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Kompost für den Alltag


Leuchten

Jedes Jahr versuche ich, den Advent zu entschleunigen. Gar nicht so leicht, wenn sich das Jahr dem Ende zuneigt und die Zeit gefühlt knapper wird.

Backen zum Beispiel kann kreativ entschleunigen. Auch Weihnachtslieder-Singen erfüllt die Stunden. Videos-Gucken dagegen kommt mir weniger produktiv vor. Kann trotzdem lustig sein.

Kroymann im Himmel. Quelle: ARD.de

Zum Beispiel, wenn man sich die erste Viertelstunde KROYMANN von und mit der Kabarettistin Maren Kroymann gönnt, die am 6.12. in der ARD lief, und hier [Link zur ARD-Mediathek] nachzusehen ist (jederzeit bis zum 6.12.2019).

Der Advent leuchtet. Inzwischen vorwiegend mit LEDs. Zum Beispiel beim „Weißen Zauber“ am Jungfernstieg.

Foto: hamburg-tourism.de

Über den Leitartikel »Ausgewachsen. Und nun?« in dem Rundbrief initiativ November 2018 der Ökumenischen Initiative Eine Welt bin ich auf die Begriffe Degrowth und Post-Wachstum [Begriffserklärung auf der Website des Zukunftsinstituts] gestoßen, unter Wirtschaftswissenschaftlern schon länger bekannt, nur ich hatte wieder keine Ahnung. Aufmerksam macht der Artikel ebenfalls auf diese faszinierende Glühbirne von Livermore, die seit sage und schreibe 117 Jahren leuchtet.

Quelle: centennialbulb.org

»Wir sind mehr« – ein so simpler wie wahrer Satz auf vielen Demonstrationen in diesem Jahr. Wenn ich mir was wünschen dürfte für 2019, dann zum Beispiel, dass 2019 noch mehr Menschen friedlich auf die Straße gehen. Bei Demonstrationen mitlaufen, um zu zeigen: Wir sind mehr, mehr als die Rassisten, die von der eben 70 gewordenen Erklärung der Menschenrechte nichts zu halten scheinen.

Eleanor Roosevelt. Quelle: wikipedia.org

Dabei bietet die international anerkannte Erklärung der Menschenrechte von 1948 die Grundlage eines friedlichen Miteinanders.

Doch auch die rechten Rassisten fühlen sich »im Recht«. Wir könnten versuchen, mit ihnen ins Gespräch zu kommen. Eine Möglichkeit, sich darauf vorzubereiten, bietet das Seminar STAMMTISCHKÄMPFER*INNEN der Initiative Aufstehen gegen Rassismus. Ich kann mir vorstellen, im nächsten Jahr ein Stammtischkämpfer*innen-Seminar in Hamburg zu organisieren, mal sehen. Interessierte können sich gern vorab bei mir melden: mg(at)textbeet.de

Für den Kalender 2019 sei schon mal notiert: Samstag, 16. März 2019. Anlässlich der Internationalen Wochen gegen Rassismus werden weltweit Demonstrationen gegen Rassimus stattfinden.

Nun aber. Für alle, die ihre Zeit gern mit anspruchsvollerer Lektüre verbringen und über die Feiertage dazu mehr Muße haben als sonst, empfehle ich diese beiden Romane. Sie erzählen die Familiengeschichten über drei Generationen.

   

Ursula Krechel, Geisterbahn
650 Seiten, gebunden, Jung und Jung
»Wuchtig, grausam, soghaft erzählt Ursula Krechel … von einer Sinti-Familie, die unter dem Terror der Nazis zerbricht. Mit Achtung und Feingefühl fühlt sie sich in die chronischen Leiden ein, die der Terror in den Figuren zurücklässt.« Ingeborg Harms, DIE ZEIT

Inger-Maria Mahlke, Archipel
432 Seiten, gebunden, Rowohlt
»Mahlke will nicht allein von den Erlebnissen ihrer Protagonisten in Kriegen … und Familientragödien erzählen … Sie will mit der Verkehrung von Ursache und Wirkung vielmehr das Verhältnis von Zeit und Dasein an sich auf den Kopf stellen. Das ist radikal und manchmal unbequem zu lesen und hat doch größten Reiz.« Sandra Kegel, FAZ

 

Was für ein verheißungsvoller Name – Lebkuchen – besonders im Winter.

