textbeet

Kompost für den Alltag


Fatal

wäre es, wenn wir uns zufrieden gäben mit »Die Technik wird’s schon richten«-Hoffnungen, die völlig absurd sind angesichts des raschen Fortschreitens der Klimakatastrophe. Oder wenn wir nur noch zynisch wären, wenn wir aufgäben. Jeder dritte in Deutschland verkaufte Neuwagen ist laut Handelsblatt ein SUV. Zum K…

Der Duden übersetzt fatal mit: sehr unangenehm und peinlich; Unannehmlichkeiten, Ärger verursachend, in Verlegenheit bringend; misslich.

»… der Fatalismus ist das Gegenteil der Freiheit.«
Jean-Paul Sartre

Mein Sohn (22) hatte mir diesen Beitrag empfohlen über den Essay Losing Earth von Nathaniel Rich.

Losing Earth: Wie wir die Erde fast vor dem Klimawandel gerettet hätten | Capriccio | BR
[5:17 min in der BR-Mediathek bis 29.4.2020 oder bei youtube 5:22 min]

      
Mehr Infos zum Buch nach Klick aufs Cover

»Nathaniel Rich schildert in dem Essay Losing Earth, wie Ende der 70er Wissenschaftler und Politiker erstmals erkennen, dass sich die Erderwärmung desaströs beschleunigt. Fast kommt es danach zu einem weltweiten Klimaabkommen. Fast.«
Quelle: Capriccio

Wer Capriccio vom Bayerischen Rundfunk noch nicht kennen sollte, hier geht’s zu vielen großartigen Beiträgen in der Mediathek.

Fatal erinnert mich Losing Earth an Karen Duves vor 5 Jahren erschienenes Warum die Sache schiefgeht  – Wie Egoisten, Hohlköpfe und Psychopathen uns um die Zukunft bringen.

 

Als Hardcover 2014 bei Galiani Berlin erschienen und noch lieferbar, als Hörbuch 2014 bei Roofmusic, als TB bei Goldmann.

Augusta Luise

Was hilft? Rosen züchten? Beim nächsten Global-Strike-Day mitmachen? Weltweit möglich am Fr, 29. und Sa, 30. November 2019.

mein Schild vom 20.9.

Sehr beeindruckt bin ich von der Courage der Whistleblowerin Katherine Gun, die ich vorgestern beim Filmfest Hamburg  persönlich erlebt habe. Official Secrets kommt – mit Keira Knightley in der Hauptrolle super besetzt – am 21. November 2019 in unsere Kinos. Kurzfassung des Thrillers: Katherine Gun hatte 2003 brisante Geheimdienstinformationen weitergegeben, um den Irak-Krieg zu verhindern.

Quelle: deinkinoticket.de/official-secrets/infos/

Sehr gespannt bin ich auf die Aktionen von Extinction Rebellion, die morgen in Berlin starten.


Zitat von der XR-Homepage: »Es funktioniert: Frühling 2019, London. Über sechstausend Menschen blockieren eine Woche lang die Brücken der Stadt. Wenige Tage später erklärt das britische Parlament den Klimanotstand. Gemeinsam können wir auch in Deutschland die Politik dazu bewegen, endlich effektiv zu handeln.«

Das nenne ich Optimismus angesichts des desaströsen Klimapaketes unserer Regierung.
Ein Überblick zum Klimaschutzprogramm 2030 auf der Website der Bundesregierung …

Wer sich schon vor 2030 sein Wunder lieber selber backen möchte, hier das Rezept vom Wunderbrot.
Es gibt fertige Backmischungen, aber es gibt auch ein Rezept auf der Nachhaltigkeitsplattform Smarticular , das ich leicht abgewandelt zum Nachbacken auf einem Backblech nur empfehlen kann: Wunderbrot [PDF zum Download].

