textbeet

Kompost für den Alltag


Glück gehabt

Hierzulande geboren zu sein und „ganz automatisch“ hier leben zu dürfen – reine Glücksache. Sicher kein persönliches Verdienst, vielleicht Schicksal, jedenfalls: Glück gehabt. Es heißt in einem Sprichwort, dass Glück das einzige sei, das sich vermehrt, wenn man es teilt …

G. Brändle, Agroscope – Agroscope Reckenholz-Tänikon

Bei einem anderen Wort mit Glü… kann ich fuchsig werden. Dass Landwirtschaftsminister Schmidt (CSU) neulich in Brüssel für die weitere Verwendung von Glyphosat gestimmt hat, ist doch echt ein Skandal. Erhebliche Bedenken gegen diesen „Unkrautvernichter“ gibt es nicht nur von Naturschützern. Kann es purer Zufall sein, dass kurz nach der Abstimmung die Genehmigung der US-Behörden für eine Übernahme von Monsanto durch Bayer kam? »MONSANTO [Food · Health · Hope]« …

Auch nicht glücklich macht mich Amazon. Da können sie noch so viele Smileys auf Pakete und Plakate drucken. Der Konzern hat es seit 1995 geschafft, zum Versandhändler Nummer eins zu werden. Beeindruckend ist der Eintrag bei Wikipedia. Und Amazon breitet sich weiter aus. Schon zwei Mal habe ich jetzt das „Amazon-STUDIO“-Logo im Kino-Vorspann gesehen. Immer mehr Einfluss nehmen zu können, macht bestimmt Spaß. Doch grad in letzter Zeit gab es vermehrt kritische Berichte zum Konzern, nicht nur zur Bezahlung der Mitarbeiter_innen im Versandzentrum. Die interessante Reportage in der ARD [gesendet am 27.11.2017, 45 min] Das System Amazon kann man in der ARD-Mediathek nachsehen.
Es gibt Prognosen, die Amazon in zehn, fünfzehn Jahren als Monopolisten im Versandhandel sehen. Wer dann online shoppen will, hätte nicht mehr die Wahl. Wer das verhindern will, sollte zuallererst keine Bücher mehr dort bestellen, sondern in der nächstgelegenen Buchhandlung resp. in deren Online-Shop.

Plakat des Diogenes Verlages, Zürich

Wer noch einen Bücherwunsch frei hat, Platz auf dem Sofatisch und Lust auf eine ganz besondere und abwechslungsreiche Lektüre, denen empfehle ich

   

Letters of Note – Correspondence Deserving of a Wider Audience
Letters of Note – Briefe, die die Welt bedeuten
125 Briefe der Weltgeschichte versammelt dieses schön gemachte Buch, mit Abdrucken der Originale, die für die deutsche Ausgabe übersetzt wurden. Der Ursprung dieses Bandes sind Briefe, die Shaun Usher seit Jahrzehnten auf www.lettersofnote.com/ sammelt.
Besonders lustig finde ich den Brief der drei Teenager an Dwight D. Eisenhower, die sich beim damaligen US-Präsidenten dafür einsetzen, dass Elvis Presley beim Militär seine langen Haare behalten darf. Sonst hätte ihr Leben keinen Sinn mehr, schreiben sie.

Hier noch zum neuen Jahr einige Taschenbuch-Empfehlungen. Teils tragik-komisch, in der Grundstimmung heiter.
Weitere Informationen finden sich auf den Verlagsseiten [Cover oder TItel anklicken].

        

Adriana Altaras, Das Meer und ich waren im besten Alter. Geschichten aus meinem Alltag
Karin Kalisa, Sungs Laden
Helen Simonson, Mrs. Alis unpassende Leidenschaft
Joachim Meyerhoff, Ach, diese Lücke, diese entsetzliche Lücke

Ankündigen möchte ich gern noch den nächsten LiteraturBrunch der Hamburger BücherFrauen, den ich die Freude habe, wieder mit vorzubereiten.
Unter dem Motto »Fremdeinwirkungen – Familienromane aus der klischeefreien Zone« lesen Britta Boerdner, Mareike Krügel und Annette Mingels aus ihren 2017 veröffentlichten Romanen und sprechen mit Christine Gräbe über ihre Arbeit.