Rezept für sechs Bleche

• 250 g Butter oder Alsan Bio-Margarine
• abgeriebene Schale von 1 Orange und 1 Zitrone
• 200 g Rohrohrzucker
• 200 g dunkler Sirup
• 750 g Mehl (1/3 Vollkorn)
• 125 g gemahlene Mandeln
• 1 geh. TL Backpulver
• 1 Tütchen Lebkuchen-Gewürz
(und je nach Geschmack noch mehr Zimt, Kardamom, Nelken, Anis …)
• ggf. Sonnenblumenöl, falls der Teig zu bröckelig ist
• Mehl zum Ausrollen

Portionsweise ausrollen, Formen ausstechen, auf Backpapier im Ofen bei 200 Grad etwa 10 min. backen. Dünn mit Zitronenguss bestreichen und ggf. verzieren. Verschenken. Oder selbst genießen.

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Das nervt doch!

• Laubpuster
• Kleinkinder mit Smartphones
• stinkende Motorroller
• die Allgegenwart von Google*
• Riesenadventskalender (mit Chipstütchen!)
• Halloween-Artikel

Dies ist meine aktuelle ganz private Hitliste, zusammengestellt vorhin beim Einkaufengehen, beliebig ergänzbar. Vorschläge gern an mg(at)textbeet.de

Was gar nicht nervt, ist ja gute Literatur. Drei weitere Titel aus unserer „Longlist“ für den nächsten BücherFrauen-LiteraturBrunch, die ich alle gern empfehle. [Ein Klick auf die Buchtitel führt zu weiteren Informationen auf den Verlagsseiten.]

Franziska Hauser, Die Gewitterschwimmerin
Hardcover, 431 Seiten, Eichborn

Lilian Loke, Auster und Klinge
Hardcover, 313 Seiten, C.H.Beck

Claudia Tieschky, Engele
Hardcover, 208 Seiten, Rowohlt Berlin

        

Noch eine Art Gegenentwurf zum Genervtsein:

Ich freue mich, dass ich mich an das Schöne
Und an das Wunder niemals ganz gewöhne.
Dass alles so erstaunlich bleibt, und neu!

Mascha Kaléko (1907–1975), aus dem Gedicht „Sozusagen grundlos vergnügt“
aus
In meinen Träumen läutet es Sturm
Hardcover, 192 Seiten, dtv, erscheint am 26. Oktober 2018

Sämtliche Briefe und Werke von Mascha Kaléko erscheinen ebenfalls im Deutschen Taschenbuch Verlag.

Diese Geschichte hat viele AutorInnen des Rowohlt-Verlages (milde gesagt) genervt und für den Branchen-Aufreger vor der Buchmesse gesorgt: Holtzbrinck kündigte von jetzt auf gleich seine Rowohlt-Verlegerin Barbara Laugwitz. Hintergründe dazu im Börsenblatt online unter dem Titel Die missratene Trennung vom 12. September 2018.

Meine ganz persönliche Verschwörungstheorie zur Causa Laugwitz ist, dass man bei Holtzbrinck genervt war von dieser Neuerscheinung unter ihrer Verlegerschaft:

    

Margarete Stokowski
Die letzten Tage des Patriarchats
Hardcover, 320 Seiten
»Stokowskis Texte machen Mut, sie helfen, wütend zu bleiben, Haltung zu zeigen und doch den Humor nicht zu verlieren. Und sie zeigen, dass es noch einiges zu tun gibt auf dem Weg zu einer gleichberechtigen Gesellschaft.« rowohlt.de

Grad heute wurde übrigens zur Causa Laugwitz von Rowohlt vermeldet, dass man sich einvernehmlich geeinigt habe. Die „Kontaktsperre“ war wohl ein Missverständnis. Und von den Ullstein Buchverlagen kam heute die Pressemeldung, dass Barbara Laugwitz dort ab März 2019 Verlagsdirektorin (CPO) werde. Glückwunsch!

* Apropos Google empfehle ich fürs Suchen im Netz startpage.com. Auch wenn startpagen nicht ganz so gemütlich-hyggelig klingt wie googeln. Doch dafür gibt es auf startpage.com [Zitat] „aktuelle Google-Suchergebnisse mit Privatsphäreschutz“. Einfach mal ausprobieren!


Glocken erinnern

Mag sein, dass der jüngste Tag morgen anbricht lautete am 2. Juni 2018 eine beeindruckende Veranstaltung im Berliner Dom mit Texten des deutschen Widerstands 1938 bis 1945. Vorgetragen von Martina Gedeck, Matthias Brandt und Studierenden der Hochschule für Schauspielkunst Ernst Busch Berlin. Der Mitschnitt ist nachzuhören hier bei Bayern 2.

