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Kompost für den Alltag


Revolution

»Immer nur diese Erzählung von Verzicht, von Verboten, von Veränderungen, die wehtun. Nee! Wieso reden wir nicht über all die Dinge, die wieder wachsen können, wenn wir aufhören, unseren Planeten zu zerstören?« [in DIE ZEIT]
Maja Göpel, seit dieser Woche Wissenschaftliche Direktorin des NEW INSTITUTE Hamburg – Herzlichen Glückwunsch!

Fridays for Future hatte eine Machbarkeitsstudie beauftragt beim renommierten Wuppertal-Institut. Das Einhalten der 1,5-°C-Grenzmarke sei nur dann möglich, wenn Deutschland bis etwa 2035 CO2-neutral wird […] Das Erreichen von CO2-Neutralität wäre »bis zum Jahr 2035 aus technischer und ökonomischer Sicht zwar extrem anspruchsvoll […], grundsätzlich aber möglich«, so die Studie vom Oktober 2020.

Schon 1968 sangen die Beatles von der Revolution.
»We all want to change the world.« Oder etwa nicht?
Beatles, Revolution bei youtube [mit Text]

     

In der letzten Woche habe ich Eva von Redecker (*1982) für mich entdeckt. Ihr Buch Revolution für das Leben ist im September erschienen, wurde schon viel beachtet und steht auf meinem Wunschzettel. Eva von Redecker ist Philosophin, Autorin und freie Publizistin, die zu Kritischer Theorie und feministischer Philosophie forscht.
Das Jung&Naiv-Gespräch Folge 479 Philosophin Eva von Redecker über Revolution kann ich nur empfehlen. Sie erklärt klug und lebhaft, was Kritische Theorie bedeutet, wie Hannah Arendt und Judith Butler ihr Denken beeinflusst haben und was eine „Revolution für das Leben“ bedeuten kann.

Eva von Redecker, Revolution für das Leben. Philosophie der neuen Protestformen
320 Seiten
S. Fischer Verlag, erschienen am 23.9.2020

Auch in Rutger Bregmann (*1988) steckt ein Revolutionär, würde ich sagen. Ihn habe ich eher zufällig vor einiger Zeit in einem TED-Vortrag zum Thema Sinnvolle Arbeit [bei youtube] erlebt. Eine seiner Thesen: »Poverty isn’t a lack of character; it’s a lack of cash.«

Quelle: youtube, TED-Vortrag min 12:31

Zur Zeit höre ich sein Buch Im Grunde gut. Eine neue Geschichte der Menschheit, das im März 2020 bei Rowohlt erschienen und natürlich auch auf englisch und holländisch erhältlich ist.

       

Corona nicht zu vergessen:
Prof. Dr. Christian Drosten klärte letzte Woche in Meppen in einem sehenswerten Vortrag über die Corona-Pandemie und den Stand der Dinge auf: Corona-Pandemie – eine Herausforderung für Wissenschaft und Politik [bei youtube, ab min 6:53]

»Was wir heute tun, entscheidet darüber,
wie die Welt morgen aussieht.«
Marie von Ebner-Eschenbach (1830–1916)


Neue Narrative

Vor gut einem Jahr wurde auf Island der Gletscher Okjökull mit einer Zeremonie für „tot“ erklärt. Dieser Tagesspiegel-Artikel vom 19.8.2019 erklärt sehr gut, was es mit der weltweit grassierenden Gletscherschmelze auf sich hat: Okjökull wegen der Erderwärmung geschmolzen

Quelle: Der Tagesspiegel

Quelle: Der Tagesspiegel

Andri Snær Magnason (* 1973 in Reykjavík) hat ein faszinierendes Buch geschrieben über die Geschichte der Gletscher, seine eigene Familiengeschichte, eine Reise nach Indien und die Gefahren in der Klimakrise weltweit. Magnason erfindet eine neue Sprache, neue Narrative, damit wir besser begreifen, was wir alles mit unserem andauernden Verhalten aufs Spiel setzen.
Wasser und Zeit – Eine Geschichte unserer Zukunft
Aus dem Isländischen von Tina Flecken
Insel Verlag, 18.5.2020

»Als Guðrún und Valur, die Geschwister meiner Großmutter, geboren wurden, rief man einen Pfarrer anstatt eines Arztes und sie starben. Jetzt wo die Erde in Gefahr ist, soll man da einen Ökonomen oder einen Ökologen rufen?«
Aus: Magnason, Wasser und Zeit, S. 242

Im Rahmen des internationalen literaturfestivals berlin ist Andri Snær Magnason eingeladen ins FUTURIUM zum Gespräch mit Maja Göpel, Christiane Grefe und Claudia Kemfert. Ich freu mich, am 11.9. dabei zu sein. Damit alle auch von zu Hause aus dabei sein können, wird »Gegenwart und Zukunftsperspektiven der Bioökonomie« live im Internet übertragen.
Zum Livestream am 11.9.2020 ab 18 Uhr auf youtube

Höchstwahrscheinlich würde sich Andri Snær Magnason auch ausgezeichnet mit der indischen Aktivistin Dr. Vandana Shiva (* 1952) verstehen. Ihr Buch Eine andere Welt ist möglich. Aufforderung zum zivilen Ungehorsam, entstanden aus Gesprächen mit dem französischen Journalisten Lionel Astruc, ist vor einem Jahr erschienen.

