textbeet

Kompost für den Alltag


Alles mit allem

• unser Wohlstand mit der Armut in anderen Ländern
• unser Braunkohle-Tageabbau mit den 38 Grad in Sibirien
• Armut mit Bildung
aber auch
• ein Lächeln an der Bushaltestelle mit besserer Laune am Mittag

Alles hängt mit allem zusammen, wusste der Naturforscher Alexander von Humboldt schon vor über 200 Jahren.

Bei uns im Sommer-Garten 1

Bei uns im Sommer-Garten 2

Wir könnten Menschen sein.
Einst waren wir schon Kinder.
Wir sahen Schmetterlinge.
Wir standen unterm silbernen Wasserfall.
Wir sahen alles.
Wir hielten die Muschel ans Ohr.
Wir hörten das Meer.
Wir hatten Zeit.
Max Frisch (1911–1991)

Aus: Max Frisch, Gesammelte Werke, Suhrkamp-Verlag

Womit wir schon wieder bei Fridays for Future wären.
»Fridays for Future: Das sind alle, die für unser Klima auf die Straße gehen.«
Am Freitag, dem 25. September 2020 findet der nächste Globale Klimastreik statt.
Es ist noch Zeit genug, sich für diesen Tag Urlaub zu nehmen. Gestreikt wird auf der ganzen Welt: in Accra (Ghana), Berlin, Caracas (Venezuela), Dhaka (Indien), Freetown (Sierra Leone), Guatemala-Stadt und so weiter.
Quellen: Karte von FFF International
Liste der Hauptstädte der Erde (Wikipedia)

Unter dem Hashtag #FACETHECLIMATEEMERGENCY 
haben sich am 16. Juli 2020 tausende Aktivist*innen, unter ihnen Greta Thunberg und Malala Yousafzai in einem offenen Brief an die EU und Staatsoberhäupter weltweit gewandt.

»Wir fordern, dass die Klimakrise wie eine tatsächliche Krise behandelt wird … Die zum Schutz der Menschheit erforderlichen Änderungen mögen sehr unrealistisch erscheinen. Es ist jedoch viel unrealistischer zu glauben, dass unsere Gesellschaft die globale Erwärmung, auf die wir zusteuern, sowie andere katastrophale ökologische Folgen des heutigen Systems überleben kann.«
Der Brief kann von jedem und jeder unterschrieben werden, auf https://climateemergencyeu.org, wir sind da in guter Gesellschaft.

Dr. Friederike Otto (* 1982) ist Klimaforscherin, Physikerin, promovierte Philosophin und leitet seit 2018 das Environmental Change Institute an der Universität Oxford. Ihr Buch Wütendes Wetter (vom April 2019) ist Anfang dieser Woche als Taschenbuch erschienen.

Friederike Otto, Benjamin von Brackel
Wütendes Wetter. Auf der Suche nach den Schuldigen für Hitzewellen, Hochwasser und Stürme

Friederike Otto gehört auch zu den Erstunterzeichner*innen der inzwischen mehr als 27.000 Scientists for Future, auf deren Expertise die Jugendlichen von FFF immer wieder verweisen. Auf der Q Berlin 2019 (Berlin’s Social Conference) hielt Otto einen kurzen eindringlichen Vortrag zu den Klimaveränderungen (auf Englisch). Link zum youtube-Video [14 min]

  

Bei ihrem Gespräch mit Tilo Jung – Jung & Naiv: Folge 437  – sagte sie im Herbst 2019: »Das Wetter verändert sich schneller, als wir uns daran anpassen können.« Wir sollten uns also von diesem hierzulande relativ normalen Sommer nicht in Sicherheit wiegen lassen.

Wer findet unsere sechs Frösche?

Familienaufstellung

Und wenn gelegentlich irgendwie alles zu viel wird, zu viele Zusammenhänge, zu viele Dilemmata, zu viele Frösche, dann lege ich Euch diese besondere Version von Simon & Garfunkels Bridge over Troubled Water ans Herz [Gershwin Award, 23.5.2007, youtube 5:17 min], bei der Paul Simon die zweite Strophe singt. Mein Ohrwurm der Woche, nachdem ich die spannende Doku Simon & Garfunkel – Traumwandler des Pop auf Arte gesehen habe. In der Arte-Mediathek noch bis zum 21.10.2020 verfügbar. Denn:

When tears are in your eyes
I will dry them all
I’m on your side
Oh when times get rough

Like a bridge over troubled water
I will lay me down

Da ich weiß, dass sich einige Menschen hier im Textbeet nach Urlaubslektüren umschauen, hier noch drei meiner Lieblingsbücher, die ich noch nicht mehrfach empfohlen habe. Weitere Informationen auf den Verlagsseiten nach Klick auf die Titel.

