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Kompost für den Alltag


So viel, wie man kann

»Ich rate, lieber mehr zu können, als man macht, als mehr zu machen, als man kann.« Bertolt Brecht
»… bis man so viel macht, wie man kann.« Aus: Der Andere Advent 2019


Aus: Der Kinder Kalender 2020
Mit 52 Gedichten und Bildern aus aller Welt
Herausgegeben von der Internationalen Jugendbibliothek, München
Ausgezeichnet mit dem Kalenderpreis des Deutschen Buchhandels 2020

Das Genaue Schnecken Lied stammt aus: Schlaraffenbauch in Die Tollen Hefte Band 49, Büchergilde Gutenberg
Gedichte von Michael Hammerschmid, herausgegeben und illustriert von Rotraut Susanne Berner
Mit Original-Flachdruckgrafiken in vier Sonderfarben und einer Beilage
Josef-Guggenmos-Preis für Kinderlyrik 2018


Tacheles

Aus dem Jiddischen: tachles = Ziel, Zweck < hebräisch taḵlîṯ

Tacheles reden (umgangssprachlich: unverhüllt, klar heraus, ohne falsche Rücksichtnahme seine Meinung sagen, ursprünglich = Zweckmäßiges reden; zur Sache kommen) Quelle: duden.de

Im September 2019 wurde der Grundstein gelegt für das neue Berliner Stadtquartier AM TACHELES, das 2022 fertiggestellt sein soll.

1909 als Friedrichstraßenpassage eröffnet, diente der Gebäudekomplex an der Oranienburger Straße im Laufe der Geschichte ganz unterschiedlichen Zwecken.

Haus der Technik – die AEG Rotunde wurde 1982 gesprengt (c) Gerd Danigel

1990 rettete die Künstlerinitiative Tacheles die Ruine vorm endgültigen Abriss. Seit 1992 denkmalgeschützt, wurde das Gebäude zu dem Kunst- und Kommunikationszentrum in Berlin. Bis 2012.

Das Tacheles Richtung Westen 2008 (c) De-okin

Das Tacheles Richtung Osten 2008 (c) De-okin

Mehr über die spannende Geschichte des Tacheles bei Wikipedia

Tacheles sprechen auch die Kinder in Alle behindert!
25 spannende und bekannte Beeinträchtigungen in Wort und Bild

Text: Monika Osberghaus, Illustrationen: Horst Klein,
erschienen im September 2019

»Ab 5 Jahre und für alle« empfiehlt der Klett Kinderbuchverlag – dem schließe ich mich an.

Leseprobe. Quelle: Klett Kinderbuch Verlag

Von nahen und entfernten Verwandten
Drei Romandebüts
Unter diesem Motto laden die Hamburger BücherFrauen herzlich zu ihrem 17. LiteraturBrunch.
Am Sonntag, dem 9. Februar 2020, 10 bis 14 Uhr.
Im Tanzstudio Billie’s in der Alten Dosenfabrik [Stresemannstr. 374 b] werden die Autorinnen Tabea Hertzog, Katharina Mevissen und Lola Randl aus ihren Debütromanen lesen. Moderation: Karina Schmidt
     
Der Eintritt kostet 25 Euro (BücherFrauen 18 Euro), inkl. Brunch.
Weitere Informationen finden sich auf buecherfrauen.de
Es gibt noch wenige Karten. Da die Zahl der Plätze begrenzt ist, bitten wir um verbindliche Kartenreservierung per Mail an literaturbrunch@buecherfrauen.de  – danke.

Zum Jahresende 2019 in Tannfeld (Genussregion Oberfranken) (c) Ute Kistner-Grabenstein


Wem glaube ich?


»Wir haben alles gesagt – jetzt muss gehandelt werden!«
Am Freitag, 15.11.2019, 12.30 Uhr treffen sich die Scientists for Future zur Schweigedemonstration vorm Bundeskanzlerinnenamt. Aus ihrem Aufruf: »Uns – Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler – macht das Regierungsversagen sprachlos. Seit Jahren weisen wir auf die hohen Risiken der Klimakrise hin. Wir werden in Gremien und Kommissionen eingeladen – aber unsere Erkenntnisse werden ignoriert.«
Die Website www.scientists4future.org ist eine Fundgrube an Fakten-Material.