Mag sein, dass der jüngste Tag morgen anbricht, dann wollen wir gern die Arbeit für eine bessere Zukunft aus der Hand legen, vorher aber nicht.
Dietrich Bonhoeffer (1906–1945)

»Friede sei ihr erst Geläute! – ringing the bells« heißt die Initiative zu einem europaweiten Glockenläuten am 21.9. im Rahmen des Europäischen Kulturerbejahres 2018 am Weltfriedenstag.
Der 21. September wurde 1981 von den Vereinten Nationen zum Weltfriedenstag erklärt, einem »Tag des Waffenstillstands und der Gewaltlosigkeit«.

Glockenturm, © wernau.de

Erstmalig europaweit sollen am 21.9.2018 um 18 Uhr für eine Viertelstunde alle kirchlichen und weltlichen Glocken läuten, als gemeinsames Zeichen des Friedens.

Dazu, auch interessant: Wozu brauchen wir heute noch Kirchenglocken? im Tagesspiegel vom 20.6.2018.

St. Petersglocke im Kölner Dom

Die mit einem Durchmesser von 3,22 Metern größte Glocke Deutschlands, gegossen 1923, wiegt 24 Tonnen und klingt mit einem tiefen C: die St.Petersglocke im Kölner Dom, auch »Dicker Pitter« genannt.

Vom Glockenstuhl im Dom ist es nicht weit bis zum Südquerhausfenster von 2007. Allein dieses von dem Künstler Gerhard Richter entworfene Fenster lohnt jeden Besuch im Dom, finde ich. Die 11.263 Quadrate in 72 verschiedenen Farbtönen aus mundgeblasenem Echt-Antikglas stammen aus der Glasmanufaktur Derix.

© Gerhard Richter, Köln / Dombauarchiv Köln

© derix.com

Wem das Dem-Glockenläuten-Lauschen oder das Betrachten von Kirchenfenstern nicht aktionistisch genug ist, wer es trotzdem gern bunt hat und Flagge gegen den grassierenden Rassismus zeigen will – welcome united auf dem Hamburger Rathausmarkt am 29. September 2018 um 12.00 Uhr.

»Wenn wir uns bewegen, bewegt sich die Welt!«
Aus dem Aufruf von We’ll come / Welcome united

Ebenfalls eine Initiative im Sinne des gesellschaftlichen Friedens ist der Friedenspreis des Deutschen Buchhandels, der seit 1950 in der Frankfurter Paulskirche vergeben wird – in diesem Jahr am 14. Oktober an Aleida und Jan Assmann, von denen ich ehrlich gesagt bislang nicht gehört hatte.
Soeben im Wiener Picus Verlag erschienen:
Alida Assmann, Menschenrechte und Menschenpflichten: Schlüsselbegriffe für eine humane Gesellschaft

Die Buchtipps im September stehen unter dem Motto »tolle bunte Cover«:


Meg Wolitzer, Die Interessanten
TB, 608 Seiten, Dumont
Übersetzung: Werner Löcher-Lawrence

»Meg Wolitzer spielt in diesem Roman nicht Lebenserfahrung gegen jugendliche Illusion aus, sondern nimmt sich die Mühe, Identität als vielschichtig und kompliziert, als widersprüchlich und unvermeidlich schmerzbeladen darzustellen. … So bleibt der Leserin nur helle Begeisterung für selten glaubwürdig erzählte Figuren und ihre Wege durchs Leben«, schrieb Bernadette Conrad unter der Überschrift Faszinierendes Gruppenporträt 2015 in der NZZ.


Rafik Schami, Erzähler der Nacht
TB, 288 Seiten, BELTZ & Gelberg

Rafik Schami (geb. 1946) wuchs in Damaskus auf und lebt seit 1971 in Deutschland. Der promovierte Chemiker ist ein begnadeter Geschichten-Erzähler, wurde vielfach ausgezeichnet und zählt zu den erfolgreichsten deutschsprachigen Schriftstellern. Erzähler der Nacht ist das mir liebste Buch von ihm.

Rafik Schami gründete 2012 zusammen mit dem Verleger Hans Schiler den Verein Schams, der seitdem Kinder und Jugendliche in den Anrainerstaaten Syriens unterstützt.