Und jetzt noch ein Blick in unsere LiteraturBrunch-Werkstatt.
Das sind drei von den 2019 erschienenen deutschsprachigen Romanen, die mir besonders gut gefallen haben:

         

Tabea Hertzog, Wenn man den Himmel umdreht, ist er ein Meer
Berlin Verlag 2019, 224 Seiten
Sarah Kuttner, Kurt
S. Fischer 2019, 240 Seiten
Angela Lehner, Vater unser
Hanser Berlin 2019, 284 Seiten
Der Termin für unsere alljährliche legendäre BücherFrauen-Veranstaltung steht schon: Sonntag, 9.2.2020, von 10 bis 14 Uhr. Weitere Informationen folgen.


Binsenweisheiten

Diverse Binsen Quelle: Wikipedia

Der Begriff spielt laut Wikipedia auf die weite Verbreitung der Binsen (Gräser) an sowie auf ihre einfache, knotenlose Form. So gab es bereits im Lateinischen die Wendung: nodum in scirpo quaerere („Stengelknoten auch an der Binse suchen“), wenn jemand an einer simplen Feststellung herumdeuteln wollte. Ein Beispiel: Schlimmer als Binsenweisheiten sind Fake News.

Der Guardian hat vor einiger Zeit sein Wording geändert und nennt es nicht mehr Klimawandel, sondern Klimakrise oder Klimanotstand. Das interessante Interview „Wie Sprache unser Denken über die Zukunft verändert“  findet sich bei bento.

Quelle: youtube

Bei einer Brückenbesetzung in London im November 2018, über die der Guardian ausführlich berichtet hat, singen Aktivist*innen: »Never doubt, that a small group of people can change the world indeed. it is the only thing that ever has. Never doubt, that …« [The Guardian, Life inside Extinction Rebellion: ‚We can’t get arrested quick enough‘, bei youtube ab min 9:02, veröffentlicht am 22.11.2018 ] – sehr bewegend, finde ich.


Damit zitieren sie die US-amerikanische Ethnologin Margaret Mead (1901-1978):

»Never doubt that a small group of thoughtful, committed citizens can change the world; indeed, it’s the only thing that ever has.«
gefunden bei brainyquote

 

»In der Gedankenwelt von Extinction Rebellion nehmen drei Zahlen einen entscheidenden Platz ein: 2025, 0 und 3,5 Prozent. 2025 sollen die C02-Emissionen auf null reduziert sein, und die Aktivisten glauben, dass sie die Regierungen nur dazu kriegen, wenn sie ungefähr 3,5 Prozent der Bevölkerung für sich gewinnen.« Rico Grimm, Krautreporter 1.5.2019

Am Freitag, dem 20.9.2019 findet der dritte globale Klimastreik statt – weltweit werden Menschen auf die Straße gehen und für die Einhaltung des Parisabkommens und gegen die anhaltende Klimazerstörung laut werden. Hier der Aufruf von Fridays for Future. Und hier meiner: Kommt um 12 Uhr am 20.9. in Hamburg zum Jungfernstieg, in Berlin zum Brandenburger Tor, in Frankfurt zur Alten Oper, um 10 Uhr in Münster zum Prinzipalmarkt … [alle Orte hier] und bringt noch jemanden mit.

Samuel Harfst [keine Ahnung, wie ich auf den gekommen bin …] rät in seinem Song Alles Gute zum Alltag:
»… träume hellwach, träume groß,
lass die Hoffnung niemals los.«

Auch bildende Künstler*innen setzen sich mit dem Klimanotstand auseinander. Im Berliner Gropiusbau gibt es dazu bis zum 1. Dezember 2019 die alles in allem beeindruckende Ausstellung »Garten der irdischen Freuden«, die ich letzte Woche gesehen habe.