Vandana Shiva erzählt über ihr Leben, ihre Motivation, ihre Kämpfe gegen Monsanto, Nestlé und Co. und von ihrer  Vision für eine bessere Zukunft. Zur Leseprobe (PDF) auf der Seite des Oekom Verlags.

Als Einstimmung bietet sich dieses Interview mit Vandana Shiva (spricht sich übrigens mit kurzem i) auf utopia.de an.
»Wie ich mit dem Druck umgehe: Indem ich von der Natur und der ökologischen Landwirtschaft lerne. Es gibt ein inneres System: Ein Samenkorn – es ist winzig – wird eingepflanzt und zum Baum. Oder zu einer Haferpflanze oder zu Gerste. Das Korn weiß im Inneren, dass es eine Gerste ist, niemand muss ihm das sagen. Wenn wir unser Selbstbewusstsein aufrechterhalten, unsere innere Orientierung und unser Gewissen, dann kann uns keine Gewalt von einem äußeren patriarchalen System innerlich etwas anhaben.« Vandana Shiva im utopia-Interview vom Februar 2020.

Quelle: youtube

Quelle: youtube

Im Januar hat Vandana Shiva eine großartige Rede zur Eröffnung der Lessingtage 2020 im Hamburger Thalia-Theater gehalten, die ebenfalls bei youtube nachzuerleben ist [auf Englisch, 40 min].

Gern erinnere ich noch mal an den Globalen Klimastreik von Fridays For Future am Freitag, dem 25.9.2020

Fight Every Crises war das Motto der coronabedingt ersten digitalen Großdemo am 24.4.2020. Alle Krisen, die uns zur Zeit bedrohen, treffen uns je nach Alter, Wohnort, Einkommen etc. sehr unterschiedlich, global als auch hier in Deutschland. Der Paritätische Wohlfahrtsverband und der Verein Sanktionsfrei haben ein kurzes Quiz zu Hartz 4 ins Netz gestellt, bei dem ich ganz naiv und peinlicherweise nur eine Frage richtig beantwortet habe.

Gemeinsam

Vergesset nicht
Freunde
wir reisen gemeinsam

besteigen Berge
pflücken Himbeeren
lassen uns tragen
von den vier Winden

Vergesset nicht
es ist unsre
gemeinsame Welt
die ungeteilte
ach die geteilte

die uns aufblühen läßt
die uns vernichtet
diese zerrissene
ungeteilte Erde
auf der wir
gemeinsam reisen

Aus: Rose Ausländer, Gedichte, S.Fischer

Für alle, die noch nicht genug Podcasts abonniert oder einfach Lust haben, einer begeisterten Musikliebhaberin zuzuhören, hier noch ein Tipp: NDR Kultur – Stereo. In der ersten Folge vom 29.8.2020 hat Carolin Emcke den venezianischen Komponisten Baldassare Galuppi (1706–1785) vorgestellt und eines ihrer Lieblingsstücke von Miles Davis, NDR Kultur – Stereo [19 min]. Galuppis schlicht schöne Sonata in C major bei youtube in voller Länge [15 min], eingespielt 1962(!) von Arturo Benedetti Michelangeli.

Quelle: Der Tagesspiegel

Ganz ignorieren lässt sich die Pandemie auch im Textbeet nicht.
Wie das Coronavirus den Körper befällt zeigt interaktiv und gut verständlich, wie das Virus den Menschen benutzt, um sich zu vermehren. Also weiter Hände waschen, Maske auf, Abstand halten und unbelüftete Räume meiden.


Alles mit allem

• unser Wohlstand mit der Armut in anderen Ländern
• unser Braunkohle-Tageabbau mit den 38 Grad in Sibirien
• Armut mit Bildung
aber auch
• ein Lächeln an der Bushaltestelle mit besserer Laune am Mittag

Alles hängt mit allem zusammen, wusste der Naturforscher Alexander von Humboldt schon vor über 200 Jahren.