Wem glaube ich noch? Der Bundeszentrale für Politische Bildung. Es gibt sie seit 1952, damals noch: Bundeszentrale für Heimatdienst … Oha. Ich erinnere mich vage an ein Heft aus meiner Schulzeit, schwarzweiß, viele Fotos und irgendwie gut gemacht. Auf www.bpb.de  findet sich eine unglaubliche Fülle an Info-Material zu allen möglichen Themen, das man kostenlos anfordern kann. Zum Beispiel:

fluter. Das Heft – Nr. 70

Wer sich noch eingehender informieren möchte, bevor er oder sie sich entscheidet, selbst klimagerechter zu leben – hier eine ganz kleine Auswahl an aktuellen Büchern, weitere Infos jeweils durch Klicken aufs Cover oder auf die Buchtitel:
   

Charles Eisenstein, Klima. Eine neue Perspektive
Aus dem Englischen von Jürgen Hornschuh,
Eike Richter und Nikola Winter
400 Seiten

Jonathan Safran Foer, Wir sind das Klima!
Wie wir unseren Planeten schon beim Frühstück retten können
Aus dem Englischen von Stefanie Jacobs und Jan Schönherr
336 Seiten
Originaltitel: We Are the Weather. Saving the Planet Begins at Breakfast

Außer der Klimakrise ist auch das Artensterben eine von Menschen gemachte Katastrophe und das ist keine Frage von Kannste glauben oder nicht. Vor der Umweltminister-Herbst-Konferenz in Hamburg (13.–15.11.2019) lädt Extinction Rebellion morgen am Martinstag, 11.11.2019 ein zu

Der Laternenumzug durch die Innenstadt beginnt um 17 Uhr am Gänsemarkt. Groß und Klein sind eingeladen. Es ist keine Aktion von zivilem Ungehorsam.

Der youtube-Kanal von Extinction Rebellion Deutschland  versammelt interessante Videos über XR. Für alle, die einen ersten gründlichen Einblick bekommen wollen, kann ich den Vortrag »Aufstand oder Aussterben? Die Bewegung Extinction Rebellion« von Nick Holzberg, XR Berlin, empfehlen [bei youtube 1:40:10].

»Zuerst ignorieren sie dich,
dann lachen sie über dich,
dann bekämpfen sie dich und
dann gewinnst du.«
Mahatma Gandhi

[»First they ignore you, then they laugh at you, then they fight you, then you win.«]

Doris Dörrie (Still, 3sat.de)

Statt im Oktober zur Frankfurter Buchmesse zu fahren, habe ich lieber vom Sofa aus einige Gespräche auf dem blauen Sofa in der 3sat-Mediathek angeschaut. Dieses fand ich besonders sehenswert: Cecile Schortmann spricht mit Doris Dörrie über ihr Buch »Leben, schreiben, atmen« – auf www.3sat.de

Doris Dörrie, Leben, schreiben, atmen. Eine Einladung zum Schreiben
288 Seiten

Falls das noch nicht genug Poesie war, erwähne ich gern noch den diesjährigen Büchnerpreisträger, den Schweizer Schriftsteller Lukas Bärfuss (*1971). Seine Bücher erscheinen im Göttinger Wallstein Verlag.

Foto: dpa / Boris Roessler

Seine eindrucksvolle Dankesrede Meine Poetik war mir nie Selbstzweck kann man hier nachhören, in der Deutschlandfunk-Mediathek, und hier nachlesen, auf der Website der Deutschen Akademie für Sprache und Dichtung.
Lukas Bärfuss verweist auf die Verantwortung seiner Generation, an die Verbrechen der Vergangenheit zu erinnern: »Wer den letzten Krieg vergisst, der bereitet schon den nächsten vor.«

Zum guten Schluss noch ein Blick in die Tate Modern. Im Sommer durften wir zu dritt für ein paar Tage in London durch Straßen, Parks und Museen wandeln. Besonders begeistert hat mich (unter anderem) die Installation »The British Library«  von Yinka Shonibare (*1962 : )

Der britisch-nigerianische Künstler ist vor allem durch die Arbeit mit Dutch Wax, bedruckten, farbenprächtigen Baumwollstoffen bekannt geworden. Seit 2019 trägt er den Titel »Commander of the most excellent Order of the British Empire« (CBE). Weitere Informationen auf Yinka Shonibares Homepage.