  

Der LiteraturBrunch 2018 findet statt am Sonntag, dem 28. Januar 2018, im La Yumba (St. Pauli), Einlass 9:30 Uhr. Der Eintritt kostet 20 Euro (für BücherFrauen 15 Euro), inkl. Brunch-Büfett. Kartenreservierung bitte per Mail an literaturbrunch@buecherfrauen.de

Auf jeden Fall glücklich machen können diese »Kürbisspalten aus dem Ofen«. Das Rezept kommt ein bisschen verspätet, denn Hokaido-Kürbisse gibt es schon länger nicht mehr im Hochbeet zu ernten [siehe Foto], aber immer noch aufm Markt oder im Laden zu kaufen.

Blick in unser neues Hochbeet im September

Einen halben Hokaido-Kürbis in dünne Spalten schneiden und in eine mit Olivenöl ausgestrichene Form schichten, großzügig mit Olivenöl bestreichen, salzen, mit Korianderkörnern und Kürbiskernen bestreuen.
Bei 175 Grad Umluft etwa 20 Minuten garen lassen. Guten Appetit!
[Die andere Hälfte gelegentlich zu einer Suppe kochen.]

Eines Tages wird es gleichgültig sein, ob wir glücklich oder unglücklich sind, weil wir für keines von beiden Zeit haben. Tennessee Williams (amerikanischer Dramatiker, 1911-1983)

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… und Tee trinken

Im Netz finden sich diverse Erklärungen, woher die Empfehlung „Abwarten und Tee trinken“ stammen könnte. Die charmanteste ist, finde ich, dass es im 19. Jahrhundert in der so genannten besseren Gesellschaft Mode war, zu Literarischen Teeabenden einzuladen. Man diskutierte teetrinkenderweise mit den Gästen über vorgelesene Texte. Was genau man abwartete, bleibt unklar.
teegesellschaft
In diesen Tagen wünschte ich mir, von der Politik und von den Medien etwas mehr besonnenes Abwarten. Auch, dass „Nachrichten“ noch besser geprüft würden, bevor sie sich postfaktisch gerüchtehalber und uneinholbar verbreiten.
Doch das Zögern hat einen schlechten Ruf, zu Unrecht, wie in dem Feature Über das Zaudern vom 8.4.2016 auf SWR 2 nachzuhören ist.

Und welchen Tee sollte man trinken beim Sich-Zeit-Lassen? Am liebsten sollte er natürlich schadstoffarm sein, günstig und fair gehandelt. Zum Beispiel der von der Teekampagne vertriebene Darjeeling, angeblich der „Champagner“ unter den Tees. Angeboten in 500g- und 1kg-Packungen und ausgesprochen lecker.

Zum Tee passt Gebäck, zum Beispiel die Schoko-Mandel-Cranberrie-Kugeln, die ich grad besonders gern backe.
Und dazu passt außerdem doch noch:
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Obwohl dieser Spruch wohl schon seit Jahrzehnten an der Berliner Yorckbrücke prangt, habe ich erst neulich davon gehört – Dota Kehr zitiert ihn in ihrem Lied Utopie. Die Welt ist was Gemachtes [auf 3sat bei youtube].

Und immer wieder zum Tee nur zu empfehlen: ein gutes Buch. Seit ich vor einigen Jahren Mit Blick aufs Meer (im Original Olive Kitteridge, 2009 ausgezeichnet mit dem Pulitzer Prize for Fiction) von Elizabeth Strout gelesen habe, lese ich die neuen Bücher der US-amerikanischen Autorin, zuletzt My Name is Lucy Barton, shortlistet für den Man Booker Prize, auf Deutsch Die Unvollkommenheit der Liebe.

In den USA erscheinen Elizabeth Strouts Romane bei Penguin Random House, dem derzeit größten Publikumsverlag der Welt, in der Übersetzung von Sabine Roth im Luchterhand Verlag bzw. als Taschenbuch bei btb, ebenfalls Random House, also Bertelsmann.
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Elizabeth Strout, Olive Kitteridge (2009)
Mit Blick aufs Meer
Olive Kitteridge ist die ehemalige Mathelehrerin von Crosby und zentrale Figur im Universum der kleinen Stadt in Maine.