Bei uns im Sommer-Garten 1

Bei uns im Sommer-Garten 2

Wir könnten Menschen sein.
Einst waren wir schon Kinder.
Wir sahen Schmetterlinge.
Wir standen unterm silbernen Wasserfall.
Wir sahen alles.
Wir hielten die Muschel ans Ohr.
Wir hörten das Meer.
Wir hatten Zeit.
Max Frisch (1911–1991)

Aus: Max Frisch, Gesammelte Werke, Suhrkamp-Verlag

Womit wir schon wieder bei Fridays for Future wären.
»Fridays for Future: Das sind alle, die für unser Klima auf die Straße gehen.«
Am Freitag, dem 25. September 2020 findet der nächste Globale Klimastreik statt.
Es ist noch Zeit genug, sich für diesen Tag Urlaub zu nehmen. Gestreikt wird auf der ganzen Welt: in Accra (Ghana), Berlin, Caracas (Venezuela), Dhaka (Indien), Freetown (Sierra Leone), Guatemala-Stadt und so weiter.
Quellen: Karte von FFF International
Liste der Hauptstädte der Erde (Wikipedia)

 

Unter dem Hashtag #FACETHECLIMATEEMERGENCY 
haben sich am 16. Juli 2020 tausende Aktivist*innen, unter ihnen Greta Thunberg und Malala Yousafzai in einem offenen Brief an die EU und Staatsoberhäupter weltweit gewandt.

»Wir fordern, dass die Klimakrise wie eine tatsächliche Krise behandelt wird … Die zum Schutz der Menschheit erforderlichen Änderungen mögen sehr unrealistisch erscheinen. Es ist jedoch viel unrealistischer zu glauben, dass unsere Gesellschaft die globale Erwärmung, auf die wir zusteuern, sowie andere katastrophale ökologische Folgen des heutigen Systems überleben kann.«
Der Brief kann von jedem und jeder unterschrieben werden, auf https://climateemergencyeu.org, wir sind da in guter Gesellschaft.

Dr. Friederike Otto (* 1982) ist Klimaforscherin, Physikerin, promovierte Philosophin und leitet seit 2018 das Environmental Change Institute an der Universität Oxford. Ihr Buch Wütendes Wetter (vom April 2019) ist Anfang dieser Woche als Taschenbuch erschienen.

Friederike Otto, Benjamin von Brackel
Wütendes Wetter. Auf der Suche nach den Schuldigen für Hitzewellen, Hochwasser und Stürme

Friederike Otto gehört auch zu den Erstunterzeichner*innen der inzwischen mehr als 27.000 Scientists for Future, auf deren Expertise die Jugendlichen von FFF immer wieder verweisen. Auf der Q Berlin 2019 (Berlin’s Social Conference) hielt Otto einen kurzen eindringlichen Vortrag zu den Klimaveränderungen (auf Englisch). Link zum youtube-Video [14 min]

  

Bei ihrem Gespräch mit Tilo Jung – Jung & Naiv: Folge 437  – sagte sie im Herbst 2019: »Das Wetter verändert sich schneller, als wir uns daran anpassen können.« Wir sollten uns also von diesem hierzulande relativ normalen Sommer nicht in Sicherheit wiegen lassen.

Wer findet unsere sechs Frösche?

Familienaufstellung

Und wenn gelegentlich irgendwie alles zu viel wird, zu viele Zusammenhänge, zu viele Dilemmata, zu viele Frösche, dann lege ich Euch diese besondere Version von Simon & Garfunkels Bridge over Troubled Water ans Herz [Gershwin Award, 23.5.2007, youtube 5:17 min], bei der Paul Simon die zweite Strophe singt.
STILL_Garfunkel_SImon_Bridge

Mein Ohrwurm der Woche, nachdem ich die spannende Doku Simon & Garfunkel – Traumwandler des Pop auf Arte gesehen habe. In der Arte-Mediathek noch bis zum 21.10.2020 verfügbar. Denn:

When tears are in your eyes
I will dry them all
I’m on your side
Oh when times get rough

Like a bridge over troubled water
I will lay me down

Da ich weiß, dass sich einige Menschen hier im Textbeet nach Urlaubslektüren umschauen, hier noch drei meiner Lieblingsbücher, die ich noch nicht mehrfach empfohlen habe. Weitere Informationen auf den Verlagsseiten nach Klick auf die Titel.

        

Last but not least – das 2020er Sommer-Rätsel!!
Was ist das wohl für ein grüner Käfer, der vor einigen Wochen bei uns auftauchte?


Lösungsvorschläge bitte bis zum 21.9.2020 an mg@textbeet.de
Unter den Einsendungen verlosen wir:


Chimamanda Ngozi Adichie
Mehr Feminismus! Ein Manifest und vier Stories
Aus dem Englischen übersetzt von Anette Grube

Viel Glück!


Lauter Kluge

Maja Göpel, Unsere Welt neu denken. Eine Einladung
Ullstein, Februar 2020

Die Transformationsforscherin Dr. Maja Göpel (*1976) berät als Generalsekretärin des WBGU auch unsere Bundesregierung und sie schreibt, wie sie spricht – klug und verständlich. »Unsere Welt neu denken« habe ich fast durchgelesen und werde mich demnächst mit ihren Linkempfehlungen beschäftigen.
Im Gespräch mit Tilo Jung bei Jung & Live vom 16.4.2020 (bei youtube, 90 min) empfiehlt Maja Göpel, Mariana Mazzucato zu lesen.

