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Kompost für den Alltag


Naiv im Advent

Euch im Advent Video-Interviews zu empfehlen, in dieser eh schnelllebigen, nun noch beschleunigten Zeit, ist sicher blauäugig. Aber vielleicht findet Ihr zwischen den Jahren Zeit, das eine oder andere Gespräch zu hören oder zu schauen. Ich hör die Interviews mit Tilo Jung gern beim Plätzchenbacken. Beim jüngsten Gespräch mit dem Klimaforscher Stefan Rahmstorf [Jung & Naiv: Folge 447] können frisch gebackene Kekse zum Ingwertee durchaus ein Trost sein.

Stefan Rahmstorf und Tilo Jung

Ein anderes »Rezept« hat der Benediktiner David Steindl-Rast: Stop. Look. Go.
Der über 90jährige Mönch im Gespräch mit Jörg Fuhrmann (2017) bei youtube [min 04:50 bis 06:38] zu »Dankbar leben«.

Bruder David Steindl-Rast und Jörg Fuhrmann

Eindrucksvoll finde ich auch das Porträt über David Steindl-Rast von 2016. Aus einem seiner Vorträge stammt dieses Zitat:

Was ist das Kostbarste, das man sich vorstellen kann? Der nächste Augenblick. Wenn du den nicht bekommst, ist alles andere, was du dir wünschst, nicht da. Der geschenkte Augenblick. Dieser wird dir ganz einfach gegeben. Du kannst nichts machen. Nicht einmal, wenn du dir einen weiteren kaufen willst. Ein reines Geschenk! Das größte Geschenk ist jeder Augenblick, der dir gegeben wird – jetzt und jetzt und jetzt.

Jetzt  – ein gutes Stichwort für die Dringlichkeit in Sachen Klimaschutz.
Fridays for Future hat am Sonntag (1.12.2019) den jährlich von der Zeit-Stiftung verliehenen Marion Dönhoff Preis, genau gesagt den Förderpreis, erhalten. Aus den Dankesworten von Luisa Neubauer: „Wir fühlen uns geehrt, mit einem Preis ausgezeichnet zu werden, der nach einer Frau wie Marion Gräfin Dönhoff benannt wurde. Während Marion Gräfin Dönhoff damals ihrer Zeit voraus war, hinkt die Gesellschaft unserer Zeit heute hinterher.“

       

Luisa Neubauer, Alexander Repenning
Vom Ende der Klimakrise. Eine Geschichte unserer Zukunft
304 Seiten, erschienen am 16.10.2019, 18 €

Extinction Rebellion. Herausgegeben von: Sina Kamala Kaufmann + Michael Timmermann + Annemarie Botzki
Wann wenn nicht wir*. Ein Extinction Rebellion Handbuch
256 Seiten, erschienen am 4.9.2019, 12 €

Der Jugendrat der Generationenstiftung, Claudia Langer (Hrsg.)
Ihr habt keinen Plan, darum machen wir einen!
10 Bedingungen für die Rettung unserer Zukunft
272 Seiten, erschienen am 18.11.2019, 12 €

Bevor das Jahr sich dem Ende zuneigt, noch drei Romane von 2019, die mir besonders gut gefallen haben, noch dazu alle drei aus unabhängigen Verlagen:

       

Dilek Güngör, Ich bin Özlem
160 Seiten, Verbrecher Verlag

Simone Meier, Kuss
256 Seiten, Kein & Aber Verlag

Katharina Mevissen, Ich kann dich hören
168 Seiten, Wagenbach Verlag

Schließlich noch ganz unvorweihnachtlich eine neue kleine Serie in loser Folge:
Aktuelle Abkürzungen

COP 25 = 25th Conference of the Parties = UN-Klimakonferenz 2019, die noch bis zum 13.12. in Madrid stattfindet – mehr dazu 

IPCC = Intergovernmental Panel on Climate Change = Zwischenstaatlichen Ausschuss für Klimaänderungen der Vereinten Nationen, hierzulande auch Weltklimarat genannt – mehr dazu

EEG = Das deutsche Gesetz für den Ausbau erneuerbarer Energien (Kurztitel Erneuerbare-Energien-Gesetz, EEG 2017) – mehr dazu


Wem glaube ich?