Binsenweisheiten

Diverse Binsen Quelle: Wikipedia

Der Begriff spielt laut Wikipedia auf die weite Verbreitung der Binsen (Gräser) an sowie auf ihre einfache, knotenlose Form. So gab es bereits im Lateinischen die Wendung: nodum in scirpo quaerere („Stengelknoten auch an der Binse suchen“), wenn jemand an einer simplen Feststellung herumdeuteln wollte. Ein Beispiel: Schlimmer als Binsenweisheiten sind Fake News.

Der Guardian hat vor einiger Zeit sein Wording geändert und nennt es nicht mehr Klimawandel, sondern Klimakrise oder Klimanotstand. Das interessante Interview „Wie Sprache unser Denken über die Zukunft verändert“  findet sich bei bento.

Quelle: youtube

Bei einer Brückenbesetzung in London im November 2018, über die der Guardian ausführlich berichtet hat, singen Aktivist*innen: »Never doubt, that a small group of people can change the world indeed. it is the only thing that ever has. Never doubt, that …« [The Guardian, Life inside Extinction Rebellion: ‚We can’t get arrested quick enough‘, bei youtube ab min 9:02, veröffentlicht am 22.11.2018 ] – sehr bewegend, finde ich.


Damit zitieren sie die US-amerikanische Ethnologin Margaret Mead (1901-1978):

»Never doubt that a small group of thoughtful, committed citizens can change the world; indeed, it’s the only thing that ever has.«
gefunden bei brainyquote

 

»In der Gedankenwelt von Extinction Rebellion nehmen drei Zahlen einen entscheidenden Platz ein: 2025, 0 und 3,5 Prozent. 2025 sollen die C02-Emissionen auf null reduziert sein, und die Aktivisten glauben, dass sie die Regierungen nur dazu kriegen, wenn sie ungefähr 3,5 Prozent der Bevölkerung für sich gewinnen.« Rico Grimm, Krautreporter 1.5.2019

Am Freitag, dem 20.9.2019 findet der dritte globale Klimastreik statt – weltweit werden Menschen auf die Straße gehen und für die Einhaltung des Parisabkommens und gegen die anhaltende Klimazerstörung laut werden. Hier der Aufruf von Fridays for Future. Und hier meiner: Kommt um 12 Uhr am 20.9. in Hamburg zum Jungfernstieg, in Berlin zum Brandenburger Tor, in Frankfurt zur Alten Oper, um 10 Uhr in Münster zum Prinzipalmarkt … [alle Orte hier] und bringt noch jemanden mit.

Samuel Harfst [keine Ahnung, wie ich auf den gekommen bin …] rät in seinem Song Alles Gute zum Alltag:
»… träume hellwach, träume groß,
lass die Hoffnung niemals los.«

Auch bildende Künstler*innen setzen sich mit dem Klimanotstand auseinander. Im Berliner Gropiusbau gibt es dazu bis zum 1. Dezember 2019 die alles in allem beeindruckende Ausstellung »Garten der irdischen Freuden«, die ich letzte Woche gesehen habe.

Rashid Johnson, „Antoine’s Organ“ (Detail), 2016. Foto: Martin Parsekian Rashid Johnson, Courtesy: der Künstler und Hauser & Wirth

Und wer es sich immer noch gönnt, Bücher zu lesen, könnte hier in der Longlist zum Deutschen Buchpreis stöbern. Übrigens sind es in diesem Jahr 11 nominierte Autorinnen und 9 Autoren. Die Shortlist wird am 17.9.2019 bekannt gegeben, der Buchpreis am 14.10. zum Auftakt der diesjährigen Frankfurter Buchmesse verliehen.