Mariana Mazzucato, Wie kommt der Wert in die Welt? Von Schöpfern und Abschöpfern
Campus, März 2019
Mariana Mazzucato (*1968) ist Professorin für Innovationsökonomie und Public Value am University College London und berät Politiker*innen in aller Welt zu Fragen eines smarten und nachhaltigen Wachstums.

Auf einem Panel des Schweizer Fernsehens am 23.1.2019 in Davos sitzt außer Mariana Mazzukato auch die neuseeländische Premierministerin Jacinda Ardern.
Jacinda Ardern (*1980) hat als Premierministerin (seit 2017) einen Haushalt für »Wellbeing« geschaffen. Zitat: »Als Minister wollen Sie Geld ausgeben. Mir muss man beweisen, dass man das Wohlbefinden aller Menschen bedenkt und das der Gesellschaft und nicht nur das ökonomische.«

Experte für Gemeinwohl-Ökonomie ist Christian Felber, hier zu erleben bei Jung und Naiv vom 13. Februar 2020


Christian Felber, Gemeinwohl-Ökonomie
Piper, März 2018

Christian Felber (*1972) hat Attac Österreich mitbegründet und initiierte 2010 die internationale Gemeinwohl-Ökonomie-Bewegung. In der Gemeinwohlregion Kreis Höxter werden viele der guten Ansätze bereits praktiziert. Hier geht’s zu einem Beitrag des WDR vom 18.12.2019.

*************

»Jage die Ängste fort
und die Angst vor den Ängsten«

Mit diesen Zeilen endet »Das Rezept« von Mascha Kaléko (1907–1975). Das Hamburger Thalia-Theater hat eine Poesie-Ambulanz eröffnet. Hier liest die Schauspielerin Rosa Thormeyer (*1992) Kalékos Gedicht. So schön.

Dota Kehr (*1979) wiederum hat in den letzten Jahren Gedichte von Mascha Kaléko vertont. Die Aufnahmen sind soeben erschienen und können hier erworben werden.
Dota Kehr & Felix Meyer mit »Zum Trost«, sei nicht nur zum Hören am späten Abend empfohlen.
 

Beim Klimastreik am 29.11.2019 sind DOTA in Berlin aufgetreten mit KEINE ZEIT – »Hier ist ein Lied, das wir für die Fridays for Future Demo geschrieben haben.«
Wenn ich an die FFF-Aktivist*innen denke, fällt mir die Kampagne »Wahlrecht ab Geburt« ein. Schirmherrin ist Bundesfamilienministerin a. D. Renate Schmidt.

Wer ab Geburt nun wirklich übertrieben findet, möge den Appell der Grünen unterzeichnen: »Wahlrecht ab 16 – es ist höchste Zeit!«. Denn:

Ein neuer Anfang ist möglich.
Es ist an uns, die vor uns liegende Zukunft zu gestalten.
Wer sich anstecken lässt vom Leitstern der Sehnsucht,
wer den ersten Schritt in die Zukunft wagt,
dem sei gesagt:
„Fürchte Dich nicht, es blüht hinter Dir her.“
Hilde Domin

      

Schließlich noch ein Mai-Foto, denn nach etwa vier Jahren als Engerling besuchte uns dieser Feldmaikäfer vor einer Woche auf der Terrasse:


Was man heute denkt

»Von dem, was man heute denkt,
hängt das ab, was morgen
auf den Straßen und Plätzen gelebt wird.«
José Ortega y Gasset (1883–1955)

aus: 2. Timotheus 1,7 | Banner der Nordkirche

Zu Helmut Schmidts »Wer eine Vision hat, der soll zum Arzt gehen«
fällt mir ein anderes Zitat ein:

»Das wahre Zeichen von Intelligenz ist nicht das Wissen,
sondern die Vorstellungskraft.«
Albert Einstein (1879–1955)

Dazu passt der Vorschlag von Prof.in Dr. Anke Langner vom Institut für Erziehungswissenschaft der TU Dresden im Jung-und-Live-Gespräch vor zwei Wochen mit Tilo Jung (35) und Hans Jessen (71), in den Schulen mehr auf die Förderung von Kreativität zu setzen als auf reine Wissensvermittlung. Denn das haben wir Menschen den Computern, den künstlichen Intelligenzen weiterhin voraus: originär kreativ zu sein.

So kreativ zum Beispiel wie die Fridays-for-Future-Aktivist*innen mit ihrem Netzstreik am 24. April 2020

 

Zum Livestream vom Netzstreik #fightEveryCrisis am 24.4.2020 [bei youtube]
Ab 2:46:00 singt die Singer-Songwriterin Mogli »Earth«, während eine Kamera-Drohne die Wiese vorm Berliner Reichstag abfilmt.

In sein Berliner Wohnzimmer lädt der Violinist Daniel Hope befreundete Musiker*innen ein, zum gemeinsamen Musizieren mit Abstand, unter dem Label Hope@Home by ARTE.