Rashid Johnson, „Antoine’s Organ“ (Detail), 2016. Foto: Martin Parsekian Rashid Johnson, Courtesy: der Künstler und Hauser & Wirth

Und wer es sich immer noch gönnt, Bücher zu lesen, könnte hier in der Longlist zum Deutschen Buchpreis stöbern. Übrigens sind es in diesem Jahr 11 nominierte Autorinnen und 9 Autoren. Die Shortlist wird am 17.9.2019 bekannt gegeben, der Buchpreis am 14.10. zum Auftakt der diesjährigen Frankfurter Buchmesse verliehen.

Quelle: deutscher-buchpreis.de


O Himmel ist das recht?

Haben wir noch Zeit genug, die Bücher zu lesen, die uns aus der Klimakrise führen könnten?

Die kanadische Journalistin Naomi Klein hat bereits einiges zur Globalisierung veröffentlicht. Der Klimawandel schien ihr nicht relevant zu sein, sagt sie, bis sie den engen Zusammenhang zwischen Umweltzerstörung und Ungleichheit erkannte.

This Changes Everything – Naomi Klein | Guardian Docs (09:43 min),
am 6.3.2015 bei youtube veröffentlicht. Erschreckend mal wieder – eine Dokumentation von 2015, die Fakten weitgehend ignoriert, das Video könnte auch von 2019 sein.

   

Naomi Kleins neues Buch On Fire: The (Burning) Case for a Green New Deal ist bei Barnes & Noble angekündigt für den 27.09.2019, die deutsche Ausgabe Green New Deal: Wir können unseren Planeten retten! soll Anfang November bei Hoffmann und Campe erscheinen, in der Übersetzung von Gabriele Gockel und Barbara Steckhan.


Naomi Klein © Kourosh Keshir
Quelle: hoffmann-und-campe.de

Zum Vormerken: die Bewegung Extinction Rebellion ruft für den 27. September 2019 gemeinsam mit Fridays for Future, United4Earth, IWW Environmental Unionist Caucus, Youth Strike 4 Climate und Demand Utopia zum Earth Strike auf, zum bislang größten weltweiten Klimaprotest.

»O wunderbares Glück! Denk doch einmal zurück: Was hilft mir mein Studieren, viel Schulen absolvieren? Bin doch ein Sklav, ein Knecht. O Himmel ist das recht?«
Christian Friedrich Daniel Schubart (1739–1791)

Wikipedia zum Begriff Ziviler Ungehorsam:
»Durch einen symbolischen, aus Gewissensgründen vollzogenen, und damit bewussten Verstoß gegen rechtliche Normen zielt der handelnde Staatsbürger mit einem Akt zivilen Ungehorsams auf die Beseitigung einer Unrechtssituation … Durch den symbolischen Verstoß soll zur Beseitigung des Unrechts Einfluss auf die öffentliche Meinungsbildung genommen werden.«

Die Bücher der bemerkenswert unangepassten Autorin Anke Stelling erscheinen seit 2016 passend im Verbrecher-Verlag. Ihr jüngster Roman Schäfchen im Trockenen wurde mit dem Preis der Leipziger Buchmesse 2019 ausgezeichnet. Die Jury begründete: »Schäfchen im Trockenen ist ein scharfkantiger, harscher Roman, der wehtun will und wehtun muss, der protestiert gegen den beständigen Versuch des besänftigt Werdens, der etwas aufreißt in unserem sicher geglaubten Selbstverständnis und dadurch den Kopf frei macht zum hoffentlich klareren Denken.«

         

Schäfchen im Trockenen (2018)
272 Seiten
Fürsorge (2017)
176 Seiten
Bodentiefe Fenster (2016)
256 Seiten

Nun noch ein Hörbuch-Tipp. Im Spiegel hat Franziska Wolffheim den neuen Roman von Alina Bronsky niedergemacht: »Im typischen ›Bronsky-Beat‹ porträtiert Alina Bronsky … eine Helikopter-Großmutter, die ein Wohnheim zu kontrollieren sucht. Könnte sehr lustig sein – wären die Figuren nicht solche Pappnasen.« Fand ich überhaupt nicht. Vielleicht hätte die Rezensentin sich den Roman lieber von Sophie Rois vorlesen lassen sollen? Fand ich großartig!