Quelle: deutscher-buchpreis.de


Klima-Rebellion

If we did all the things we are capable of, we would literally astound ourselves. *
Thomas A. Edison [Quelle: Brainyquote]

Wer auf die Website vom Umweltbundesamt geht, kann über Wörter wie »Klimaanpassungsdienste« stolpern und Sätze wie: »In Zukunft werden sich der Klimawandel und seine Folgen noch verstärken. Es ist daher wichtig, dass wir uns rechtzeitig und effizient anpassen.«

Haben wir den Kampf schon aufgegeben? Ist der „Klimawandel“ doch unser unausweichliches Schicksal? Das Bundesumweltamt (die Bundesregierung?) jedenfalls scheint mehr Energie auf die Anpassung an den „Klimawandel“ verwenden zu wollen als auf den Versuch, die drohende Klimakatastrophe mit effizienten Maßnahmen zu verhindern.

Foto: picture alliance

Der Meeresspiegel steigt? Die Nordseewellen kommen immer näher?
Erste Pfahlbauten in St. Peter-Ording sind in diesem Jahr schon 100 Meter weiter ins Landesinnere versetzt worden!

Dabei gibt es weltweit unglaublich viele Projekte, die uns Mut machen könnten, für den Klimaschutz zu handeln. Solche Projekte versammelt auch nur positive nachrichten.

Für diesen Wald im Süden Indiens pflanzt der Landwirt Jadev Molai Payeng seit 1979 jeden Tag einen Baum. Der beeindruckende Dokumentarfilm [16:34 min] über den „Forest Man“ ist hier zu sehen.

Empfehlen möchte ich außerdem das Video A Message From The Future With Alexandria Ocasio-Cortez, wunderbar animiert von der Künstlerin Molly Crabapple, von Naomi Klein veröffentlicht am 17.4.2019 auf der Plattform unabhängiger JournalistInnen The Intercept.

   

Der siebenminütige Film antwortet auf die Frage: Was ist möglich, wenn wir unseren Kurs radikal ändern, um damit unseren Lebensraum und uns selbst zu retten? Eignet sich bestimmt für den Wahlkampf von Alexandria Ocasio-Cortez, Hoffnungsträgerin vieler DemokratInnen in den USA.

Auch die neue Organisation Extinction Rebellion (Rebellion gegen das Artensterben) ruft auf zu einer radikalen Kehrtwende. In London hat es Mitte April erste Sitzblockaden und phantasievolle Aktionen gegeben, über die der Guardian in diesem Beitrag berichtet hat.

Quelle: The Guardian

Quelle: krautreporter.de

Das Video Extinction Rebellion: a week of protest in three minutes bei youtube [03:37 min].

Meine Hoffnung: Organisationen wie Extinction Rebellion bringen so viele Menschen in gewaltfreiem Widerstand auf die Straße, dass die Verantwortlichen in Politik und Wirtschaft gar nicht anders können, als so-fort alles Mögliche zur Erreichung der Klimaschutzziele zu tun. Was ist grad dringlicher als die Verhinderung des Klimakollapses, den nicht nur SchülerInnen, auch WissenschaftlerInnen – Scientists for Future – prognostieren?

Zur Ablenkung und Inspiration empfehle ich gern meine momentane Lektüre – den neuen Roman von Siri Hustvedt

© Marion Ettlinger

    

Siri Hustvedt, Memories of the Future
320 Seiten, gebunden, Simon and Schuster

Siri Hustvedt, Damals
448 Seiten, gebunden, Rowohlt,
übersetzt von Uli Aumüller und Grete Osterwald

Schließlich noch eine Nachricht aus der Nachbargemeinde Halstenbek, die mich weiter an »das Gute« glauben lässt:

Schenefelder Tageblatt vom 26.4.2019

Niedlich, nicht? Feuerwehrleute retteten am 24.4.2019 diese Entenküken mit einer Steigleiter aus einem tiefen Luftschacht, in den sie gepurzelt waren.
Übrigens werden Enten seit 1989 als Schädlingsbekämpferinnen beim Reisanbau in Asien eingesetzt, ganz ökologisch. Gefunden auf einer weiteren „Positive-Nachrichten-Seite“: Umuntu.

* Würden wir alle Dinge tun, zu denen wir in der Lage sind, könnten wir über uns selbst staunen.
Thomas A. Edison


Tut es jetzt!

Als Beginn der internationalen Umweltpolitik gilt die erste Konferenz der Vereinten Nationen über die Umwelt des Menschen  oder auch Weltumweltkonferenz, kurz UNCHE (United Nations Conference on the Human Environment), die vom 5. bis 16. Juni 1972 in Stockholm stattfand. 1972 – vor 47 Jahren!