 

 

 


Kopf im Sand

Einem mir gut bekannten jungen Mann fiel zum Ausdruck »Den Kopf in den Sand stecken« das grad grassierende Prokrastination ein. In diesem Wort steckt alles drin: Krasses Ignorieren von Aufgaben, die eigentlich dringend erledigt sein wollen, und dieses gewisse »Ich kann auch nichts dafür«, da es sich offenbar um eine Art Fluch handelt.

Zeichnung von Adolf Oberländer (1877)

Auf neueswort.de findet sich: »Die Prokrastination stammt vom lateinischen procrastinatio (Vertagung) ab … ein kontraproduktives und unnötiges Aufschieben …«
Das Kopf-in-den-Sand-Stecken bietet also kaum Vorteile. Und doch vertagen wir ständig die Auseinandersetzung mit Problemen. Wir verdrängen, fühlen uns nicht angesprochen [Waaaas? Es gibt einen Zusammenhang zwischen Flugverkehr und Klimawandel? Echt jetzt?], würden zu gern so bequem und relativ entspannt weiterleben und auf gar keinen Fall persönliche Nachteile in Kauf nehmen wollen. Außerdem: Was kann ich allein schon ausrichten?

Als mir neulich diese adretten Plakate auffielen

 

Jennifer Aniston wirbt für Smart Water (c) Coca-Cola

hatte ich gleich Nestlé im Verdacht. Aber es steckt doch Coca-Cola dahinter. Der US-amerikanische Konzern hofft wohl, dass auch europäischen GroßstädterInnen gefallen könnte, worauf man in Hollywood nicht mehr verzichten möchte: WASSER  in Plastikflaschen. Selbstverständlich kein gewöhnliches, sondern quasi kluges Wasser. 

Wir hier im »echten Norden« sind heilfroh, dass wir uns keine Sorgen ums Trinkwasser machen müssen, trotz der ungewöhnlichen Dürre dieses Sommers. Das aus der Nordheide schmeckt übrigens ausgezeichnet.

In diesem Zusammenhang berichtete die Landeszeitung aus Lüneburg im letzten Jahr unter der Überschrift Wem gehört das Trinkwasser?, dass Coca-Cola Deutschland am Standort Lüneburg »ViO« abfülle und »in den vergangenen Jahren keine Gewerbesteuer gezahlt« habe. Coca-Cola verwies dazu auf »Verluste durch außerordentliche Kosten«.

Wasserspielplatz im Bürgerpark Bielefeld, (c) aquado.de

Die ideale Verbindung von Sand und Wasser – eine „Matschanlage« oder auch das Wattenmeer der Nordsee, seit 2009 UNESCO-Weltnaturerbe. Es gibt Prognosen, was aus dem Wattenmeer wird bei weiterem Meeresspiegelanstieg. Dazu gibt es die Strategie Wattenmeer 2100  – Wie ist das Watt trotz Klimawandel und Meeresspiegelanstieg zu retten? Mehr dazu auf der Website der Schutzstation Wattenmeer.

Karte: Schutzstation Wattenmeer

Zum Schluss noch kurz den Kopf aus dem Sand gesteckt und einen Blick geworfen auf die Vorbereitungen zu unserem nächsten BücherFrauen-LiteraturBrunch im Februar 2019, für den wir grad die Neuerscheinungen deutschsprachiger Autorinnen 2018 sichten. Zwei meiner Favoritinnen [ein Klick auf die Titel führt zu weiteren Informationen]:

       
Milena Michiko Flašar, Herr Katō spielt Familie
Verlag Klaus Wagenbach, 176 Seiten, geb., 20,– Euro

Wlada Kolosowa, Fliegende Hunde
Ullstein Buchverlage, 224 Seiten, geb., 20,– Euro

Fliegende Hunde erinnert mich an Alina Bronskys Scherbenpark von 2008, das ich damals ebenfalls sehr beeindruckend fand.
Alina Bronsky, Scherbenpark
Verlag Kiepenheuer & Witsch, 304 Seiten, TB, 9,99 Euro

    

Und eines der Bücher vom LiteraturBrunch 2018 ist soeben als Penguin-Taschenbuch erschienen und sei hiermit noch einmal ausdrücklich empfohlen:
Annette Mingels, Was alles war
Penguin Verlag, 288 Seiten, TB, 10,– Euro

PS: In dieser Woche wurde die Longlist für den Deutschen Buchpreis 2018 bekannt gegeben. Diesmal überwiegen die Romane von Autorinnen (12 von 20 nominierten Neuerscheinungen). Wir sind gespannt auf die Shortlist, die am 11.9.2018 präsentiert wird.