Alina Bronsky, Der Zopf der Großmutter. Meine Großmutter, mein Großvater, seine Geliebte und ich
Erschienen bei Roofmusic

In leicht melancholischer Stimmung höre ich grad besonders gern das Brad Mehldau Trio, genau gesagt ihr Cover von Time Has Told Me (bei youtube, 08:40 min)
veröffentlicht auf Where Do You Start (2012)

   
Auch schön, und mit Text, das Original von Nick Drake Time Has Told Me (bei youtube, 04:27 min)
auf Five Leaves Left (1969)

Und noch was für Leib und Seele, meine jüngste Kreation:


Aprikosen-Pfingst-Kuchen

· 250 g Butter
· 250 g Mehl
· 250 g Vollkorn-Mehl
· 200 g Rohrzucker
· 2 Eier
· 1 Pk Bourbon-Vanillezucker
zu einem glatten Teig kneten und die Formen damit auskleiden.

· etwa 1.250 g gewaschene Aprikosen
in Spalten schneiden und auf den Teig legen.

· 6 Eiweiß, leicht aufgeschlagen,
· 250 g Zucker
· 400 g gemahlene Mandeln
· 1 Pk Bourbon-Vanillezucker
zum Guss verrühren, auf dem Obst verteilen.

Bei 175 Grad etwa 45 min backen.
Menge für ein Blech und eine kleine Form.

DIES IST ÜBRIGENS TATSÄCHLICH SCHON BEITRAG NR. 50 …

 


Klima-Rebellion

If we did all the things we are capable of, we would literally astound ourselves. *
Thomas A. Edison [Quelle: Brainyquote]

Wer auf die Website vom Umweltbundesamt geht, kann über Wörter wie »Klimaanpassungsdienste« stolpern und Sätze wie: »In Zukunft werden sich der Klimawandel und seine Folgen noch verstärken. Es ist daher wichtig, dass wir uns rechtzeitig und effizient anpassen.«

Haben wir den Kampf schon aufgegeben? Ist der „Klimawandel“ doch unser unausweichliches Schicksal? Das Bundesumweltamt (die Bundesregierung?) jedenfalls scheint mehr Energie auf die Anpassung an den „Klimawandel“ verwenden zu wollen als auf den Versuch, die drohende Klimakatastrophe mit effizienten Maßnahmen zu verhindern.

Foto: picture alliance

Der Meeresspiegel steigt? Die Nordseewellen kommen immer näher?
Erste Pfahlbauten in St. Peter-Ording sind in diesem Jahr schon 100 Meter weiter ins Landesinnere versetzt worden!

Dabei gibt es weltweit unglaublich viele Projekte, die uns Mut machen könnten, für den Klimaschutz zu handeln. Solche Projekte versammelt auch nur positive nachrichten.

Für diesen Wald im Süden Indiens pflanzt der Landwirt Jadev Molai Payeng seit 1979 jeden Tag einen Baum. Der beeindruckende Dokumentarfilm [16:34 min] über den „Forest Man“ ist hier zu sehen.

Empfehlen möchte ich außerdem das Video A Message From The Future With Alexandria Ocasio-Cortez, wunderbar animiert von der Künstlerin Molly Crabapple, von Naomi Klein veröffentlicht am 17.4.2019 auf der Plattform unabhängiger JournalistInnen The Intercept.

   

Der siebenminütige Film antwortet auf die Frage: Was ist möglich, wenn wir unseren Kurs radikal ändern, um damit unseren Lebensraum und uns selbst zu retten? Eignet sich bestimmt für den Wahlkampf von Alexandria Ocasio-Cortez, Hoffnungsträgerin vieler DemokratInnen in den USA.

Auch die neue Organisation Extinction Rebellion (Rebellion gegen das Artensterben) ruft auf zu einer radikalen Kehrtwende. In London hat es Mitte April erste Sitzblockaden und phantasievolle Aktionen gegeben, über die der Guardian in diesem Beitrag berichtet hat.