»Wir haben alles gesagt – jetzt muss gehandelt werden!«
Am Freitag, 15.11.2019, 12.30 Uhr treffen sich die Scientists for Future zur Schweigedemonstration vorm Bundeskanzlerinnenamt. Aus ihrem Aufruf: »Uns – Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler – macht das Regierungsversagen sprachlos. Seit Jahren weisen wir auf die hohen Risiken der Klimakrise hin. Wir werden in Gremien und Kommissionen eingeladen – aber unsere Erkenntnisse werden ignoriert.«
Die Website www.scientists4future.org ist eine Fundgrube an Fakten-Material.

Wem glaube ich noch? Der Bundeszentrale für Politische Bildung. Es gibt sie seit 1952, damals noch: Bundeszentrale für Heimatdienst … Oha. Ich erinnere mich vage an ein Heft aus meiner Schulzeit, schwarzweiß, viele Fotos und irgendwie gut gemacht. Auf www.bpb.de  findet sich eine unglaubliche Fülle an Info-Material zu allen möglichen Themen, das man kostenlos anfordern kann. Zum Beispiel:

fluter. Das Heft – Nr. 70

Wer sich noch eingehender informieren möchte, bevor er oder sie sich entscheidet, selbst klimagerechter zu leben – hier eine ganz kleine Auswahl an aktuellen Büchern, weitere Infos jeweils durch Klicken aufs Cover oder auf die Buchtitel:
   

Charles Eisenstein, Klima. Eine neue Perspektive
Aus dem Englischen von Jürgen Hornschuh,
Eike Richter und Nikola Winter
400 Seiten

Jonathan Safran Foer, Wir sind das Klima!
Wie wir unseren Planeten schon beim Frühstück retten können
Aus dem Englischen von Stefanie Jacobs und Jan Schönherr
336 Seiten
Originaltitel: We Are the Weather. Saving the Planet Begins at Breakfast

Außer der Klimakrise ist auch das Artensterben eine von Menschen gemachte Katastrophe und das ist keine Frage von Kannste glauben oder nicht. Vor der Umweltminister-Herbst-Konferenz in Hamburg (13.–15.11.2019) lädt Extinction Rebellion morgen am Martinstag, 11.11.2019 ein zu

Der Laternenumzug durch die Innenstadt beginnt um 17 Uhr am Gänsemarkt. Groß und Klein sind eingeladen. Es ist keine Aktion von zivilem Ungehorsam.

Der youtube-Kanal von Extinction Rebellion Deutschland  versammelt interessante Videos über XR. Für alle, die einen ersten gründlichen Einblick bekommen wollen, kann ich den Vortrag »Aufstand oder Aussterben? Die Bewegung Extinction Rebellion« von Nick Holzberg, XR Berlin, empfehlen [bei youtube 1:40:10].

»Zuerst ignorieren sie dich,
dann lachen sie über dich,
dann bekämpfen sie dich und
dann gewinnst du.«
Mahatma Gandhi

[»First they ignore you, then they laugh at you, then they fight you, then you win.«]

Doris Dörrie (Still, 3sat.de)

Statt im Oktober zur Frankfurter Buchmesse zu fahren, habe ich lieber vom Sofa aus einige Gespräche auf dem blauen Sofa in der 3sat-Mediathek angeschaut. Dieses fand ich besonders sehenswert: Cecile Schortmann spricht mit Doris Dörrie über ihr Buch »Leben, schreiben, atmen« – auf www.3sat.de

Doris Dörrie, Leben, schreiben, atmen. Eine Einladung zum Schreiben
288 Seiten

Falls das noch nicht genug Poesie war, erwähne ich gern noch den diesjährigen Büchnerpreisträger, den Schweizer Schriftsteller Lukas Bärfuss (*1971). Seine Bücher erscheinen im Göttinger Wallstein Verlag.