Quelle: ZDF-Mediathek
Die gut halbstündigen Konzerte sind in der ZDF-Mediathek für jeweils drei Monate nachzuerleben. Ich bin eingestiegen bei Hope@Home – Episode 29.
Mit Daniel Hope, Christoph Israel, Aliya Vodovozova und Michael Metzler

Apropos Hoffnung erinnere ich gleich mal an meinen Textbeet-Eintrag vom 16.4.2018
Hoffnung, lyrisch

Und voilà, ein neues Motiv aus der Reihe  Stillleben:

Die Figuren kommen aus der ganzen Welt – von Grünhainichen über Tansania über Murano bis Schwäbisch Gmünd.

     

»Wer sich mit der kreativen Kraft von Lebensübergängen verbinden möchte, muss seinen Verstand und seine Urteile entstandardisieren. Er muss die Fähigkeit entwickeln, sich mit sich selbst und mit dem Leben nicht mehr auszukennen und, sich aufmerksam vorantastend, den nächsten Schritt zu tun. Um das nicht nur ertragen, sondern auch bejahen zu können, brauchen wir etwas Wissen, viel Offenheit und eine große Gelassenheit.«
Aus: Natalie Knapp, Der unendliche Augenblick. Warum Zeiten der Unsicherheit so wertvoll sind [Seite 66]

In ihrem Vortrag »Kompass neues Denken« (vom 5.10.2018) erklärt die Philosophin Dr. Natalie Knapp sehr anschaulich anhand der Abseitsregel den Unterschied zwischen kompliziert und komplex [bei youtube ab min 12:02]

Grade in derartig komplexen Zeiten wie diesen kann es nicht schaden, ein REZEPT für schnell gemachte Kekse zur Hand zu haben.

Orangen-Butter-Kekse

150 g weiche Butter
50 g (Rohrohr-)Zucker
1 Ei
je 100 Vollkorn- und „normales“ Mehl
75 g Speisestärke
1 Pk Vanillezucker
die abgeriebene Schale von 1 Zitrone und 1 Orange
Zitronenpuderzuckerguss

Den gut durchgekneteten Teig auf einem Backblech gleichmäßig ausrollen.
Bei 160 Grad (Umluft) 10 Min. backen, dann Rauten rädeln oder schneiden.
Weitere 10 Min. backen, die noch heißen Kekse dünn mit dem Guss bestreichen und abkühlen lassen.


Possibilist*innen

»… Deshalb rufe ich heute zu einem sofortigen globalen Waffenstillstand in allen Teilen der Welt auf. Es ist an der Zeit, bewaffnete Konflikte zu beenden und sich gemeinsam auf den wahren Kampf unseres Lebens zu konzentrieren.« – UN-Generalsekretär António Guterres, 30.3.2020

[Zum Unterzeichnen über Aavaz.org einfach auf das pinke Feld klicken.]

Jakob von Uexküll, Stifter des Right Livelihood Award, des Alternativen Nobelpreises, bezeichnet sich selbst als Possibilisten. »Der Possibilist sieht die Möglichkeiten und es hängt von jedem von uns ab, ob sie verwirklicht werden.«

Gelesen habe ich das in Vom Ende der Klimakrise von den Possibilist*innen Luisa Neubauer und Alexander Repenning, das ich schon mal erwähnt habe.

Bei der Utopiensammlerin Susanne Gold findet sich folgende Definition: »Possibilisten sind aktiv, gelassen und zuversichtlich. Naiver Optimismus ist nicht ihr Ding – ebenso nicht, überall das Verderben zu sehen.«

Einen interessanten Ansatz zum Thema Zukunft hat die Kapelle Petra:
An irgendeinem Tag wird die Welt untergehen [bei youtube, 03:32 min]

 

»Irgendwann gehen irgendwie die Lichter aus.
Und bis dahin machen wir das Beste draus«

Der Trendforscher Matthias Horx hat bereits eine Website online zur Zukunft nach Corona – »Eines ist schon sicher: Die Welt wird nie mehr ›so wie früher‹. Die globale Welt wird neu gestaltet, und dabei wandeln wir uns selbst.« Empfehlen kann ich seinen Artikel Im Rausch des Positiven.

Auch positiv – die neue Rubrik im Textbeet: STILL des Monats

Abstand halten. Dinos mit Nachwuchs auf dem Wochenmarkt

Ein neues Format mit noch mehr Abstand gibt es von Tilo Jung und Hans Jessen: Jung & Live
Die beiden haben sich letzte Woche mit Olaf Scholz unterhalten, der stolz ist auf seinen Haushalt.
Jung & Live #7 mit Olaf Scholz

Wer lieber in das Gespräch mit dem Grünen-Vorsitzenden reinsehen möchte, klicke auf Jung & Live #9 mit Robert Habeck.
An regierende Minister richtet sich die change.org-Petition »Mit dem bedingungslosen Grundeinkommen durch die Coronakrise«.