Elizabeth Strout, The Burgess Boys (2013)
Das Leben, natürlich
Jim und Bob Burgess sollen sich um ihren 19-jährigen Neffen Zachary kümmern, der einen Schweinekopf vor die Moschee ihres kleinen Heimatortes gelegt hat.

Elizabeth Strout, My Name is Lucy Barton (2016)
Die Unvollkommenheit der Liebe
erzählt uns auf anrührende und schlichte Weise, wie aus Lucy Barton, nach einer harten Kindheit auf dem Land, eine New Yorker Schriftstellerin wird.

BTW: Herzlichen Glückwunsch an Graham Nash, der am 2. Februar 75 Jahre alt geworden ist. 1969 hat er meinen aktuellen Lieblingssong „Our House“ für seine Freundin Joni Mitchell geschrieben. 1970 ist „Our House“ auf dem Album Déjà Vu erschienen, und in dieser, wie ich finde, schönsten Live-Version bei youtube zu sehen.

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Joni Mitchell und Graham Nash

I’ll light the fire, while you place the flowers
In the vase that you bought today.

Life used to be so hard,
Now everything is easy ‚cause of you.


etwas lachenden Mut

Vor drei Wochen wurde der diesjährige Friedenspreis des Deutschen Buchhandels wie schon erwähnt an Carolin Emcke verliehen. In ihrer Dankesrede [als Skript] spricht sie in sehr persönlichen, klaren Worten über Angehörigkeit und Zugehörigkeit, über Verrohung, Diffamierungen, über Toleranz:

»Das ist die soziale Pathologie unserer Zeit: dass sie uns einteilt und aufteilt, in Identität und Differenz sortiert, nach Begriffen und Hautfarben, nach Herkunft und Glauben, nach Sexualität und Körperlichkeiten spaltet, um damit Ausgrenzung und Gewalt zu rechtfertigen.«

Bei youtube ist die Aufzeichnung ihrer Rede nachzusehen. Carolin Emcke schließt mit den Worten:

»Wir können immer wieder anfangen. Was es dazu braucht?
Nicht viel: etwas Haltung, etwas lachenden Mut und nicht zuletzt die Bereitschaft, die Blickrichtung zu ändern, damit es häufiger geschieht, dass wir alle sagen: Wow. So sieht es also aus dieser Perspektive aus.«

Der National-Geographic-Film Before the Flood mit Leonardo di Caprio ist ein Appell, dem Klimaschutz entschiedener zu begegnen. Noch bestehe Hoffnung. Der Dokumentarfilm ist auf youtube und anderen Plattformen frei zugänglich.

before_the_flood_greenland1    Grönland schmilzt dramatisch
Grönland schmilzt dramatisch

Dass noch Hoffnung besteht, könnte auch die Botschaft der UN-Klimakonferenz sein, die in diesen Tagen in Marrakesch stattfindet.
Doch wir müssen anfangen, unsere Lebensweisen entscheidend zu ändern.
»We have to take action«, sagt Barrack Obama in Before the Flood [ab 1:12]. Bei der Weltklimakonferenz 2015 in Paris sind von 195 Staaten konkrete Klimaziele beschlossen worden. Nun wird in Marrakesch die Finanzierung von »Anpassungsstrategien« verhandelt. Es geht ums Geld.

Zeit Online zitiert die Bundesumweltministerin Barbara Hendricks: »Manche scheinen immer noch zu glauben, Klimaschutz sei allein das Vergnügen der Umweltministerin.«
Mit »manche« sind wohl vor allem die beiden CSU-Minister für Verkehr und Landwirtschaft gemeint.
»Die Landwirtschaft in Deutschland trägt maßgeblich zur Emission klimaschädlicher Gase bei«, so das Umweltbundesamt im April 2016.  Ein Machtwort der Kanzlerin blieb bislang leider aus.

Wer noch mehr Gründe braucht, weniger Fleisch zu essen:

cover_foer_tiere   Tiere denken von Richard David Precht   cover_duve_essen

Jonathan Safran Foer, Tiere essen
Richard David Precht, Tiere denken: Vom Recht der Tiere und den Grenzen des Menschen
Karen Duve, Anständig essen. Ein Selbstversuch

Bei diesem Kürbissalat kann man schon mal vergessen, dass kein Fleisch auf dem Tisch steht.
Das Rezept als PDF.

kuerbissalatzutaten    kuerbissalat

Zum Schluss noch eine Prise Optimismus von Heinz Erhardt

Im Herbst bei kaltem Wetter
fallen vom Baum die Blätter –
Donnerwetter!
Im Frühjahr dann
sind sie wieder dran –
sieh mal an.