Foto: dpa / Boris Roessler

Seine eindrucksvolle Dankesrede Meine Poetik war mir nie Selbstzweck kann man hier nachhören, in der Deutschlandfunk-Mediathek, und hier nachlesen, auf der Website der Deutschen Akademie für Sprache und Dichtung.
Lukas Bärfuss verweist auf die Verantwortung seiner Generation, an die Verbrechen der Vergangenheit zu erinnern: »Wer den letzten Krieg vergisst, der bereitet schon den nächsten vor.«

Zum guten Schluss noch ein Blick in die Tate Modern. Im Sommer durften wir zu dritt für ein paar Tage in London durch Straßen, Parks und Museen wandeln. Besonders begeistert hat mich (unter anderem) die Installation »The British Library«  von Yinka Shonibare (*1962 : )

Der britisch-nigerianische Künstler ist vor allem durch die Arbeit mit Dutch Wax, bedruckten, farbenprächtigen Baumwollstoffen bekannt geworden. Seit 2019 trägt er den Titel »Commander of the most excellent Order of the British Empire« (CBE). Weitere Informationen auf Yinka Shonibares Homepage.


Fatal

wäre es, wenn wir uns zufrieden gäben mit »Die Technik wird’s schon richten«-Hoffnungen, die völlig absurd sind angesichts des raschen Fortschreitens der Klimakatastrophe. Oder wenn wir nur noch zynisch wären, wenn wir aufgäben. Jeder dritte in Deutschland verkaufte Neuwagen ist laut Handelsblatt ein SUV. Zum K…

Der Duden übersetzt fatal mit: sehr unangenehm und peinlich; Unannehmlichkeiten, Ärger verursachend, in Verlegenheit bringend; misslich.

»… der Fatalismus ist das Gegenteil der Freiheit.«
Jean-Paul Sartre

Mein Sohn (22) hatte mir diesen Beitrag empfohlen über den Essay Losing Earth von Nathaniel Rich.

Losing Earth: Wie wir die Erde fast vor dem Klimawandel gerettet hätten | Capriccio | BR
[5:17 min in der BR-Mediathek bis 29.4.2020 oder bei youtube 5:22 min]

      
Mehr Infos zum Buch nach Klick aufs Cover

»Nathaniel Rich schildert in dem Essay Losing Earth, wie Ende der 70er Wissenschaftler und Politiker erstmals erkennen, dass sich die Erderwärmung desaströs beschleunigt. Fast kommt es danach zu einem weltweiten Klimaabkommen. Fast.«
Quelle: Capriccio

Wer Capriccio vom Bayerischen Rundfunk noch nicht kennen sollte, hier geht’s zu vielen großartigen Beiträgen in der Mediathek.

Fatal erinnert mich Losing Earth an Karen Duves vor 5 Jahren erschienenes Warum die Sache schiefgeht  – Wie Egoisten, Hohlköpfe und Psychopathen uns um die Zukunft bringen.

 

Als Hardcover 2014 bei Galiani Berlin erschienen und noch lieferbar, als Hörbuch 2014 bei Roofmusic, als TB bei Goldmann.

Augusta Luise

Was hilft? Rosen züchten? Beim nächsten Global-Strike-Day mitmachen? Weltweit möglich am Fr, 29. und Sa, 30. November 2019.

mein Schild vom 20.9.

Sehr beeindruckt bin ich von der Courage der Whistleblowerin Katherine Gun, die ich vorgestern beim Filmfest Hamburg  persönlich erlebt habe. Official Secrets kommt – mit Keira Knightley in der Hauptrolle super besetzt – am 21. November 2019 in unsere Kinos. Kurzfassung des Thrillers: Katherine Gun hatte 2003 brisante Geheimdienstinformationen weitergegeben, um den Irak-Krieg zu verhindern.

