewissheit, dass etwas Sinn hat, ohne Rücksicht darauf, wie es ausgeht.«
Václav Havel (1936–2011), Dramatiker, Menschenrechtler, Staatspräsident

Was könnte uns Hoffnung machen in diesen verstörenden Zeiten? Wie können wir der Realität ins Auge sehen, ohne lähmende Angst, ohne naiven Optimismus? Wie können wir ins Tun kommen statt nur noch zurück zu wollen vor diese „Zeitenwende“? Wie geht das mit Mut statt Eskapismus?
[Exkurs: Eskapismus kann vom spätlateinischen cappa hergeleitet werden: „die Ordensmütze wegwerfen“. Seit Mitte des letzten Jahrhunderts wird es wie das englische escapism verstanden und steht damit für einen Hang zur Flucht aus der Wirklichkeit.]
Zugegeben lenke auch ich mich gern ab. Zuletzt mit diesem Hörbuch:

Edgar Selge erzählt in seinem großartigen Erinnerungsroman Hast Du uns endlich gefunden auch von seiner frühen Leidenschaft fürs Kino: »Dunkel soll es werden, der Alltag um mich herum verschwinden und auf der knisternden Leinwand soll eine Geschichte entstehen, die mich unterhält und wärmt.«

Hm, welcher Kinofilm hat mich zuletzt gewärmt? Parallele Mütter? Da fand ich jedenfalls Penelope Cruz ganz toll. Wunderschön von Karoline Herfurth? Hat mich auf jeden Fall sehr gut unterhalten.

Kinostart: 3.2.2022

Wenn wir ein gutes Buch lesen, geht das „Kopfkino“ los. Darum beginnt heute die neue kleine Serie: »Bücher, die ich vor Längerem mit Gewinn und Genuss gelesen, aber noch nicht im Textbeet erwähnt, habe«.

Susanne Kippenberger, Das rote Schaf der Familie. Jessica Mitford und ihre Schwestern
Im Hardcover 2014 bei Hanser erschienen, seit 2016 auch als Fischer-Taschenbuch lieferbar.
Jessica Mitford (1917–1996) und ihre sechs Geschwister mussten nach dem Willen ihres Vaters Baron Redesdale nicht zur Schule gehen und entwickelten sich vielleicht auch deshalb zu den unterschiedlichsten durchaus exzentrischen Persönlichkeiten, von denen Susanne Kippenberger auf zum Glück über 600 Seiten hinreißend zu erzählen weiß.

Und dann gibt es ja noch diese wunderbare Erfindung der Podcasts, quasi der Urenkel des Rundfunks.
Fast jede Woche entdecke ich einen neuen Gesprächspodcast für mich, am letzten Wochenende war es (übers tazlab): Freiheit de Luxe von Jagoda Marinić.

Ich empfehle sehr: Ukraine Spezial – Warum es um unsere Freiheit geht vom 28.4.2022.
Jagoda Marinić befragt Katja Petrowskaja, Juri Andruchowytch und Timothy Snyder und jedes dieser Gespräche vermittelt einen differenzierten Blick auf den Krieg und seine unabsehbaren Folgen.

»Und nur, dass ich irgendwo recht habe, das bringt noch niemandem was.«
Luisa Neubauer bei Jung und Naiv [verlinkt zum Podcast) am 19.4.2022

Könnte doch ein Teil der Lösung sein.



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