        

Last but not least – das 2020er Sommer-Rätsel!!
Was ist das wohl für ein grüner Käfer, der vor einigen Wochen bei uns auftauchte?


Lösungsvorschläge bitte bis zum 21.9.2020 an mg@textbeet.de
Unter den Einsendungen verlosen wir:


Chimamanda Ngozi Adichie
Mehr Feminismus! Ein Manifest und vier Stories
Aus dem Englischen übersetzt von Anette Grube

Viel Glück!


Von Höcksken auf Stöcksken

(c) Meiko Herrmann für ZEIT ONLINE

Carolin Emcke gesucht – Alles gesagt gefunden.

Inzwischen habe ich mit Christoph Amend und Jochen Wegener und ihren überwiegend sehr interessanten Gästen viel Zeit verbracht, beim Johannisbeerenpflücken, -strippen, -einkochen zum Beispiel, mit Kopfhörer.
Nach dem Alles-gesagt-Gespräch vom 3.6.2020 mit Alice Hasters (*1989 in Köln) habe ich mir ihr Buch gekauft (erschienen im September 2019 bei Hanserblau, nicht mehr auf der Spiegel-Bestsellerliste …).

(c) H. Henkensiefken

 

Alice Hasters
Was weiße Menschen nicht über Rassismus hören wollen, aber wissen sollten
208 Seiten. hanserblau 2019

Quasi den Roman zum Sachbuch hat Olivia Wenzel (*1985 in Weimar) geschrieben: 1000 Serpentinen Angst, erschienen im Frühjahr bei S. Fischer, das ich parallel lese und ebenfalls empfehlen möchte.

(c) Juliane Werner

Olivia Wenzel
1000 Serpentinen Angst
352 Seiten. S. Fischer 2020

In diesem Zusammenhang fällt mir noch die Eröffnungsrede von Sharon Dodua Otoo (*1972 in London) zum diesjährigen Bachmannpreis-Bewerb ein, die ich großartig fand, nachzusehen beim ORF: Sharon Dodua Otoo, Dürfen Schwarze Blumen Malen?
   

Diese »Klagenfurter Rede zur Literatur 2020« ist als Buch mit Illustrationen von der Autorin im Johannes Heyn erschienen.
Sharon Dodua Otoo
Dürfen Schwarze Blumen Malen?
Ebenfalls auf den schön übersichtlichen Bachmannpreis-Seiten des ORF lässt sich im Archiv noch Sharon Dodua Otoos Lesung von 2016 nachsehen. Für Herr Gröttrup setzt sich hin hatte sie vor vier Jahren den Bachmannpreis erhalten. Link zum Video.

Auch dieser ausgezeichnete Text Herr Gröttrup setzt sich hin ist (zweifach übersetzt) in Buchform erschienen, und zwar bei STILL

Über die Mail einer Freundin bin ich auf den Film HUMAN aufmerksam geworden, der in ganzer Länge ausdrücklich frei verfügbar ist, hier bei youtube: HUMAN Extended version VOL.1 (2015)

Yann Arthus-Bertrand (*1946 in Paris) ist Fotograf, Journalist, Reporter und Umweltschützer. Seine spektakulären Luftbildaufnahmen haben ihn international bekannt gemacht. Für HUMAN haben Arthus-Bertrand und sein Team Interviews mit über 2000 Menschen in mehr als 60 Ländern der Erde geführt – sehr bewegend.
   
Sein jüngstes Filmprojekt hat er gemeinsam mit der Dokumentarfilmerin Anastasia Mikova (*1982 in Kiew) realisiert: WOMAN  [offizielle Website]. Link zum deutsch untertitelten Trailer bei youtube

In unsere Kinos kommt WOMAN am 12.11.2020.
Das Buch zum Film ist bereits im Februar bei Knesebeck erschienen:

Fondation Goodplanet, Anastasia Mikova
Woman. Was wir erleben, träumen, hoffen
224 Seiten mit 300 farbigen Abbildungen
Übersetzt von Kristin Lohmann und Jutta Schiborr

Schließen möchte ich dieses sommerliche Textbeet mit dem Hinweis auf einen tragikkomischen Poetry-Slam-Beitrag von Svenja Gräfen (*1990 in Daun): FEMINISMUS . Schon drei Jahre her, sollte man nicht meinen. »Girls just want to have FUN(-damental rights)« – eine Geschichte über Gleichberechtigung, gegen Frauenfeindlichkeit und Sexismus.