Quelle: deinkinoticket.de/official-secrets/infos/

Sehr gespannt bin ich auf die Aktionen von Extinction Rebellion, die morgen in Berlin starten.


Zitat von der XR-Homepage: »Es funktioniert: Frühling 2019, London. Über sechstausend Menschen blockieren eine Woche lang die Brücken der Stadt. Wenige Tage später erklärt das britische Parlament den Klimanotstand. Gemeinsam können wir auch in Deutschland die Politik dazu bewegen, endlich effektiv zu handeln.«

Das nenne ich Optimismus angesichts des desaströsen Klimapaketes unserer Regierung.
Ein Überblick zum Klimaschutzprogramm 2030 auf der Website der Bundesregierung …

Wer sich schon vor 2030 sein Wunder lieber selber backen möchte, hier das Rezept vom Wunderbrot.
Es gibt fertige Backmischungen, aber es gibt auch ein Rezept auf der Nachhaltigkeitsplattform Smarticular , das ich leicht abgewandelt zum Nachbacken auf einem Backblech nur empfehlen kann: Wunderbrot [PDF zum Download].

Und jetzt noch ein Blick in unsere LiteraturBrunch-Werkstatt.
Das sind drei von den 2019 erschienenen deutschsprachigen Romanen, die mir besonders gut gefallen haben:

         

Tabea Hertzog, Wenn man den Himmel umdreht, ist er ein Meer
Berlin Verlag 2019, 224 Seiten
Sarah Kuttner, Kurt
S. Fischer 2019, 240 Seiten
Angela Lehner, Vater unser
Hanser Berlin 2019, 284 Seiten
Der Termin für unsere alljährliche legendäre BücherFrauen-Veranstaltung steht schon: Sonntag, 9.2.2020, von 10 bis 14 Uhr. Weitere Informationen folgen.


Binsenweisheiten

Diverse Binsen Quelle: Wikipedia

Der Begriff spielt laut Wikipedia auf die weite Verbreitung der Binsen (Gräser) an sowie auf ihre einfache, knotenlose Form. So gab es bereits im Lateinischen die Wendung: nodum in scirpo quaerere („Stengelknoten auch an der Binse suchen“), wenn jemand an einer simplen Feststellung herumdeuteln wollte. Ein Beispiel: Schlimmer als Binsenweisheiten sind Fake News.

Der Guardian hat vor einiger Zeit sein Wording geändert und nennt es nicht mehr Klimawandel, sondern Klimakrise oder Klimanotstand. Das interessante Interview „Wie Sprache unser Denken über die Zukunft verändert“  findet sich bei bento.

Quelle: youtube

Bei einer Brückenbesetzung in London im November 2018, über die der Guardian ausführlich berichtet hat, singen Aktivist*innen: »Never doubt, that a small group of people can change the world indeed. it is the only thing that ever has. Never doubt, that …« [The Guardian, Life inside Extinction Rebellion: ‚We can’t get arrested quick enough‘, bei youtube ab min 9:02, veröffentlicht am 22.11.2018 ] – sehr bewegend, finde ich.


Damit zitieren sie die US-amerikanische Ethnologin Margaret Mead (1901-1978):

»Never doubt that a small group of thoughtful, committed citizens can change the world; indeed, it’s the only thing that ever has.«
gefunden bei brainyquote

 

»In der Gedankenwelt von Extinction Rebellion nehmen drei Zahlen einen entscheidenden Platz ein: 2025, 0 und 3,5 Prozent. 2025 sollen die C02-Emissionen auf null reduziert sein, und die Aktivisten glauben, dass sie die Regierungen nur dazu kriegen, wenn sie ungefähr 3,5 Prozent der Bevölkerung für sich gewinnen.« Rico Grimm, Krautreporter 1.5.2019