Quelle: The Guardian

Quelle: krautreporter.de

Das Video Extinction Rebellion: a week of protest in three minutes bei youtube [03:37 min].

Meine Hoffnung: Organisationen wie Extinction Rebellion bringen so viele Menschen in gewaltfreiem Widerstand auf die Straße, dass die Verantwortlichen in Politik und Wirtschaft gar nicht anders können, als so-fort alles Mögliche zur Erreichung der Klimaschutzziele zu tun. Was ist grad dringlicher als die Verhinderung des Klimakollapses, den nicht nur SchülerInnen, auch WissenschaftlerInnen – Scientists for Future – prognostieren?

Zur Ablenkung und Inspiration empfehle ich gern meine momentane Lektüre – den neuen Roman von Siri Hustvedt

© Marion Ettlinger

    

Siri Hustvedt, Memories of the Future
320 Seiten, gebunden, Simon and Schuster

Siri Hustvedt, Damals
448 Seiten, gebunden, Rowohlt,
übersetzt von Uli Aumüller und Grete Osterwald

Schließlich noch eine Nachricht aus der Nachbargemeinde Halstenbek, die mich weiter an »das Gute« glauben lässt:

Schenefelder Tageblatt vom 26.4.2019

Niedlich, nicht? Feuerwehrleute retteten am 24.4.2019 diese Entenküken mit einer Steigleiter aus einem tiefen Luftschacht, in den sie gepurzelt waren.
Übrigens werden Enten seit 1989 als Schädlingsbekämpferinnen beim Reisanbau in Asien eingesetzt, ganz ökologisch. Gefunden auf einer weiteren „Positive-Nachrichten-Seite“: Umuntu.

* Würden wir alle Dinge tun, zu denen wir in der Lage sind, könnten wir über uns selbst staunen.
Thomas A. Edison


Das leisten wir uns

Zur Einstimmung schlage ich vor, Die Anstalt von gestern Abend in der ZDF-Mediathek nachzusehen. 51 Minuten politisch-satirisches Bildungsfernsehen [verfügbar bis zum 16.4.2020]. Mit Max Uthoff als Sir Isaac Newton und Claus von Wagner als Andreas Scheuer, CSU-Verkehrsminister (Bundesminister für Verkehr und digitale Infrastruktur) – genial.

Still_DIe Anstalt_9.4.2019

Quelle: ZDF-Mediathek

Fridays-For-Future hat vorgestern auf ihrer Pressekonferenz im Berliner Naturkundemuseum erstmals Forderungen bekannt gegeben. Die SprecherInnen fordern von der Bundesregierung die Einhaltung der Ziele des Pariser Abkommens und damit des 1,5°C-Ziels und eine 100% erneuerbare Energieversorgung für Deutschland bis 2035. Weitere Informationen finden sich hier und z. B. im Bericht der Süddeutschen Zeitung vom 9.4.2019.

FFF-PK_8.4.2019

Pressekonferenz im Berliner Naturkundemuseum. Quelle: dpa

Ganz sicher kann jede und jeder von uns noch mehr gegen den Klimawandel tun. Wir können (noch) mehr Rad statt Auto fahren, auf Flugreisen verzichten etc. pp. Aber letztlich ist es die Politik, die Gesetze erlassen muss, damit das Pariser Klimaschutzabkommen eingehalten werden kann. Durch den Ausstieg aus der Kohle, die Besteuerung von Flugbenzin (klar: europaweit), ein Tempolimit auch auf deutschen Autobahnen etc. pp. Und wir alle können den Druck auf die Politik erhöhen. Zum Beispiel am Freitag, dem 24. Mai 2019, wenn der nächste GLOBALE KLIMASTREIK der Fridays-For-Future-Bewegung stattfindet.