Tor am Ellernholt in diesem Sommer


Lauter Kluge

Maja Göpel, Unsere Welt neu denken. Eine Einladung
Ullstein, Februar 2020

Die Transformationsforscherin Dr. Maja Göpel (*1976) berät als Generalsekretärin des WBGU auch unsere Bundesregierung und sie schreibt, wie sie spricht – klug und verständlich. »Unsere Welt neu denken« habe ich fast durchgelesen und werde mich demnächst mit ihren Linkempfehlungen beschäftigen.
Im Gespräch mit Tilo Jung bei Jung & Live vom 16.4.2020 (bei youtube, 90 min) empfiehlt Maja Göpel, Mariana Mazzucato zu lesen.

Mariana Mazzucato, Wie kommt der Wert in die Welt? Von Schöpfern und Abschöpfern
Campus, März 2019
Mariana Mazzucato (*1968) ist Professorin für Innovationsökonomie und Public Value am University College London und berät Politiker*innen in aller Welt zu Fragen eines smarten und nachhaltigen Wachstums.

Auf einem Panel des Schweizer Fernsehens am 23.1.2019 in Davos sitzt außer Mariana Mazzukato auch die neuseeländische Premierministerin Jacinda Ardern.
Jacinda Ardern (*1980) hat als Premierministerin (seit 2017) einen Haushalt für »Wellbeing« geschaffen. Zitat: »Als Minister wollen Sie Geld ausgeben. Mir muss man beweisen, dass man das Wohlbefinden aller Menschen bedenkt und das der Gesellschaft und nicht nur das ökonomische.«

Experte für Gemeinwohl-Ökonomie ist Christian Felber, hier zu erleben bei Jung und Naiv vom 13. Februar 2020


Christian Felber, Gemeinwohl-Ökonomie
Piper, März 2018

Christian Felber (*1972) hat Attac Österreich mitbegründet und initiierte 2010 die internationale Gemeinwohl-Ökonomie-Bewegung. In der Gemeinwohlregion Kreis Höxter werden viele der guten Ansätze bereits praktiziert. Hier geht’s zu einem Beitrag des WDR vom 18.12.2019.

*************

»Jage die Ängste fort
und die Angst vor den Ängsten«

Mit diesen Zeilen endet »Das Rezept« von Mascha Kaléko (1907–1975). Das Hamburger Thalia-Theater hat eine Poesie-Ambulanz eröffnet. Hier liest die Schauspielerin Rosa Thormeyer (*1992) Kalékos Gedicht. So schön.

Dota Kehr (*1979) wiederum hat in den letzten Jahren Gedichte von Mascha Kaléko vertont. Die Aufnahmen sind soeben erschienen und können hier erworben werden.
Dota Kehr & Felix Meyer mit »Zum Trost«, sei nicht nur zum Hören am späten Abend empfohlen.
 

Beim Klimastreik am 29.11.2019 sind DOTA in Berlin aufgetreten mit KEINE ZEIT – »Hier ist ein Lied, das wir für die Fridays for Future Demo geschrieben haben.«
Wenn ich an die FFF-Aktivist*innen denke, fällt mir die Kampagne »Wahlrecht ab Geburt« ein. Schirmherrin ist Bundesfamilienministerin a. D. Renate Schmidt.

Wer ab Geburt nun wirklich übertrieben findet, möge den Appell der Grünen unterzeichnen: »Wahlrecht ab 16 – es ist höchste Zeit!«. Denn:

Ein neuer Anfang ist möglich.
Es ist an uns, die vor uns liegende Zukunft zu gestalten.
Wer sich anstecken lässt vom Leitstern der Sehnsucht,
wer den ersten Schritt in die Zukunft wagt,
dem sei gesagt:
„Fürchte Dich nicht, es blüht hinter Dir her.“
Hilde Domin

      

Schließlich noch ein Mai-Foto, denn nach etwa vier Jahren als Engerling besuchte uns dieser Feldmaikäfer vor einer Woche auf der Terrasse:


Was man heute denkt

»Von dem, was man heute denkt,
hängt das ab, was morgen
auf den Straßen und Plätzen gelebt wird.«
José Ortega y Gasset (1883–1955)

aus: 2. Timotheus 1,7 | Banner der Nordkirche

Zu Helmut Schmidts »Wer eine Vision hat, der soll zum Arzt gehen«
fällt mir ein anderes Zitat ein:

»Das wahre Zeichen von Intelligenz ist nicht das Wissen,
sondern die Vorstellungskraft.«
Albert Einstein (1879–1955)

Dazu passt der Vorschlag von Prof.in Dr. Anke Langner vom Institut für Erziehungswissenschaft der TU Dresden im Jung-und-Live-Gespräch vor zwei Wochen mit Tilo Jung (35) und Hans Jessen (71), in den Schulen mehr auf die Förderung von Kreativität zu setzen als auf reine Wissensvermittlung. Denn das haben wir Menschen den Computern, den künstlichen Intelligenzen weiterhin voraus: originär kreativ zu sein.