Nachtrag vom 12.9.2018: Auch auf der Shortlist überwiegen die Titel von Autorinnen. Wer den Deutschen Buchpreis 2018 erhält, wird am Montag, dem 8. Oktober um 18.55 Uhr bekannt gegeben.


Jage ihm nach

Suche Frieden war das Motto des Katholikentages vom 9. bis 13. Mai in Münster.

Veranstaltung vorm Dom

„Suche Frieden und jage ihm nach!“, heißt es im Psalm 34, Vers 15.
Jage ihm nach! Nicht: „Wart mal ab, was passiert“. Nicht: „Ruht Euch erst mal auf Euern Fortschrittchen aus“, wie Hans Leyerdecker bei seinem sehr politischen biblischen Impuls zu Jesaja 52,1-12 deutlich sagte. Wacht auf! Wacht auf! (Jesaja 52,1)
Hans Leyendecker ist investigativer Journalist, Präsident des Evangelischen Kirchentags 2019 in Dortmund und ein ausgesprochen kluger Kopf.
Ich denke, dass die Gemeinsamkeiten der Konfessionen doch so sehr überwiegen, dass der Prozess „Vielfalt in der Einheit“ schneller vorangehen könnte. Blauäugig? An der Basis praktizieren sehr viele Gemeinden längst ökumenisches Miteinander. Könnte die Frage „Was würde Jesus heute sagen?“ nicht die Leitfrage sein bei dem theologischen Ringen um gemeinsame Positionen? Haben wir heute nicht drängendere Probleme? Die Bewahrung der Schöpfung zum Beispiel … Bietet sich die Frage nicht außerdem an in der Flüchtlingspolitik, insbesondere für die so genannten christlichen Parteien?

Heiner Geißler
Was würde Jesus heute sagen?
Die politische Botschaft des Evangeliums
160 Seiten

Die Weigelie in unserem Garten

Für alle, die Was würde Jesus heute sagen? nicht reizt, habe ich noch drei Buchempfehlungen vom Regalbrett „Fast schon ein Klassiker“ [die Titel sind für weitere Informationen auf die Verlagsseiten verlinkt]:

Irene Dische
Großmama packt aus
Übersetzt von Reinhard Kaiser
384 Seiten

Dörte Hansen
Altes Land
304 Seiten

Robert Seethaler
Der Trafikant
256 Seiten

       

Und noch ein Blick in unseren Garten. Im letzten Jahr wohnten zwei Frösche in unserem kleinen Gartenteich (siehe Naja, naja vom Juli 2017).
Seit ein paar Wochen sind es drei: zwei noch ziemlich kleine Teichfrösche und ein großer Frosch – ihr allein erziehender Vater?

 

Gern erinnere ich an das Frühlingspreisrätsel vom April, dazu einfach weiter nach unten scrollen. Einsendeschluss ist der 20.6.2018.

Frohe Pfingsten!


Hoffnung, lyrisch

Wäre die Welt eine bessere, womöglich friedlichere, wenn alle mehr Gedichte lesen würden? Eine Welt voller poetischer Momente, verdichtet im Augenblick? Lyrik als Kontrapunkt zu Hass-Tweets und anderen -Tiraden? Wir sollten noch Visionen haben. Gerade jetzt im Frühling!

Man sollte wieder mal spazierengehn.
Das Blau und Grün und Rot war ganz verblichen.
Der Lenz ist da! Die Welt wird frisch gestrichen!
Die Menschen lächeln, bis sie sich verstehn.

Aus: Erich Kästner (1899–1974), Besagter Lenz ist da
Das ganze Gedicht, gesprochen von Hermann Lause bei youtube.

Nun ist er endlich kommen doch
in grünem Knospenschuh;
Er kam, er kam ja immer noch,
die Bäume nicken sich’s zu.

Aus: Theodor Fontane (1819–1898), Frühling

Einst hab ich drei Weiden besungen.
Eine ist nur geblieben.
Ich habe drei Weiden besungen.
So sind auch drei Weiden geblieben.

Eva Strittmatter (1930–2011)

Hope is the thing with feathers,
That perches in the soul
And sings the tune without the words
And never stops – at all.

Aus: Emily Dickinson (1830–1886), Hope

Täglich säen wir Samen aus
Für Bäume des Himmels
Darin unsere Träume nisten
Die Vögel fliegen auf
Aus ihren Zweigen
Sieh doch, die Luft trägt!
Täglich säen wir neue Samen
Für einen ganzen Wald Hoffnung
Weil das Paradies in uns wurzelt.