Saure Äpfel

Carolin Emcke, die im Oktober wie schon erwähnt den Friedenspreis des Deutschen Buchhandels erhält, hat am 13. August in Bochum die Festspielrede zur Eröffnung der Ruhrtriennale 2016 gehalten, unter dem Titel »Vom Übersetzen«.
Nachzulesen ist diese wie ich finde in ihrer Deutlichkeit herausragende und überhaupt eindrucksvolle Rede auf der Website der Ruhrtriennale.
Carolin_Emcke_Festspielrede_2016
Carolin Emcke stellt Fragen wie: »Seit wann wurde ein ›guter Mensch‹ zu etwas, das diffamiert und bespottet werden kann? Seit wann muss man sich für selbstverständliche Freundlichkeit anderen gegenüber, für Differenzierung zwischen Individuen und Kollektiven oder auch nur selbstkritische Nachdenklichkeit entschuldigen? Seit wann?«
Am Ende ihrer Rede erzählt sie eine Geschichte, denn: »Es braucht Erzählungen davon, wie die Freiheit schmeckt, wie die Gleichheit sich anfühlt, wie die Brüderlichkeit klingt.«
Auch auf youtube gibt es das Video von der Rede, zunächst die Einführung von Festspiel-Intendant Johan Simons, ab Minute 8 ist Carolin Emcke zu sehen.

Apropos Buchmesse: Letzte Woche hat die Jury für den Deutschen Buchpreis, der am 17. Oktober in Frankfurt zum 12. Mal verliehen wird, die Longlist der nominierten Belletristik-Neuerscheinungen 2016 bekannt gegeben – 20 Romane von 14 Autoren und 6 Autorinnen. Die Website bietet eine übersichtliche Übersicht, sogar mit Hörproben.

Unter den Romanen, die es nicht auf diese Longlist geschafft haben, uns bei der Vorbereitung zum nächsten LiteraturBrunch der Hamburger BücherFrauen aber positiv aufgefallen ist, sind diese drei Debüts:
Cover_Bazyar_Nachts   Cover_Khayate_Woanders   Cover_Winkler_Blauschmuck
Jeweils sehr eindrückliche Entwicklungsgeschichten vor dem Hintergrund „Orient – Okzident“:

Shida Bazyar, Nachts ist es leise in Teheran (Kiepenheuer & Witsch)
Das Leben einer Familie von 1979 bis heute, zwei Generationen in Iran und in Deutschland, aus unterschiedlichen Perspektiven herausragend und überzeugend erzählt.

Rasha Khayat, Weil wir längst woanders sind (Dumont)
Basil besucht seine Schwester Layla in Saudi-Arabien, die dorthin zurückgekehrt ist, dort heiraten und bleiben wird, und er fragt sich: Warum?

Katharina Winkler, Blauschmuck (Suhrkamp)
Die Autorin erzählt von der jungen Kurdin Filiz, nach einer wahren Liebes- und Leidensgeschichte, krass und dabei sehr poetisch.

Wer Anfang des Jahres den Dokumentarfilm Hello I am David! von Cosima Lange im Kino verpasst hat: Gestern ist die DVD erschienen.
David_Helfgott
David Helfgott, Jahrgang 1947, war ein Wunderkind am Klavier und lebte als junger Mann nach einem Nervenzusammenbruch elf Jahre lang in einer psychiatrischen Klinik. Den US-amerikanischen Regisseur Scott Hicks inspirierte David Helfgotts Lebensgeschichte zu dem Oscar-prämierten Film SHINE – Weg ins Licht (1996). Dieser Film – in den Hauptrollen Geoffrey Rush und Armin Müller-Stahl, ebenfalls unbedingt empfehlenswert – scheint im Moment nur als Blu-ray lieferbar zu sein.
Für Hello I am David! hat die Regisseurin Cosima Lange den australischen Ausnahmepianisten 2015 auf seiner Konzertreise durch Europa begleitet und mit Menschen gesprochen, die ihm nahe stehen. Mehr Informationen über diesen großartigen, inspirierenden Film bei good!movies.