So kreativ zum Beispiel wie die Fridays-for-Future-Aktivist*innen mit ihrem Netzstreik am 24. April 2020

 

Zum Livestream vom Netzstreik #fightEveryCrisis am 24.4.2020 [bei youtube]
Ab 2:46:00 singt die Singer-Songwriterin Mogli »Earth«, während eine Kamera-Drohne die Wiese vorm Berliner Reichstag abfilmt.

In sein Berliner Wohnzimmer lädt der Violinist Daniel Hope befreundete Musiker*innen ein, zum gemeinsamen Musizieren mit Abstand, unter dem Label Hope@Home by ARTE.

Quelle: ZDF-Mediathek
Die gut halbstündigen Konzerte sind in der ZDF-Mediathek für jeweils drei Monate nachzuerleben. Ich bin eingestiegen bei Hope@Home – Episode 29.
Mit Daniel Hope, Christoph Israel, Aliya Vodovozova und Michael Metzler

Apropos Hoffnung erinnere ich gleich mal an meinen Textbeet-Eintrag vom 16.4.2018
Hoffnung, lyrisch

Und voilà, ein neues Motiv aus der Reihe  Stillleben:

Die Figuren kommen aus der ganzen Welt – von Grünhainichen über Tansania über Murano bis Schwäbisch Gmünd.

     

»Wer sich mit der kreativen Kraft von Lebensübergängen verbinden möchte, muss seinen Verstand und seine Urteile entstandardisieren. Er muss die Fähigkeit entwickeln, sich mit sich selbst und mit dem Leben nicht mehr auszukennen und, sich aufmerksam vorantastend, den nächsten Schritt zu tun. Um das nicht nur ertragen, sondern auch bejahen zu können, brauchen wir etwas Wissen, viel Offenheit und eine große Gelassenheit.«
Aus: Natalie Knapp, Der unendliche Augenblick. Warum Zeiten der Unsicherheit so wertvoll sind [Seite 66]

In ihrem Vortrag »Kompass neues Denken« (vom 5.10.2018) erklärt die Philosophin Dr. Natalie Knapp sehr anschaulich anhand der Abseitsregel den Unterschied zwischen kompliziert und komplex [bei youtube ab min 12:02]

Grade in derartig komplexen Zeiten wie diesen kann es nicht schaden, ein REZEPT für schnell gemachte Kekse zur Hand zu haben.

Orangen-Butter-Kekse

150 g weiche Butter
50 g (Rohrohr-)Zucker
1 Ei
je 100 Vollkorn- und „normales“ Mehl
75 g Speisestärke
1 Pk Vanillezucker
die abgeriebene Schale von 1 Zitrone und 1 Orange
Zitronenpuderzuckerguss

Den gut durchgekneteten Teig auf einem Backblech gleichmäßig ausrollen.
Bei 160 Grad (Umluft) 10 Min. backen, dann Rauten rädeln oder schneiden.
Weitere 10 Min. backen, die noch heißen Kekse dünn mit dem Guss bestreichen und abkühlen lassen.


Possibilist*innen

»… Deshalb rufe ich heute zu einem sofortigen globalen Waffenstillstand in allen Teilen der Welt auf. Es ist an der Zeit, bewaffnete Konflikte zu beenden und sich gemeinsam auf den wahren Kampf unseres Lebens zu konzentrieren.« – UN-Generalsekretär António Guterres, 30.3.2020

[Zum Unterzeichnen über Aavaz.org einfach auf das pinke Feld klicken.]

Jakob von Uexküll, Stifter des Right Livelihood Award, des Alternativen Nobelpreises, bezeichnet sich selbst als Possibilisten. »Der Possibilist sieht die Möglichkeiten und es hängt von jedem von uns ab, ob sie verwirklicht werden.«

Gelesen habe ich das in Vom Ende der Klimakrise von den Possibilist*innen Luisa Neubauer und Alexander Repenning, das ich schon mal erwähnt habe.

Bei der Utopiensammlerin Susanne Gold findet sich folgende Definition: »Possibilisten sind aktiv, gelassen und zuversichtlich. Naiver Optimismus ist nicht ihr Ding – ebenso nicht, überall das Verderben zu sehen.«

Einen interessanten Ansatz zum Thema Zukunft hat die Kapelle Petra:
An irgendeinem Tag wird die Welt untergehen [bei youtube, 03:32 min]

 

»Irgendwann gehen irgendwie die Lichter aus.
Und bis dahin machen wir das Beste draus«

Der Trendforscher Matthias Horx hat bereits eine Website online zur Zukunft nach Corona – »Eines ist schon sicher: Die Welt wird nie mehr ›so wie früher‹. Die globale Welt wird neu gestaltet, und dabei wandeln wir uns selbst.« Empfehlen kann ich seinen Artikel Im Rausch des Positiven.