Hilde Domin (1909–2006)

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Zu guter Letzt gibt es noch ein Gewinnspiel – das Frühlingsrätsel:
Welches Gedicht endet mit der Zeile »Der Regenblues wird abgestellt« und wer hat es geschrieben?
Die Antwort bitte per Mail an mg@textbeet.de
Einsendeschluss ist der 20.6.2018, der Rechtsweg ist ausgeschlossen, die Verlosung findet unter Aufsicht statt und zu gewinnen gibt es ein Exemplar von Gedichte, die glücklich machen.

 


Ohne Krimi …

Heute ist Equal Pay Day, der internationale Aktionstag für gleiche Bezahlung von Frauen und Männern. Rechnerisch auf das ganze Jahr bezogen, arbeiten die Frauen hierzulande bis zum 18. März 2018 sozusagen unentgeltlich, um für die gleiche Arbeit das Geld zu verdienen, das ihre männlichen Kollegen vom 1.1.2018 an auf ihrem Konto haben. Noch mal anders und mit wikipedia gesagt: »Damit steht der Equal Pay Day für den Tag, bis zu dem Frauen umsonst arbeiten, während Männer schon ab dem 1. Januar für ihre Arbeit bezahlt werden.«

2007 startete das Frauennetzwerk Business and Professional Women (BPW) Germany e.V. die „Initiative Rote Tasche“. Schon 1988 hatte das internationale BPW in den USA die „Red Purse Campaign“ initiiert, um auf den international bestehenden Gender Pay Gap hinzuweisen! Die roten Taschen stehen dabei für die roten Zahlen in den Geldbörsen der Frauen.

Es gibt noch eine gute Nachricht zum Thema: Die isländische Premierministerin Katrín Jakobsdóttir (Jg. 1976), seit dem 30. November 2017 im Amt, hat mit ihrer Partei Links-Grüne-Bewegung diese Geschlechter-Einkommenslücke per Gesetz abgeschafft (Quelle: perspective daily)  Damit ist Island mit seinen 348.000 Einwohner_innen das erste Land weltweit, in dem es in dieser Hinsicht gerechter zugeht.

Katrín Jakobsdóttir, visir.is

Maren Kroymann, ard.de

Eine bitter-lustige Überspitzung des Problems Chancengleichheit hat Maren Kroymann (Jg. 1949) in ihrer Satire-Sendung KROYMANN vom 8.3. (Weltfrauentag) in Szene gesetzt, nachzusehen in der ARD-Mediathek [ab min 19:51].
Zur 1. Sendung KROYMANN vom 9.3.2017.
Zur 2. Sendung KROYMANN vom 11.1.2018.

Sieben Jahre, bevor die 68er neue Rollenmodelle entwickelten [unter anderem], kam „Ohne Krimi geht die Mimi nie ins Bett“ in die Kinos, mit Starbesetzung: Karin Dor, Edith Hancke, Heinz Ehrhardt, Trude Herr, Harald Juhnke, Bill Ramsey … Zum Trailer und Titelsong [1:54 min] (Vorsicht Ohrwurm).

Edith Hancke und Bill Ramsey

Bei meinen Buchempfehlungen sind Krimis bislang eindeutig zu kurz gekommen, was daran liegen mag, dass ich kaum noch Krimis lese. Nun also endlich eine Auslese aus den letzten 20 Jahren. Ein Klick auf die Titel führt zu den ausführlichen Verlagsinformationen.

Mechtild Borrmann, Die andere Hälfte der Hoffnung
320 Seiten
  
Leif Davidsen, Der Augenblick der Wahrheit
Aus dem Dänischen von Peter Urban-Halle
432 Seiten

Håkan Nesser, Kim Novak badete nie im See von Genezareth
Aus dem Schwedischen von Christel Hildebrandt
432 Seiten. In Schweden Schullektüre!
  
Rose Tremain, Der unausweichliche Tag
Aus dem Englischen von Christel Dormagen
334 Seiten

Apropos Bill Ramsey – habe ich schon mal erwähnt, dass ich ein großer Fan von Stefan Gwildis bin, dem Soulsänger aus Hamburg-Barmbek? Zum guten Schluss dieses youtube-Fundstück: Stefan Gwildis am 11.04.2016 zu Gast bei Bill Ramsey [11:14 min].

Euch und Ihnen allen einen sonnigen Frühlingsanfang!