»I play in the spirit of the joy of giving, caring, sharing and love. Music is my passion and fills my life.«  David Helfgott

Eine meiner Leidenschaften neben dem Bücher-Lesen ist Backen. Und weil es grad so herrlich saure Äpfel gibt, hier exklusiv das Rezept für einen meiner Lieblingskuchen: Mohn-Quark-Apfel-Torte (als PDF). Unser Apfelbaum (Foto von 2015) hat in diesem Jahr leider nur zwei Äpfel getragen …
Unser_Apfelbaum_0915
Dafür gab es mehr als 5 Kilo Brombeeren – was für eine Ernte (leider ohne Foto).
Und ganz zum Schluss noch ein Blick in unsern kleinen Gartenteich: Zwei Teichfrösche haben ihren Lieblingsplatz an der Sonne gefunden, in Lennarts Water-Starlet-Wasser-Springbrunnen.

Teichfroesche_II_2016  Teichfroesche_2016


nicht ganz fertig

»An das Gute glauben nur die wenigen, die es üben.«
Marie von Ebner-Eschenbach

Margot Käßmann sprach in einem Interview davon, dass unsere Ablenkungsgesellschaft kaum noch Stille kenne. Sie meint: »Wir brauchen Auszeiten, die uns kreative Kraft schöpfen lassen.«
Aus: Entrüstet Euch! Warum Pazifismus für uns das Gebot der Stunde bleibt. Texte zum Frieden, herausgegeben von Margot Käßmann und Konstantin Wecker.

Eine meiner liebsten Verschwörungstheorien ist ja, dass die Menschen, die Arbeit haben, viele Überstunden machen sollen, damit sie zu erschöpft sind, sich in ihrer freien Zeit noch für eine gute Sache zu engagieren oder sonstwie unbequem zu werden. Meine Empfehlung: täglich 5 Minuten Nichtstun, Einatmen, Ausatmen, INNEHALTEN, auf neue Ideen kommen.
Ein Beispiel:

Josie: »Na, was hast Du heut den ganzen Tag gemacht?«
Sid: »Gar nichts.«
Josie: »Haste doch schon gestern gemacht.«
Sid: »Ich bin nicht ganz fertig geworden.«

Sascha Grammel (mit Schildkröte Josie) und Otto Waalkes (die Stimme von Faultier Sid in Ice Age) zu seinem Bühnenjubiläum 2015 [von min. 6:00 bis 6:20]

Als Zugeständnis zur derzeitigen EM-Euphorie noch ein Rezept nach Yotam Ottolenghi: FOUL.
250 g weiße Bohnen über Nacht einweichen, etwa 30 Minuten weich kochen, salzen, zerstampfen oder pürieren. 75 ml Olivenöl einrühren, dazu den Saft einer Zitrone, zwei gepresste Knoblauchzehen und 1 Teel. gemahlenen Kreuzkümmel.
Perfekt als Beigabe zu diversen Gemüsen.
Mehr Rezepte in dem Kochbuch von Ottolenghi Genussvoll vegetarisch.

Ganz genau, und außerdem bereichern Bücher unser Leben. Darum noch dieser Buchtipp für alle, die Gute Geister/The Help von Kathryn Stockett noch nicht gelesen haben:
Cover_Stockett_Gute    Cover_Stockett_Help
Kathryn Stockett erzählt in ihrem Roman, der in den 60er Jahren in Jackson/Mississippi spielt, von drei mutigen Frauen, die sich nicht abfinden mit Rassismus, Vorurteilen und Ungerechtigkeiten, sondern das Leben in ihrer Stadt verändern.
Eines der Bücher, mit denen wir üben können, an das Gute zu glauben.


Brot und Spiele

»Noch ist der Drop nicht gelutscht!«
Na, was habe ich neulich gehört? Richtig! Die Live-Übertragung eines Auswärtsspiels vom FC St. Pauli auf sport1. Die eine »1000-prozentige Möglichkeit« wurde leider nicht genutzt – herrlich, diese sprachgewitzten Fußball-Kommentatoren!