Das war an mir vorbeigegangen: Schon Ende November 2018 wurde in einigen Medien über ein schwedisches Phänomen berichtet, das inzwischen auch in anderen Ländern auftaucht: FLYGSKAM – die Flugscham. Unter #jagstannarpåmarken [»Ich bleib auf dem Boden«] tauschen sich SchwedInnen über die Alternative, Bahn zu fahren, aus.
Mehr dazu unter bedeutungonline.de und unter #zugstattflug

Derweil wollen wir den Frühling genießen, Kekse fürs Osternest backen und schöne Bücher lesen.
Bei uns im Regal stehen drei Bände aus den Anfangsjahren der Anderen Bibliothek aus dem Hause Greno, der 1985 mit dem Verlegen der bibliophilen Ausgaben begonnen hat; als Herausgeber zeichnete bis 2007 Hans Magnus Enzensberger. Dabei stammt grob geschätzt(!) bis heute nur jeder 10. Band der Anderen Bibliothek aus der Feder einer Frau. Sei’s drum.
Alle drei Titel sind übrigens nur noch antiquarisch, z. B. über booklooker zu bekommen.

Andreas Thalmayr (= Hans Magnus Enzensberger (*1929)
Das Wasserzeichen der Poesie oder die Kunst und das Vergnügen, Gedichte zu lesen
Die Andere Bibliothek Band 9. Nördlingen: F. Greno 1985

Josef Škvorecký (1924–2012)
Feiglinge. (Übers.: Karl-Heinz Jähn)
Die Andere Bibliothek Band 16. Nördlingen: F. Greno 1986

Raymond Federman (1928–2009)
Alles oder Nichts (Übers.: Peter Torberg)
Die Andere Bibliothek Band 22. Nördlingen: F. Greno 1986

Tatsächlich liebäugele ich mit Band 413, der im Mai erscheint.
Bettine von Arnims Letzte Liebe. Das unbekannte Briefbuch

Cover_Arnim_LIebe

Schließlich mal wieder ein Keksrezept – wenig Aufwand, viel Genuss!

Mandelsplittergebäck

1 Ei mit 80 g Rohrzucker verrühren, 200 g Mandelsplitter und 150 g Sonnenblumenkerne untermischen, mit einem Teelöffel Häufchen aufs Backpapier setzen (zwei Bleche), bei 170 Grad Umluft im Ofen etwa 10 Minuten backen, nur leicht anbräunen und gut abkühlen lassen.

Mandelsplittergebaeck


Tut es jetzt!

Als Beginn der internationalen Umweltpolitik gilt die erste Konferenz der Vereinten Nationen über die Umwelt des Menschen  oder auch Weltumweltkonferenz, kurz UNCHE (United Nations Conference on the Human Environment), die vom 5. bis 16. Juni 1972 in Stockholm stattfand. 1972 – vor 47 Jahren!

Severn Suzuki, 1992 in Rio

Zwanzig Jahre später hat 12-jährige Severn Suzuki auf der UN-Klimakonferenz in Rio de Janeiro eine eindringliche Rede gehalten über die Grenzen des Wachstums und der Ressourcenausbeutung des Planeten Erde, im Namen der ECO (Environmental Children’s Organization). Severn Suzuki wurde bekannt als „das Mädchen, das die Welt für 5 Minuten zum Schweigen brachte“ und engagiert sich heute noch als Umweltaktivistin. Severn Suzukis Rede mit deutschem Untertitel nachzusehen bei youtube.


Hinweisen möchte ich auf den Kulturzeit-Beitrag vom 15.3.2019 Mädchen als Mahner, in dem außer Severn Cullis-Suzuki [min 02:44 bis 04:08] und Greta Thunberg auch die US-Amerikanerin Emma González vorgestellt wird, die sich für schärfere Waffengesetze einsetzt.