Auch positiv – die neue Rubrik im Textbeet: STILL des Monats

Abstand halten. Dinos mit Nachwuchs auf dem Wochenmarkt

Ein neues Format mit noch mehr Abstand gibt es von Tilo Jung und Hans Jessen: Jung & Live
Die beiden haben sich letzte Woche mit Olaf Scholz unterhalten, der stolz ist auf seinen Haushalt.
Jung & Live #7 mit Olaf Scholz

Wer lieber in das Gespräch mit dem Grünen-Vorsitzenden reinsehen möchte, klicke auf Jung & Live #9 mit Robert Habeck.
An regierende Minister richtet sich die change.org-Petition »Mit dem bedingungslosen Grundeinkommen durch die Coronakrise«.

Zitat: »Was dem Land aber auch helfen würde, ist die Einführung eines bedingungslosen Grundeinkommens von 800–1200 € pro Person für 6 Monate. Schnell, unbürokratisch, zeitlich begrenzt. DAS würde den sozialen Absturz Tausender verhindern und gleichzeitig die Kaufkraft im Land erhalten. Denn das ist das Zweite, was wir brauchen: Menschen, die weiterhin Geld ausgeben!«


Die Gesellschaft für Biologische Krebsabwehr e. V. rät in ihrem aktuellen Newsletter dazu, »Achtsam selbstwirksam mit der aktuellen Situation umzugehen«.

Zum Schluss möchte ich noch eine gesunde (und glutenfreie) Knabberei anpreisen:
Knäckebrot Herforder Art

 

100 g Speisestärke verrühren mit
4 EL Sesam, je 2 EL Leinsaat, Sonnenblumen- und Kürbiskernen
1 TL Salz, 1/2 TL Paprikapulver oder Curry oder …
3 EL Rapsöl und 150 ml kochendem Wasser
10 min quellen lassen
Den Teig auf zwei mit Backpapier ausgelegte Bleche verteilen (je ca. 200 g), beim Ausrollen hilft ein darübergelegtes Backpapier (s.Foto).
Bei 150 Grad (Umluft) etwa 45 min backen lassen, nach dem Abkühlen in Stücke brechen.
Würde sich in einer Blechdose lange aufbewahren lassen.


So viel, wie man kann

»Ich rate, lieber mehr zu können, als man macht, als mehr zu machen, als man kann.« Bertolt Brecht
»… bis man so viel macht, wie man kann.« Aus: Der Andere Advent 2019


Aus: Der Kinder Kalender 2020
Mit 52 Gedichten und Bildern aus aller Welt
Herausgegeben von der Internationalen Jugendbibliothek, München
Ausgezeichnet mit dem Kalenderpreis des Deutschen Buchhandels 2020

Das Genaue Schnecken Lied stammt aus: Schlaraffenbauch in Die Tollen Hefte Band 49, Büchergilde Gutenberg
Gedichte von Michael Hammerschmid, herausgegeben und illustriert von Rotraut Susanne Berner
Mit Original-Flachdruckgrafiken in vier Sonderfarben und einer Beilage
Josef-Guggenmos-Preis für Kinderlyrik 2018


Ist das wichtig? 

Oder kann das weg? »Minimalismus« beschäftigt uns auch bei Schenefeld im Wandel. Eine Quintessenz: Nur wirklich Wichtiges behalten. Dass „der Besitz besitzt“, wusste schon Friedrich Nietzsche (1844–1900). Und nur bis zu einem gewissen Grade mache der Besitz den Menschen unabhängiger, freier …, so der Philosoph.
Die Aufräum-Queen Marie Kondō empfiehlt seit 2011 das radikale Reduzieren anhand der Frage: »Macht mich dieser Gegenstand glücklich?«
Ich hätte da zwei Beispiele:

Lieber noch 20 Jahre aufbewahren?

 

Wen könnte diese Schale aus der Toskana noch glücklicher machen?

In Zeiten des Information Overkill können wir uns auch fragen: Muss ich das unbedingt wissen?  Ignoriere ich es nicht besser? Womit verbringe ich meine Zeit?
Für mich sind Nachrichten der Süddeutschen Zeitung in den Newslettern SZ Espresso am Morgen und am Abend eine ideale Ergänzung zur Quer-Lektüre des Schenefelder Tageblatts. Für die Nachrichten speziell aus Hamburg empfehle ich die Elbvertiefung der ZEIT.
Im letzten »Klimafreitag« der SZ habe ich diese Anatomie einer Katastrophe angeklickt und es nicht bereut.