Zitat: »Was dem Land aber auch helfen würde, ist die Einführung eines bedingungslosen Grundeinkommens von 800–1200 € pro Person für 6 Monate. Schnell, unbürokratisch, zeitlich begrenzt. DAS würde den sozialen Absturz Tausender verhindern und gleichzeitig die Kaufkraft im Land erhalten. Denn das ist das Zweite, was wir brauchen: Menschen, die weiterhin Geld ausgeben!«


Die Gesellschaft für Biologische Krebsabwehr e. V. rät in ihrem aktuellen Newsletter dazu, »Achtsam selbstwirksam mit der aktuellen Situation umzugehen«.

Zum Schluss möchte ich noch eine gesunde (und glutenfreie) Knabberei anpreisen:
Knäckebrot Herforder Art

 

100 g Speisestärke verrühren mit
4 EL Sesam, je 2 EL Leinsaat, Sonnenblumen- und Kürbiskernen
1 TL Salz, 1/2 TL Paprikapulver oder Curry oder …
3 EL Rapsöl und 150 ml kochendem Wasser
10 min quellen lassen
Den Teig auf zwei mit Backpapier ausgelegte Bleche verteilen (je ca. 200 g), beim Ausrollen hilft ein darübergelegtes Backpapier (s.Foto).
Bei 150 Grad (Umluft) etwa 45 min backen lassen, nach dem Abkühlen in Stücke brechen.
Würde sich in einer Blechdose lange aufbewahren lassen.


Ist das wichtig? 

Oder kann das weg? »Minimalismus« beschäftigt uns auch bei Schenefeld im Wandel. Eine Quintessenz: Nur wirklich Wichtiges behalten. Dass „der Besitz besitzt“, wusste schon Friedrich Nietzsche (1844–1900). Und nur bis zu einem gewissen Grade mache der Besitz den Menschen unabhängiger, freier …, so der Philosoph.
Die Aufräum-Queen Marie Kondō empfiehlt seit 2011 das radikale Reduzieren anhand der Frage: »Macht mich dieser Gegenstand glücklich?«
Ich hätte da zwei Beispiele:

Lieber noch 20 Jahre aufbewahren?

 

Wen könnte diese Schale aus der Toskana noch glücklicher machen?

In Zeiten des Information Overkill können wir uns auch fragen: Muss ich das unbedingt wissen?  Ignoriere ich es nicht besser? Womit verbringe ich meine Zeit?
Für mich sind Nachrichten der Süddeutschen Zeitung in den Newslettern SZ Espresso am Morgen und am Abend eine ideale Ergänzung zur Quer-Lektüre des Schenefelder Tageblatts. Für die Nachrichten speziell aus Hamburg empfehle ich die Elbvertiefung der ZEIT.
Im letzten »Klimafreitag« der SZ habe ich diese Anatomie einer Katastrophe angeklickt und es nicht bereut.

Die SZ nennt die Animation selbstbewusst: Die perfekte Übersicht. Was die Klimakatastrophe konkret bedeutet. [5 bis 10 Minuten Lesezeit]

Flaschenpost. Quelle: futurzwei.org

Gelesen habe ich auch die jüngste Flaschenpost der Stiftung Zukunftsfähigkeit FUTURZWEI – daraus der Aufruf, dem ich mich hiermit anschließe: Unterzeichnet die Online-Petition »Wir brauchen mehr Klimaschutz im Fernsehen! #Klimavor8 statt Börse vor Acht!«

Die beiden Frauen, die diese Petition auf change.org gestartet haben, schreiben: »… nur 6 % der Deutschen investieren direkt am Aktienmarkt. … uns interessiert wie viele andere nicht primär der aktuelle Börsenkurs, sondern vielmehr der Erhalt und die Sicherung unserer Zukunft.«

Sam Cooke (1931–1964) hat schon vor über 50 Jahren den Wandel kommen sehen.
It’s been a long, a long time coming
But I know a change gonna come, oh yes it will
Zu seinem Song »A Change Is Gonna Come« gibt es ein gut gemachtes Official Lyric Video bei youtube.
Empfehlen möchte ich noch Blackbird von Matthias Brandt, erzählt aus der Sicht des 15-jährigen Morten, irgendwann in den 70ern. »Jung zu sein, bleibt immer gleich – so schmerzhaft, so unverständlich und so schön, weil alles zum ersten Mal passiert. ›Blackbird‹ ist ein wundervoller Roman.« Eva Menasse
   
Die ungekürzte Lesung von Matthias Brandt (ganz toll!) ist bei tacheles! Roofmusic erschienen.
Übrigens nutze ich als Suchmaschine neuerdings ECOSIA, von deren Gewinnen Bäume gepflanzt werden. Schon über 80.000.000 – nicht schlecht, oder?
Noch wichtig: die nächste FFF-Großdemo am Freitag, dem 21.2.2020, ab 14.00 Uhr in Hamburg, zwei Tage vor der Bürgerschaftswahl.
Wer sich schon mal einsingen möchte in die Demosongs, findet alle Texte etc. hier bei den Artists For Future. Also, nix wie raus auf die Straße am 21. Februar!