Im September 2012, also 20 Jahre nach Rio, demonstrierten mehr als 80.000 Menschen in Belgien. Kinder und Erwachsene forderten, jetzt fürs Klima zu handeln, und sangen auf die Melodie des Protestliedes »Bella Ciao«:

We need to wake up
We need to wise up
We need to open our eyes
And do it now now now
We need to build a better future
And we need to start right now

Das Video dazu bei youtube
Text und Noten zu »Do it now« zum Download hier
Quelle: http://climateknoxville.org

Wer mehr über die FAKTEN zum Klimawandel erfahren möchte, denen empfehle ich das Buch
Kleine Gase – Große Wirkung. Der Klimawandel

Die beiden Studenten David Nelles und Christian Serrer erklären wissenschaftliche Erkenntnisse zum Klimawandel so, dass auch Laien (wie ich) sie nachvollziehen können. Auf der Website klimawandel-buch.de gibt es eine 36-seitige Leseprobe.
Und für 5 Euro ist Kleine Gase … über jede Buchhandlung zu bestellen.

Ehrlich gesagt deprimiert es mich, dass wir trotz dieser teils seit Jahrzehnten bekannten Fakten alle Warnungen ignoriert haben, dass wir unseren Planeten weiter ausbeuten, dass alle Proteste bislang nicht durchschlagend etwas bewirkt haben.

Am Strand von Barcelona (2010) Foto: Simon James / wikimedia

Also, lasst uns die positiven Geschichten erzählen, um nicht fatalistisch oder zynisch zu werden.
Zum Beispiel die von den Demonstrationen am 15. März 2019 auf der ganzen Welt.
Mehr unter fridaysforfuture.org oder fridayforfuture.de

       

Nun noch meine vier Hörbuch-Empfehlungen des Monats:
[Ein Klick auf die Titel führt zu weiteren Informationen auf den Verlagsseiten.]

Mechtild Borrmann, Grenzgänger
Gelesen von Vera Teltz

Maja Lunde, Die Geschichte der Bienen
Gelesen von Bibiana Beglau, Thomas M. Meinhardt und Markus Fennert
 

Alex Capus, Königskinder
Gelesen von Ulrich Noethen

Alex Capus, Das Leben ist gut
Gelesen vom Autor

 

Und schlussendlich noch ein Gedicht. Denn morgen steht er im Kalender – der Frühlingsanfang.

Herz, mein Herz, sei nicht beklommen,
Und ertrage dein Geschick,
Neuer Frühling gibt zurück,
Was der Winter dir genommen.

Und wie viel ist dir geblieben!
Und wie schön ist noch die Welt!
Und, mein Herz, was dir gefällt,
Alles, alles darfst du lieben!

Heinrich Heine (1797–1856), aus dem Buch der Lieder


Leuchten

Jedes Jahr versuche ich, den Advent zu entschleunigen. Gar nicht so leicht, wenn sich das Jahr dem Ende zuneigt und die Zeit gefühlt knapper wird.
Backen zum Beispiel kann kreativ entschleunigen. Auch Weihnachtslieder-Singen erfüllt die Stunden. Videos-Gucken dagegen kommt mir weniger produktiv vor. Kann trotzdem lustig sein.

Kroymann im Himmel. Quelle: ARD.de

Zum Beispiel, wenn man sich die erste Viertelstunde KROYMANN von und mit der Kabarettistin Maren Kroymann gönnt, die am 6.12. in der ARD lief, und hier [Link zur ARD-Mediathek] nachzusehen ist (jederzeit bis zum 6.12.2019).

Der Advent leuchtet. Inzwischen vorwiegend mit LEDs. Zum Beispiel beim „Weißen Zauber“ am Jungfernstieg.

Foto: hamburg-tourism.de

Über den Leitartikel »Ausgewachsen. Und nun?« in dem Rundbrief initiativ November 2018 der Ökumenischen Initiative Eine Welt bin ich auf die Begriffe Degrowth und Post-Wachstum [Begriffserklärung auf der Website des Zukunftsinstituts] gestoßen, unter Wirtschaftswissenschaftlern schon länger bekannt, nur ich hatte wieder keine Ahnung. Aufmerksam macht der Artikel ebenfalls auf diese faszinierende Glühbirne von Livermore, die seit sage und schreibe 117 Jahren leuchtet.