Aber man kann sich ja nicht nur ablenken. Ab und an muss man der Realität ins Auge sehen. Bis zu 24 Prozent für die AfD bei den Landtagswahlen im März. Auf Spiegel online findet sich eine sehr gute Übersicht [vom 14.3.2016] über die erschreckend großen Landtagsfraktionen der erst drei Jahre alten Partei.

Das NDR-Satire-Magazin extra3 hat es mal wieder geschafft, dem Ernst der Lage eine unterhaltsame Seite abzugewinnen. Ich fand den Beitrag über die Partei Aufmerksamkeit für Dackel jedenfalls sehr lustig [vom 4.5.2016, Länge 2:32]. Diese AfD ist beispielsweise gegen Zecken (vor allem linke) und für eine Schweinefleischpflicht im Hundefutter.

Bitterernst dagegen der Beitrag »Die neuen Rechten« in der Kulturzeit vom 9.3.2016, bei dem es mir mehrfach kalt den Rücken runtergelaufen ist  [Länge 16:30]. Der Verleger Götz Kubitschek ist einer der prominentesten Vertreter dieser rechten Bewegung. Armin Nassehi, Professor für Soziologie in München, hat mit Kubitschek einen Briefwechsel geführt und diesen bereits 2015 in Die letzte Stunde der Wahrheit veröffentlicht.

Eines der besten Bücher, die ich überhaupt gelesen habe, ist Sieben Sprünge vom Rand der Welt von Ulrike Draesner, im Januar als Taschenbuch bei btb erschienen.
Cover_Draesner_Sieben
In dem 560 Seiten starken(!) Roman lässt Ulrike Draesner vier Generationen zu Wort kommen. Ihre Figuren erzählen auf ganz unterschiedliche Weise von ihrer Wirklichkeit, sprechen und schweigen vom Krieg und den Nachwirkungen von Flucht bis in die Urenkelgeneration. Schreckliches ist kaum zu ertragen, Schönes und Skurriles berührend beschrieben. Vor allem Ulrike Draesners kunstvolle Art, die Schicksale und Beziehungen von zwei Familien spannend miteinander zu verweben, haben mich tief beeindruckt.

Zum guten Schluss noch ein Blick in meine »veganisierte« Küche:
Cashew-Moehren-Brotaufstrich_Zutaten
Cashew-Möhren-Brotaufstrich
100 g Cashewkerne in 40 ml Kokosöl unter ständigem Rühren leicht anrösten.
2 große geraspelte Möhren zugeben und kurz mitdünsten lassen.
1 Teel. Curry einrühren, mit 100 ml Gemüsebrühe ablöschen, aufkochen lassen, Herd ausstellen.
2 bis 3 Essl. Zitronensaft zugeben, salzen und pfeffern und zu einer streichfähigen Masse pürieren.
Der Aufstrich hält sich etwa 1 Woche im Kühlschrank. Mit Gemüsebrühe verlängert, eignet er sich hervorragend als Topping auf diversen Gerichten.


Selbstversorger-Fantasien

Falls die Zeiten härter werden, gibt es bereits Pläne für weitere Beete in unserem Garten. Da, wo jetzt noch Wiese ist, neben dem Haus.
Ursprünglich war die Fläche als Rasen geplant und angelegt, doch inzwischen fühlen sich dort Klee, Moose, Löwenzahn etc. viel wohler als das Grün aus der Rasensaat. Macht nix. Natur eben.
Falls wir uns also über Him-Brom-Johannis- und Stachelbeeren hinaus als Selbstversorger versuchen wollen, wird aus der Wiese ein Kartoffelacker.

Einen Tipp für Kartoffelgratin habe ich schon heute:
Für die Soße 1 flachen Eßlöffel Salz in 1/2 Tasse kochendem Wasser auflösen, zu je 1/4 l Sahne und Milch geben. Der Clou: Die Kartoffeln werden ganz gleichmäßig mit Salz versorgt.
Der Rest des Rezepts:
1,5 kg Bio-Kartoffeln, in feine Scheiben schneiden und in eine gebutterte Auflaufform schichten.
Je nach Geschmack Pfeffer, Knoblauch oder Kräuter (z. B. aus dem Garten) in die Sahnemilch geben, über die Kartoffeln gießen, ggf. mit geriebenem Käse bestreuen und bei 180 Grad (Umluft) eine Stunde backen lassen.