Am Freitag, dem 20.9.2019 findet der dritte globale Klimastreik statt – weltweit werden Menschen auf die Straße gehen und für die Einhaltung des Parisabkommens und gegen die anhaltende Klimazerstörung laut werden. Hier der Aufruf von Fridays for Future. Und hier meiner: Kommt um 12 Uhr am 20.9. in Hamburg zum Jungfernstieg, in Berlin zum Brandenburger Tor, in Frankfurt zur Alten Oper, um 10 Uhr in Münster zum Prinzipalmarkt … [alle Orte hier] und bringt noch jemanden mit.

Samuel Harfst [keine Ahnung, wie ich auf den gekommen bin …] rät in seinem Song Alles Gute zum Alltag:
»… träume hellwach, träume groß,
lass die Hoffnung niemals los.«

Auch bildende Künstler*innen setzen sich mit dem Klimanotstand auseinander. Im Berliner Gropiusbau gibt es dazu bis zum 1. Dezember 2019 die alles in allem beeindruckende Ausstellung »Garten der irdischen Freuden«, die ich letzte Woche gesehen habe.

Rashid Johnson, „Antoine’s Organ“ (Detail), 2016. Foto: Martin Parsekian Rashid Johnson, Courtesy: der Künstler und Hauser & Wirth

Und wer es sich immer noch gönnt, Bücher zu lesen, könnte hier in der Longlist zum Deutschen Buchpreis stöbern. Übrigens sind es in diesem Jahr 11 nominierte Autorinnen und 9 Autoren. Die Shortlist wird am 17.9.2019 bekannt gegeben, der Buchpreis am 14.10. zum Auftakt der diesjährigen Frankfurter Buchmesse verliehen.

Quelle: deutscher-buchpreis.de


O Himmel ist das recht?

Haben wir noch Zeit genug, die Bücher zu lesen, die uns aus der Klimakrise führen könnten?

Die kanadische Journalistin Naomi Klein hat bereits einiges zur Globalisierung veröffentlicht. Der Klimawandel schien ihr nicht relevant zu sein, sagt sie, bis sie den engen Zusammenhang zwischen Umweltzerstörung und Ungleichheit erkannte.

This Changes Everything – Naomi Klein | Guardian Docs (09:43 min),
am 6.3.2015 bei youtube veröffentlicht. Erschreckend mal wieder – eine Dokumentation von 2015, die Fakten weitgehend ignoriert, das Video könnte auch von 2019 sein.

   

Naomi Kleins neues Buch On Fire: The (Burning) Case for a Green New Deal ist bei Barnes & Noble angekündigt für den 27.09.2019, die deutsche Ausgabe Green New Deal: Wir können unseren Planeten retten! soll Anfang November bei Hoffmann und Campe erscheinen, in der Übersetzung von Gabriele Gockel und Barbara Steckhan.


Naomi Klein © Kourosh Keshir
Quelle: hoffmann-und-campe.de

Zum Vormerken: die Bewegung Extinction Rebellion ruft für den 27. September 2019 gemeinsam mit Fridays for Future, United4Earth, IWW Environmental Unionist Caucus, Youth Strike 4 Climate und Demand Utopia zum Earth Strike auf, zum bislang größten weltweiten Klimaprotest.

»O wunderbares Glück! Denk doch einmal zurück: Was hilft mir mein Studieren, viel Schulen absolvieren? Bin doch ein Sklav, ein Knecht. O Himmel ist das recht?«
Christian Friedrich Daniel Schubart (1739–1791)

Wikipedia zum Begriff Ziviler Ungehorsam:
»Durch einen symbolischen, aus Gewissensgründen vollzogenen, und damit bewussten Verstoß gegen rechtliche Normen zielt der handelnde Staatsbürger mit einem Akt zivilen Ungehorsams auf die Beseitigung einer Unrechtssituation … Durch den symbolischen Verstoß soll zur Beseitigung des Unrechts Einfluss auf die öffentliche Meinungsbildung genommen werden.«