Quelle: centennialbulb.org

»Wir sind mehr« – ein so simpler wie wahrer Satz auf vielen Demonstrationen in diesem Jahr. Wenn ich mir was wünschen dürfte für 2019, dann zum Beispiel, dass 2019 noch mehr Menschen friedlich auf die Straße gehen. Bei Demonstrationen mitlaufen, um zu zeigen: Wir sind mehr, mehr als die Rassisten, die von der eben 70 gewordenen Erklärung der Menschenrechte nichts zu halten scheinen.

Eleanor Roosevelt. Quelle: wikipedia.org

Dabei bietet die international anerkannte Erklärung der Menschenrechte von 1948 die Grundlage eines friedlichen Miteinanders.

Doch auch die rechten Rassisten fühlen sich »im Recht«. Wir könnten versuchen, mit ihnen ins Gespräch zu kommen. Eine Möglichkeit, sich darauf vorzubereiten, bietet das Seminar STAMMTISCHKÄMPFER*INNEN der Initiative Aufstehen gegen Rassismus. Ich kann mir vorstellen, im nächsten Jahr ein Stammtischkämpfer*innen-Seminar in Hamburg zu organisieren, mal sehen. Interessierte können sich gern vorab bei mir melden: mg(at)textbeet.de

Für den Kalender 2019 sei schon mal notiert: Samstag, 16. März 2019. Anlässlich der Internationalen Wochen gegen Rassismus werden weltweit Demonstrationen gegen Rassimus stattfinden.

Nun aber. Für alle, die ihre Zeit gern mit anspruchsvollerer Lektüre verbringen und über die Feiertage dazu mehr Muße haben als sonst, empfehle ich diese beiden Romane. Sie erzählen die Familiengeschichten über drei Generationen.

   

Ursula Krechel, Geisterbahn
650 Seiten, gebunden, Jung und Jung
»Wuchtig, grausam, soghaft erzählt Ursula Krechel … von einer Sinti-Familie, die unter dem Terror der Nazis zerbricht. Mit Achtung und Feingefühl fühlt sie sich in die chronischen Leiden ein, die der Terror in den Figuren zurücklässt.« Ingeborg Harms, DIE ZEIT

Inger-Maria Mahlke, Archipel
432 Seiten, gebunden, Rowohlt
»Mahlke will nicht allein von den Erlebnissen ihrer Protagonisten in Kriegen … und Familientragödien erzählen … Sie will mit der Verkehrung von Ursache und Wirkung vielmehr das Verhältnis von Zeit und Dasein an sich auf den Kopf stellen. Das ist radikal und manchmal unbequem zu lesen und hat doch größten Reiz.« Sandra Kegel, FAZ

 

Was für ein verheißungsvoller Name – Lebkuchen – besonders im Winter.

Rezept für sechs Bleche

• 250 g Butter oder Alsan Bio-Margarine
• abgeriebene Schale von 1 Orange und 1 Zitrone
• 200 g Rohrohrzucker
• 200 g dunkler Sirup
• 750 g Mehl (1/3 Vollkorn)
• 125 g gemahlene Mandeln
• 1 geh. TL Backpulver
• 1 Tütchen Lebkuchen-Gewürz
(und je nach Geschmack noch mehr Zimt, Kardamom, Nelken, Anis …)
• ggf. Sonnenblumenöl, falls der Teig zu bröckelig ist
• Mehl zum Ausrollen

Portionsweise ausrollen, Formen ausstechen, auf Backpapier im Ofen bei 200 Grad etwa 10 min. backen. Dünn mit Zitronenguss bestreichen und ggf. verzieren. Verschenken. Oder selbst genießen.