Die SZ nennt die Animation selbstbewusst: Die perfekte Übersicht. Was die Klimakatastrophe konkret bedeutet. [5 bis 10 Minuten Lesezeit]

Flaschenpost. Quelle: futurzwei.org

Gelesen habe ich auch die jüngste Flaschenpost der Stiftung Zukunftsfähigkeit FUTURZWEI – daraus der Aufruf, dem ich mich hiermit anschließe: Unterzeichnet die Online-Petition »Wir brauchen mehr Klimaschutz im Fernsehen! #Klimavor8 statt Börse vor Acht!«

Die beiden Frauen, die diese Petition auf change.org gestartet haben, schreiben: »… nur 6 % der Deutschen investieren direkt am Aktienmarkt. … uns interessiert wie viele andere nicht primär der aktuelle Börsenkurs, sondern vielmehr der Erhalt und die Sicherung unserer Zukunft.«

Sam Cooke (1931–1964) hat schon vor über 50 Jahren den Wandel kommen sehen.
It’s been a long, a long time coming
But I know a change gonna come, oh yes it will
Zu seinem Song »A Change Is Gonna Come« gibt es ein gut gemachtes Official Lyric Video bei youtube.
Empfehlen möchte ich noch Blackbird von Matthias Brandt, erzählt aus der Sicht des 15-jährigen Morten, irgendwann in den 70ern. »Jung zu sein, bleibt immer gleich – so schmerzhaft, so unverständlich und so schön, weil alles zum ersten Mal passiert. ›Blackbird‹ ist ein wundervoller Roman.« Eva Menasse
   
Die ungekürzte Lesung von Matthias Brandt (ganz toll!) ist bei tacheles! Roofmusic erschienen.
Übrigens nutze ich als Suchmaschine neuerdings ECOSIA, von deren Gewinnen Bäume gepflanzt werden. Schon über 80.000.000 – nicht schlecht, oder?
Noch wichtig: die nächste FFF-Großdemo am Freitag, dem 21.2.2020, ab 14.00 Uhr in Hamburg, zwei Tage vor der Bürgerschaftswahl.
Wer sich schon mal einsingen möchte in die Demosongs, findet alle Texte etc. hier bei den Artists For Future. Also, nix wie raus auf die Straße am 21. Februar!

Cooles Mobi-Material – die neuen Bierdeckel


Tacheles

Aus dem Jiddischen: tachles = Ziel, Zweck < hebräisch taḵlîṯ

Tacheles reden (umgangssprachlich: unverhüllt, klar heraus, ohne falsche Rücksichtnahme seine Meinung sagen, ursprünglich = Zweckmäßiges reden; zur Sache kommen) Quelle: duden.de

Im September 2019 wurde der Grundstein gelegt für das neue Berliner Stadtquartier AM TACHELES, das 2022 fertiggestellt sein soll.

1909 als Friedrichstraßenpassage eröffnet, diente der Gebäudekomplex an der Oranienburger Straße im Laufe der Geschichte ganz unterschiedlichen Zwecken.

Haus der Technik – die AEG Rotunde wurde 1982 gesprengt (c) Gerd Danigel

1990 rettete die Künstlerinitiative Tacheles die Ruine vorm endgültigen Abriss. Seit 1992 denkmalgeschützt, wurde das Gebäude zu dem Kunst- und Kommunikationszentrum in Berlin. Bis 2012.

Das Tacheles Richtung Westen 2008 (c) De-okin

Das Tacheles Richtung Osten 2008 (c) De-okin

Mehr über die spannende Geschichte des Tacheles bei Wikipedia

Tacheles sprechen auch die Kinder in Alle behindert!
25 spannende und bekannte Beeinträchtigungen in Wort und Bild

Text: Monika Osberghaus, Illustrationen: Horst Klein,
erschienen im September 2019

»Ab 5 Jahre und für alle« empfiehlt der Klett Kinderbuchverlag – dem schließe ich mich an.

Leseprobe. Quelle: Klett Kinderbuch Verlag

Von nahen und entfernten Verwandten
Drei Romandebüts
Unter diesem Motto laden die Hamburger BücherFrauen herzlich zu ihrem 17. LiteraturBrunch.
Am Sonntag, dem 9. Februar 2020, 10 bis 14 Uhr.
Im Tanzstudio Billie’s in der Alten Dosenfabrik [Stresemannstr. 374 b] werden die Autorinnen Tabea Hertzog, Katharina Mevissen und Lola Randl aus ihren Debütromanen lesen. Moderation: Karina Schmidt
     
Der Eintritt kostet 25 Euro (BücherFrauen 18 Euro), inkl. Brunch.
Weitere Informationen finden sich auf buecherfrauen.de
Es gibt noch wenige Karten. Da die Zahl der Plätze begrenzt ist, bitten wir um verbindliche Kartenreservierung per Mail an literaturbrunch@buecherfrauen.de  – danke.