Severn Suzuki, 1992 in Rio

Zwanzig Jahre später hat 12-jährige Severn Suzuki auf der UN-Klimakonferenz in Rio de Janeiro eine eindringliche Rede gehalten über die Grenzen des Wachstums und der Ressourcenausbeutung des Planeten Erde, im Namen der ECO (Environmental Children’s Organization). Severn Suzuki wurde bekannt als „das Mädchen, das die Welt für 5 Minuten zum Schweigen brachte“ und engagiert sich heute noch als Umweltaktivistin. Severn Suzukis Rede mit deutschem Untertitel nachzusehen bei youtube.


Hinweisen möchte ich auf den Kulturzeit-Beitrag vom 15.3.2019 Mädchen als Mahner, in dem außer Severn Cullis-Suzuki [min 02:44 bis 04:08] und Greta Thunberg auch die US-Amerikanerin Emma González vorgestellt wird, die sich für schärfere Waffengesetze einsetzt.

Im September 2012, also 20 Jahre nach Rio, demonstrierten mehr als 80.000 Menschen in Belgien. Kinder und Erwachsene forderten, jetzt fürs Klima zu handeln, und sangen auf die Melodie des Protestliedes »Bella Ciao«:

We need to wake up
We need to wise up
We need to open our eyes
And do it now now now
We need to build a better future
And we need to start right now

Das Video dazu bei youtube
Text und Noten zu »Do it now« zum Download hier
Quelle: http://climateknoxville.org

Wer mehr über die FAKTEN zum Klimawandel erfahren möchte, denen empfehle ich das Buch
Kleine Gase – Große Wirkung. Der Klimawandel

Die beiden Studenten David Nelles und Christian Serrer erklären wissenschaftliche Erkenntnisse zum Klimawandel so, dass auch Laien (wie ich) sie nachvollziehen können. Auf der Website klimawandel-buch.de gibt es eine 36-seitige Leseprobe.
Und für 5 Euro ist Kleine Gase … über jede Buchhandlung zu bestellen.

Ehrlich gesagt deprimiert es mich, dass wir trotz dieser teils seit Jahrzehnten bekannten Fakten alle Warnungen ignoriert haben, dass wir unseren Planeten weiter ausbeuten, dass alle Proteste bislang nicht durchschlagend etwas bewirkt haben.

Am Strand von Barcelona (2010) Foto: Simon James / wikimedia

Also, lasst uns die positiven Geschichten erzählen, um nicht fatalistisch oder zynisch zu werden.
Zum Beispiel die von den Demonstrationen am 15. März 2019 auf der ganzen Welt.
Mehr unter fridaysforfuture.org oder fridayforfuture.de

       

Nun noch meine vier Hörbuch-Empfehlungen des Monats:
[Ein Klick auf die Titel führt zu weiteren Informationen auf den Verlagsseiten.]

Mechtild Borrmann, Grenzgänger
Gelesen von Vera Teltz

Maja Lunde, Die Geschichte der Bienen
Gelesen von Bibiana Beglau, Thomas M. Meinhardt und Markus Fennert
 

Alex Capus, Königskinder
Gelesen von Ulrich Noethen

Alex Capus, Das Leben ist gut
Gelesen vom Autor

 

Und schlussendlich noch ein Gedicht. Denn morgen steht er im Kalender – der Frühlingsanfang.

Herz, mein Herz, sei nicht beklommen,
Und ertrage dein Geschick,
Neuer Frühling gibt zurück,
Was der Winter dir genommen.

Und wie viel ist dir geblieben!
Und wie schön ist noch die Welt!
Und, mein Herz, was dir gefällt,
Alles, alles darfst du lieben!

Heinrich Heine (1797–1856), aus dem Buch der Lieder


Glocken erinnern

Mag sein, dass der jüngste Tag morgen anbricht lautete am 2. Juni 2018 eine beeindruckende Veranstaltung im Berliner Dom mit Texten des deutschen Widerstands 1938 bis 1945. Vorgetragen von Martina Gedeck, Matthias Brandt und Studierenden der Hochschule für Schauspielkunst Ernst Busch Berlin. Der Mitschnitt ist nachzuhören hier bei Bayern 2.