Die Bücher der bemerkenswert unangepassten Autorin Anke Stelling erscheinen seit 2016 passend im Verbrecher-Verlag. Ihr jüngster Roman Schäfchen im Trockenen wurde mit dem Preis der Leipziger Buchmesse 2019 ausgezeichnet. Die Jury begründete: »Schäfchen im Trockenen ist ein scharfkantiger, harscher Roman, der wehtun will und wehtun muss, der protestiert gegen den beständigen Versuch des besänftigt Werdens, der etwas aufreißt in unserem sicher geglaubten Selbstverständnis und dadurch den Kopf frei macht zum hoffentlich klareren Denken.«

         

Schäfchen im Trockenen (2018)
272 Seiten
Fürsorge (2017)
176 Seiten
Bodentiefe Fenster (2016)
256 Seiten

Nun noch ein Hörbuch-Tipp. Im Spiegel hat Franziska Wolffheim den neuen Roman von Alina Bronsky niedergemacht: »Im typischen ›Bronsky-Beat‹ porträtiert Alina Bronsky … eine Helikopter-Großmutter, die ein Wohnheim zu kontrollieren sucht. Könnte sehr lustig sein – wären die Figuren nicht solche Pappnasen.« Fand ich überhaupt nicht. Vielleicht hätte die Rezensentin sich den Roman lieber von Sophie Rois vorlesen lassen sollen? Fand ich großartig!

Alina Bronsky, Der Zopf der Großmutter. Meine Großmutter, mein Großvater, seine Geliebte und ich
Erschienen bei Roofmusic

In leicht melancholischer Stimmung höre ich grad besonders gern das Brad Mehldau Trio, genau gesagt ihr Cover von Time Has Told Me (bei youtube, 08:40 min)
veröffentlicht auf Where Do You Start (2012)

   
Auch schön, und mit Text, das Original von Nick Drake Time Has Told Me (bei youtube, 04:27 min)
auf Five Leaves Left (1969)

Und noch was für Leib und Seele, meine jüngste Kreation:


Aprikosen-Pfingst-Kuchen

· 250 g Butter
· 250 g Mehl
· 250 g Vollkorn-Mehl
· 200 g Rohrzucker
· 2 Eier
· 1 Pk Bourbon-Vanillezucker
zu einem glatten Teig kneten und die Formen damit auskleiden.

· etwa 1.250 g gewaschene Aprikosen
in Spalten schneiden und auf den Teig legen.

· 6 Eiweiß, leicht aufgeschlagen,
· 250 g Zucker
· 400 g gemahlene Mandeln
· 1 Pk Bourbon-Vanillezucker
zum Guss verrühren, auf dem Obst verteilen.

Bei 175 Grad etwa 45 min backen.
Menge für ein Blech und eine kleine Form.

DIES IST ÜBRIGENS TATSÄCHLICH SCHON BEITRAG NR. 50 …

 


Klima-Rebellion

If we did all the things we are capable of, we would literally astound ourselves. *
Thomas A. Edison [Quelle: Brainyquote]

Wer auf die Website vom Umweltbundesamt geht, kann über Wörter wie »Klimaanpassungsdienste« stolpern und Sätze wie: »In Zukunft werden sich der Klimawandel und seine Folgen noch verstärken. Es ist daher wichtig, dass wir uns rechtzeitig und effizient anpassen.«

Haben wir den Kampf schon aufgegeben? Ist der „Klimawandel“ doch unser unausweichliches Schicksal? Das Bundesumweltamt (die Bundesregierung?) jedenfalls scheint mehr Energie auf die Anpassung an den „Klimawandel“ verwenden zu wollen als auf den Versuch, die drohende Klimakatastrophe mit effizienten Maßnahmen zu verhindern.