Zum Jahresende 2019 in Tannfeld (Genussregion Oberfranken) (c) Ute Kistner-Grabenstein


Naiv im Advent

Euch im Advent Video-Interviews zu empfehlen, in dieser eh schnelllebigen, nun noch beschleunigten Zeit, ist sicher blauäugig. Aber vielleicht findet Ihr zwischen den Jahren Zeit, das eine oder andere Gespräch zu hören oder zu schauen. Ich hör die Interviews mit Tilo Jung gern beim Plätzchenbacken. Beim jüngsten Gespräch mit dem Klimaforscher Stefan Rahmstorf [Jung & Naiv: Folge 447] können frisch gebackene Kekse zum Ingwertee durchaus ein Trost sein.

Stefan Rahmstorf und Tilo Jung

Ein anderes »Rezept« hat der Benediktiner David Steindl-Rast: Stop. Look. Go.
Der über 90jährige Mönch im Gespräch mit Jörg Fuhrmann (2017) bei youtube [min 04:50 bis 06:38] zu »Dankbar leben«.

Bruder David Steindl-Rast und Jörg Fuhrmann

Eindrucksvoll finde ich auch das Porträt über David Steindl-Rast von 2016. Aus einem seiner Vorträge stammt dieses Zitat:

Was ist das Kostbarste, das man sich vorstellen kann? Der nächste Augenblick. Wenn du den nicht bekommst, ist alles andere, was du dir wünschst, nicht da. Der geschenkte Augenblick. Dieser wird dir ganz einfach gegeben. Du kannst nichts machen. Nicht einmal, wenn du dir einen weiteren kaufen willst. Ein reines Geschenk! Das größte Geschenk ist jeder Augenblick, der dir gegeben wird – jetzt und jetzt und jetzt.

Jetzt  – ein gutes Stichwort für die Dringlichkeit in Sachen Klimaschutz.
Fridays for Future hat am Sonntag (1.12.2019) den jährlich von der Zeit-Stiftung verliehenen Marion Dönhoff Preis, genau gesagt den Förderpreis, erhalten. Aus den Dankesworten von Luisa Neubauer: „Wir fühlen uns geehrt, mit einem Preis ausgezeichnet zu werden, der nach einer Frau wie Marion Gräfin Dönhoff benannt wurde. Während Marion Gräfin Dönhoff damals ihrer Zeit voraus war, hinkt die Gesellschaft unserer Zeit heute hinterher.“

       

Luisa Neubauer, Alexander Repenning
Vom Ende der Klimakrise. Eine Geschichte unserer Zukunft
304 Seiten, erschienen am 16.10.2019, 18 €

Extinction Rebellion. Herausgegeben von: Sina Kamala Kaufmann + Michael Timmermann + Annemarie Botzki
Wann wenn nicht wir*. Ein Extinction Rebellion Handbuch
256 Seiten, erschienen am 4.9.2019, 12 €

Der Jugendrat der Generationenstiftung, Claudia Langer (Hrsg.)
Ihr habt keinen Plan, darum machen wir einen!
10 Bedingungen für die Rettung unserer Zukunft
272 Seiten, erschienen am 18.11.2019, 12 €

Bevor das Jahr sich dem Ende zuneigt, noch drei Romane von 2019, die mir besonders gut gefallen haben, noch dazu alle drei aus unabhängigen Verlagen:

       

Dilek Güngör, Ich bin Özlem
160 Seiten, Verbrecher Verlag

Simone Meier, Kuss
256 Seiten, Kein & Aber Verlag

Katharina Mevissen, Ich kann dich hören
168 Seiten, Wagenbach Verlag

Schließlich noch ganz unvorweihnachtlich eine neue kleine Serie in loser Folge:
Aktuelle Abkürzungen

COP 25 = 25th Conference of the Parties = UN-Klimakonferenz 2019, die noch bis zum 13.12. in Madrid stattfindet – mehr dazu 

IPCC = Intergovernmental Panel on Climate Change = Zwischenstaatlichen Ausschuss für Klimaänderungen der Vereinten Nationen, hierzulande auch Weltklimarat genannt – mehr dazu

EEG = Das deutsche Gesetz für den Ausbau erneuerbarer Energien (Kurztitel Erneuerbare-Energien-Gesetz, EEG 2017) – mehr dazu


Wem glaube ich?