Cooles Mobi-Material – die neuen Bierdeckel


Binsenweisheiten

Diverse Binsen Quelle: Wikipedia

Der Begriff spielt laut Wikipedia auf die weite Verbreitung der Binsen (Gräser) an sowie auf ihre einfache, knotenlose Form. So gab es bereits im Lateinischen die Wendung: nodum in scirpo quaerere („Stengelknoten auch an der Binse suchen“), wenn jemand an einer simplen Feststellung herumdeuteln wollte. Ein Beispiel: Schlimmer als Binsenweisheiten sind Fake News.

Der Guardian hat vor einiger Zeit sein Wording geändert und nennt es nicht mehr Klimawandel, sondern Klimakrise oder Klimanotstand. Das interessante Interview „Wie Sprache unser Denken über die Zukunft verändert“  findet sich bei bento.

Quelle: youtube

Bei einer Brückenbesetzung in London im November 2018, über die der Guardian ausführlich berichtet hat, singen Aktivist*innen: »Never doubt, that a small group of people can change the world indeed. it is the only thing that ever has. Never doubt, that …« [The Guardian, Life inside Extinction Rebellion: ‚We can’t get arrested quick enough‘, bei youtube ab min 9:02, veröffentlicht am 22.11.2018 ] – sehr bewegend, finde ich.


Damit zitieren sie die US-amerikanische Ethnologin Margaret Mead (1901-1978):

»Never doubt that a small group of thoughtful, committed citizens can change the world; indeed, it’s the only thing that ever has.«
gefunden bei brainyquote

 

»In der Gedankenwelt von Extinction Rebellion nehmen drei Zahlen einen entscheidenden Platz ein: 2025, 0 und 3,5 Prozent. 2025 sollen die C02-Emissionen auf null reduziert sein, und die Aktivisten glauben, dass sie die Regierungen nur dazu kriegen, wenn sie ungefähr 3,5 Prozent der Bevölkerung für sich gewinnen.« Rico Grimm, Krautreporter 1.5.2019

Am Freitag, dem 20.9.2019 findet der dritte globale Klimastreik statt – weltweit werden Menschen auf die Straße gehen und für die Einhaltung des Parisabkommens und gegen die anhaltende Klimazerstörung laut werden. Hier der Aufruf von Fridays for Future. Und hier meiner: Kommt um 12 Uhr am 20.9. in Hamburg zum Jungfernstieg, in Berlin zum Brandenburger Tor, in Frankfurt zur Alten Oper, um 10 Uhr in Münster zum Prinzipalmarkt … [alle Orte hier] und bringt noch jemanden mit.

Samuel Harfst [keine Ahnung, wie ich auf den gekommen bin …] rät in seinem Song Alles Gute zum Alltag:
»… träume hellwach, träume groß,
lass die Hoffnung niemals los.«

Auch bildende Künstler*innen setzen sich mit dem Klimanotstand auseinander. Im Berliner Gropiusbau gibt es dazu bis zum 1. Dezember 2019 die alles in allem beeindruckende Ausstellung »Garten der irdischen Freuden«, die ich letzte Woche gesehen habe.

Rashid Johnson, „Antoine’s Organ“ (Detail), 2016. Foto: Martin Parsekian Rashid Johnson, Courtesy: der Künstler und Hauser & Wirth

Und wer es sich immer noch gönnt, Bücher zu lesen, könnte hier in der Longlist zum Deutschen Buchpreis stöbern. Übrigens sind es in diesem Jahr 11 nominierte Autorinnen und 9 Autoren. Die Shortlist wird am 17.9.2019 bekannt gegeben, der Buchpreis am 14.10. zum Auftakt der diesjährigen Frankfurter Buchmesse verliehen.

Quelle: deutscher-buchpreis.de


O Himmel ist das recht?

Haben wir noch Zeit genug, die Bücher zu lesen, die uns aus der Klimakrise führen könnten?

Die kanadische Journalistin Naomi Klein hat bereits einiges zur Globalisierung veröffentlicht. Der Klimawandel schien ihr nicht relevant zu sein, sagt sie, bis sie den engen Zusammenhang zwischen Umweltzerstörung und Ungleichheit erkannte.

This Changes Everything – Naomi Klein | Guardian Docs (09:43 min),
am 6.3.2015 bei youtube veröffentlicht. Erschreckend mal wieder – eine Dokumentation von 2015, die Fakten weitgehend ignoriert, das Video könnte auch von 2019 sein.

   

Naomi Kleins neues Buch On Fire: The (Burning) Case for a Green New Deal ist bei Barnes & Noble angekündigt für den 27.09.2019, die deutsche Ausgabe Green New Deal: Wir können unseren Planeten retten! soll Anfang November bei Hoffmann und Campe erscheinen, in der Übersetzung von Gabriele Gockel und Barbara Steckhan.