Foto: picture alliance

Der Meeresspiegel steigt? Die Nordseewellen kommen immer näher?
Erste Pfahlbauten in St. Peter-Ording sind in diesem Jahr schon 100 Meter weiter ins Landesinnere versetzt worden!

Dabei gibt es weltweit unglaublich viele Projekte, die uns Mut machen könnten, für den Klimaschutz zu handeln. Solche Projekte versammelt auch nur positive nachrichten.

Für diesen Wald im Süden Indiens pflanzt der Landwirt Jadev Molai Payeng seit 1979 jeden Tag einen Baum. Der beeindruckende Dokumentarfilm [16:34 min] über den „Forest Man“ ist hier zu sehen.

Empfehlen möchte ich außerdem das Video A Message From The Future With Alexandria Ocasio-Cortez, wunderbar animiert von der Künstlerin Molly Crabapple, von Naomi Klein veröffentlicht am 17.4.2019 auf der Plattform unabhängiger JournalistInnen The Intercept.

   

Der siebenminütige Film antwortet auf die Frage: Was ist möglich, wenn wir unseren Kurs radikal ändern, um damit unseren Lebensraum und uns selbst zu retten? Eignet sich bestimmt für den Wahlkampf von Alexandria Ocasio-Cortez, Hoffnungsträgerin vieler DemokratInnen in den USA.

Auch die neue Organisation Extinction Rebellion (Rebellion gegen das Artensterben) ruft auf zu einer radikalen Kehrtwende. In London hat es Mitte April erste Sitzblockaden und phantasievolle Aktionen gegeben, über die der Guardian in diesem Beitrag berichtet hat.

Quelle: The Guardian

Quelle: krautreporter.de

Das Video Extinction Rebellion: a week of protest in three minutes bei youtube [03:37 min].

Meine Hoffnung: Organisationen wie Extinction Rebellion bringen so viele Menschen in gewaltfreiem Widerstand auf die Straße, dass die Verantwortlichen in Politik und Wirtschaft gar nicht anders können, als so-fort alles Mögliche zur Erreichung der Klimaschutzziele zu tun. Was ist grad dringlicher als die Verhinderung des Klimakollapses, den nicht nur SchülerInnen, auch WissenschaftlerInnen – Scientists for Future – prognostieren?

Zur Ablenkung und Inspiration empfehle ich gern meine momentane Lektüre – den neuen Roman von Siri Hustvedt

© Marion Ettlinger

    

Siri Hustvedt, Memories of the Future
320 Seiten, gebunden, Simon and Schuster

Siri Hustvedt, Damals
448 Seiten, gebunden, Rowohlt,
übersetzt von Uli Aumüller und Grete Osterwald

Schließlich noch eine Nachricht aus der Nachbargemeinde Halstenbek, die mich weiter an »das Gute« glauben lässt:

Schenefelder Tageblatt vom 26.4.2019

Niedlich, nicht? Feuerwehrleute retteten am 24.4.2019 diese Entenküken mit einer Steigleiter aus einem tiefen Luftschacht, in den sie gepurzelt waren.
Übrigens werden Enten seit 1989 als Schädlingsbekämpferinnen beim Reisanbau in Asien eingesetzt, ganz ökologisch. Gefunden auf einer weiteren „Positive-Nachrichten-Seite“: Umuntu.

* Würden wir alle Dinge tun, zu denen wir in der Lage sind, könnten wir über uns selbst staunen.
Thomas A. Edison


Das leisten wir uns

Zur Einstimmung schlage ich vor, Die Anstalt von gestern Abend in der ZDF-Mediathek nachzusehen. 51 Minuten politisch-satirisches Bildungsfernsehen [verfügbar bis zum 16.4.2020]. Mit Max Uthoff als Sir Isaac Newton und Claus von Wagner als Andreas Scheuer, CSU-Verkehrsminister (Bundesminister für Verkehr und digitale Infrastruktur) – genial.