»Wir haben alles gesagt – jetzt muss gehandelt werden!«
Am Freitag, 15.11.2019, 12.30 Uhr treffen sich die Scientists for Future zur Schweigedemonstration vorm Bundeskanzlerinnenamt. Aus ihrem Aufruf: »Uns – Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler – macht das Regierungsversagen sprachlos. Seit Jahren weisen wir auf die hohen Risiken der Klimakrise hin. Wir werden in Gremien und Kommissionen eingeladen – aber unsere Erkenntnisse werden ignoriert.«
Die Website www.scientists4future.org ist eine Fundgrube an Fakten-Material.

Wem glaube ich noch? Der Bundeszentrale für Politische Bildung. Es gibt sie seit 1952, damals noch: Bundeszentrale für Heimatdienst … Oha. Ich erinnere mich vage an ein Heft aus meiner Schulzeit, schwarzweiß, viele Fotos und irgendwie gut gemacht. Auf www.bpb.de  findet sich eine unglaubliche Fülle an Info-Material zu allen möglichen Themen, das man kostenlos anfordern kann. Zum Beispiel:

fluter. Das Heft – Nr. 70

Wer sich noch eingehender informieren möchte, bevor er oder sie sich entscheidet, selbst klimagerechter zu leben – hier eine ganz kleine Auswahl an aktuellen Büchern, weitere Infos jeweils durch Klicken aufs Cover oder auf die Buchtitel:
   

Charles Eisenstein, Klima. Eine neue Perspektive
Aus dem Englischen von Jürgen Hornschuh,
Eike Richter und Nikola Winter
400 Seiten

Jonathan Safran Foer, Wir sind das Klima!
Wie wir unseren Planeten schon beim Frühstück retten können
Aus dem Englischen von Stefanie Jacobs und Jan Schönherr
336 Seiten
Originaltitel: We Are the Weather. Saving the Planet Begins at Breakfast

Außer der Klimakrise ist auch das Artensterben eine von Menschen gemachte Katastrophe und das ist keine Frage von Kannste glauben oder nicht. Vor der Umweltminister-Herbst-Konferenz in Hamburg (13.–15.11.2019) lädt Extinction Rebellion morgen am Martinstag, 11.11.2019 ein zu

Der Laternenumzug durch die Innenstadt beginnt um 17 Uhr am Gänsemarkt. Groß und Klein sind eingeladen. Es ist keine Aktion von zivilem Ungehorsam.

Der youtube-Kanal von Extinction Rebellion Deutschland  versammelt interessante Videos über XR. Für alle, die einen ersten gründlichen Einblick bekommen wollen, kann ich den Vortrag »Aufstand oder Aussterben? Die Bewegung Extinction Rebellion« von Nick Holzberg, XR Berlin, empfehlen [bei youtube 1:40:10].

»Zuerst ignorieren sie dich,
dann lachen sie über dich,
dann bekämpfen sie dich und
dann gewinnst du.«
Mahatma Gandhi

[»First they ignore you, then they laugh at you, then they fight you, then you win.«]

Doris Dörrie (Still, 3sat.de)

Statt im Oktober zur Frankfurter Buchmesse zu fahren, habe ich lieber vom Sofa aus einige Gespräche auf dem blauen Sofa in der 3sat-Mediathek angeschaut. Dieses fand ich besonders sehenswert: Cecile Schortmann spricht mit Doris Dörrie über ihr Buch »Leben, schreiben, atmen« – auf www.3sat.de

Doris Dörrie, Leben, schreiben, atmen. Eine Einladung zum Schreiben
288 Seiten

Falls das noch nicht genug Poesie war, erwähne ich gern noch den diesjährigen Büchnerpreisträger, den Schweizer Schriftsteller Lukas Bärfuss (*1971). Seine Bücher erscheinen im Göttinger Wallstein Verlag.

Foto: dpa / Boris Roessler

Seine eindrucksvolle Dankesrede Meine Poetik war mir nie Selbstzweck kann man hier nachhören, in der Deutschlandfunk-Mediathek, und hier nachlesen, auf der Website der Deutschen Akademie für Sprache und Dichtung.
Lukas Bärfuss verweist auf die Verantwortung seiner Generation, an die Verbrechen der Vergangenheit zu erinnern: »Wer den letzten Krieg vergisst, der bereitet schon den nächsten vor.«

Zum guten Schluss noch ein Blick in die Tate Modern. Im Sommer durften wir zu dritt für ein paar Tage in London durch Straßen, Parks und Museen wandeln. Besonders begeistert hat mich (unter anderem) die Installation »The British Library«  von Yinka Shonibare (*1962 : )

Der britisch-nigerianische Künstler ist vor allem durch die Arbeit mit Dutch Wax, bedruckten, farbenprächtigen Baumwollstoffen bekannt geworden. Seit 2019 trägt er den Titel »Commander of the most excellent Order of the British Empire« (CBE). Weitere Informationen auf Yinka Shonibares Homepage.