Mag sein, dass der jüngste Tag morgen anbricht, dann wollen wir gern die Arbeit für eine bessere Zukunft aus der Hand legen, vorher aber nicht.
Dietrich Bonhoeffer (1906–1945)

»Friede sei ihr erst Geläute! – ringing the bells« heißt die Initiative zu einem europaweiten Glockenläuten am 21.9. im Rahmen des Europäischen Kulturerbejahres 2018 am Weltfriedenstag.
Der 21. September wurde 1981 von den Vereinten Nationen zum Weltfriedenstag erklärt, einem »Tag des Waffenstillstands und der Gewaltlosigkeit«.

Glockenturm, © wernau.de

Erstmalig europaweit sollen am 21.9.2018 um 18 Uhr für eine Viertelstunde alle kirchlichen und weltlichen Glocken läuten, als gemeinsames Zeichen des Friedens.

Dazu, auch interessant: Wozu brauchen wir heute noch Kirchenglocken? im Tagesspiegel vom 20.6.2018.

St. Petersglocke im Kölner Dom

Die mit einem Durchmesser von 3,22 Metern größte Glocke Deutschlands, gegossen 1923, wiegt 24 Tonnen und klingt mit einem tiefen C: die St.Petersglocke im Kölner Dom, auch »Dicker Pitter« genannt.

Vom Glockenstuhl im Dom ist es nicht weit bis zum Südquerhausfenster von 2007. Allein dieses von dem Künstler Gerhard Richter entworfene Fenster lohnt jeden Besuch im Dom, finde ich. Die 11.263 Quadrate in 72 verschiedenen Farbtönen aus mundgeblasenem Echt-Antikglas stammen aus der Glasmanufaktur Derix.

© Gerhard Richter, Köln / Dombauarchiv Köln

© derix.com

Wem das Dem-Glockenläuten-Lauschen oder das Betrachten von Kirchenfenstern nicht aktionistisch genug ist, wer es trotzdem gern bunt hat und Flagge gegen den grassierenden Rassismus zeigen will – welcome united auf dem Hamburger Rathausmarkt am 29. September 2018 um 12.00 Uhr.

»Wenn wir uns bewegen, bewegt sich die Welt!«
Aus dem Aufruf von We’ll come / Welcome united

Ebenfalls eine Initiative im Sinne des gesellschaftlichen Friedens ist der Friedenspreis des Deutschen Buchhandels, der seit 1950 in der Frankfurter Paulskirche vergeben wird – in diesem Jahr am 14. Oktober an Aleida und Jan Assmann, von denen ich ehrlich gesagt bislang nicht gehört hatte.
Soeben im Wiener Picus Verlag erschienen:
Alida Assmann, Menschenrechte und Menschenpflichten: Schlüsselbegriffe für eine humane Gesellschaft

Die Buchtipps im September stehen unter dem Motto »tolle bunte Cover«:


Meg Wolitzer, Die Interessanten
TB, 608 Seiten, Dumont
Übersetzung: Werner Löcher-Lawrence

»Meg Wolitzer spielt in diesem Roman nicht Lebenserfahrung gegen jugendliche Illusion aus, sondern nimmt sich die Mühe, Identität als vielschichtig und kompliziert, als widersprüchlich und unvermeidlich schmerzbeladen darzustellen. … So bleibt der Leserin nur helle Begeisterung für selten glaubwürdig erzählte Figuren und ihre Wege durchs Leben«, schrieb Bernadette Conrad unter der Überschrift Faszinierendes Gruppenporträt 2015 in der NZZ.


Rafik Schami, Erzähler der Nacht
TB, 288 Seiten, BELTZ & Gelberg

Rafik Schami (geb. 1946) wuchs in Damaskus auf und lebt seit 1971 in Deutschland. Der promovierte Chemiker ist ein begnadeter Geschichten-Erzähler, wurde vielfach ausgezeichnet und zählt zu den erfolgreichsten deutschsprachigen Schriftstellern. Erzähler der Nacht ist das mir liebste Buch von ihm.

Rafik Schami gründete 2012 zusammen mit dem Verleger Hans Schiler den Verein Schams, der seitdem Kinder und Jugendliche in den Anrainerstaaten Syriens unterstützt.