Still_DIe Anstalt_9.4.2019

Quelle: ZDF-Mediathek

Fridays-For-Future hat vorgestern auf ihrer Pressekonferenz im Berliner Naturkundemuseum erstmals Forderungen bekannt gegeben. Die SprecherInnen fordern von der Bundesregierung die Einhaltung der Ziele des Pariser Abkommens und damit des 1,5°C-Ziels und eine 100% erneuerbare Energieversorgung für Deutschland bis 2035. Weitere Informationen finden sich hier und z. B. im Bericht der Süddeutschen Zeitung vom 9.4.2019.

FFF-PK_8.4.2019

Pressekonferenz im Berliner Naturkundemuseum. Quelle: dpa

Ganz sicher kann jede und jeder von uns noch mehr gegen den Klimawandel tun. Wir können (noch) mehr Rad statt Auto fahren, auf Flugreisen verzichten etc. pp. Aber letztlich ist es die Politik, die Gesetze erlassen muss, damit das Pariser Klimaschutzabkommen eingehalten werden kann. Durch den Ausstieg aus der Kohle, die Besteuerung von Flugbenzin (klar: europaweit), ein Tempolimit auch auf deutschen Autobahnen etc. pp. Und wir alle können den Druck auf die Politik erhöhen. Zum Beispiel am Freitag, dem 24. Mai 2019, wenn der nächste GLOBALE KLIMASTREIK der Fridays-For-Future-Bewegung stattfindet.

Das war an mir vorbeigegangen: Schon Ende November 2018 wurde in einigen Medien über ein schwedisches Phänomen berichtet, das inzwischen auch in anderen Ländern auftaucht: FLYGSKAM – die Flugscham. Unter #jagstannarpåmarken [»Ich bleib auf dem Boden«] tauschen sich SchwedInnen über die Alternative, Bahn zu fahren, aus.
Mehr dazu unter bedeutungonline.de und unter #zugstattflug

Derweil wollen wir den Frühling genießen, Kekse fürs Osternest backen und schöne Bücher lesen.
Bei uns im Regal stehen drei Bände aus den Anfangsjahren der Anderen Bibliothek aus dem Hause Greno, der 1985 mit dem Verlegen der bibliophilen Ausgaben begonnen hat; als Herausgeber zeichnete bis 2007 Hans Magnus Enzensberger. Dabei stammt grob geschätzt(!) bis heute nur jeder 10. Band der Anderen Bibliothek aus der Feder einer Frau. Sei’s drum.
Alle drei Titel sind übrigens nur noch antiquarisch, z. B. über booklooker zu bekommen.

Andreas Thalmayr (= Hans Magnus Enzensberger (*1929)
Das Wasserzeichen der Poesie oder die Kunst und das Vergnügen, Gedichte zu lesen
Die Andere Bibliothek Band 9. Nördlingen: F. Greno 1985

Josef Škvorecký (1924–2012)
Feiglinge. (Übers.: Karl-Heinz Jähn)
Die Andere Bibliothek Band 16. Nördlingen: F. Greno 1986

Raymond Federman (1928–2009)
Alles oder Nichts (Übers.: Peter Torberg)
Die Andere Bibliothek Band 22. Nördlingen: F. Greno 1986

Tatsächlich liebäugele ich mit Band 413, der im Mai erscheint.
Bettine von Arnims Letzte Liebe. Das unbekannte Briefbuch

Cover_Arnim_LIebe

Schließlich mal wieder ein Keksrezept – wenig Aufwand, viel Genuss!

Mandelsplittergebäck

1 Ei mit 80 g Rohrzucker verrühren, 200 g Mandelsplitter und 150 g Sonnenblumenkerne untermischen, mit einem Teelöffel Häufchen aufs Backpapier setzen (zwei Bleche), bei 170 Grad Umluft im Ofen etwa 10 Minuten backen, nur leicht anbräunen und gut abkühlen lassen.

Mandelsplittergebaeck