Naomi Klein © Kourosh Keshir
Quelle: hoffmann-und-campe.de

Zum Vormerken: die Bewegung Extinction Rebellion ruft für den 27. September 2019 gemeinsam mit Fridays for Future, United4Earth, IWW Environmental Unionist Caucus, Youth Strike 4 Climate und Demand Utopia zum Earth Strike auf, zum bislang größten weltweiten Klimaprotest.

»O wunderbares Glück! Denk doch einmal zurück: Was hilft mir mein Studieren, viel Schulen absolvieren? Bin doch ein Sklav, ein Knecht. O Himmel ist das recht?«
Christian Friedrich Daniel Schubart (1739–1791)

Wikipedia zum Begriff Ziviler Ungehorsam:
»Durch einen symbolischen, aus Gewissensgründen vollzogenen, und damit bewussten Verstoß gegen rechtliche Normen zielt der handelnde Staatsbürger mit einem Akt zivilen Ungehorsams auf die Beseitigung einer Unrechtssituation … Durch den symbolischen Verstoß soll zur Beseitigung des Unrechts Einfluss auf die öffentliche Meinungsbildung genommen werden.«

Die Bücher der bemerkenswert unangepassten Autorin Anke Stelling erscheinen seit 2016 passend im Verbrecher-Verlag. Ihr jüngster Roman Schäfchen im Trockenen wurde mit dem Preis der Leipziger Buchmesse 2019 ausgezeichnet. Die Jury begründete: »Schäfchen im Trockenen ist ein scharfkantiger, harscher Roman, der wehtun will und wehtun muss, der protestiert gegen den beständigen Versuch des besänftigt Werdens, der etwas aufreißt in unserem sicher geglaubten Selbstverständnis und dadurch den Kopf frei macht zum hoffentlich klareren Denken.«

         

Schäfchen im Trockenen (2018)
272 Seiten
Fürsorge (2017)
176 Seiten
Bodentiefe Fenster (2016)
256 Seiten

Nun noch ein Hörbuch-Tipp. Im Spiegel hat Franziska Wolffheim den neuen Roman von Alina Bronsky niedergemacht: »Im typischen ›Bronsky-Beat‹ porträtiert Alina Bronsky … eine Helikopter-Großmutter, die ein Wohnheim zu kontrollieren sucht. Könnte sehr lustig sein – wären die Figuren nicht solche Pappnasen.« Fand ich überhaupt nicht. Vielleicht hätte die Rezensentin sich den Roman lieber von Sophie Rois vorlesen lassen sollen? Fand ich großartig!

Alina Bronsky, Der Zopf der Großmutter. Meine Großmutter, mein Großvater, seine Geliebte und ich
Erschienen bei Roofmusic

In leicht melancholischer Stimmung höre ich grad besonders gern das Brad Mehldau Trio, genau gesagt ihr Cover von Time Has Told Me (bei youtube, 08:40 min)
veröffentlicht auf Where Do You Start (2012)

   
Auch schön, und mit Text, das Original von Nick Drake Time Has Told Me (bei youtube, 04:27 min)
auf Five Leaves Left (1969)

Und noch was für Leib und Seele, meine jüngste Kreation:


Aprikosen-Pfingst-Kuchen

· 250 g Butter
· 250 g Mehl
· 250 g Vollkorn-Mehl
· 200 g Rohrzucker
· 2 Eier
· 1 Pk Bourbon-Vanillezucker
zu einem glatten Teig kneten und die Formen damit auskleiden.

· etwa 1.250 g gewaschene Aprikosen
in Spalten schneiden und auf den Teig legen.

· 6 Eiweiß, leicht aufgeschlagen,
· 250 g Zucker
· 400 g gemahlene Mandeln
· 1 Pk Bourbon-Vanillezucker
zum Guss verrühren, auf dem Obst verteilen.

Bei 175 Grad etwa 45 min backen.
Menge für ein Blech und eine kleine Form.

DIES IST ÜBRIGENS TATSÄCHLICH SCHON BEITRAG NR. 50 …

 


Tut es jetzt!

Als Beginn der internationalen Umweltpolitik gilt die erste Konferenz der Vereinten Nationen über die Umwelt des Menschen  oder auch Weltumweltkonferenz, kurz UNCHE (United Nations Conference on the Human Environment), die vom 5. bis 16. Juni 1972 in Stockholm stattfand. 1972 – vor 47 Jahren!

Severn Suzuki, 1992 in Rio

Zwanzig Jahre später hat 12-jährige Severn Suzuki auf der UN-Klimakonferenz in Rio de Janeiro eine eindringliche Rede gehalten über die Grenzen des Wachstums und der Ressourcenausbeutung des Planeten Erde, im Namen der ECO (Environmental Children’s Organization). Severn Suzuki wurde bekannt als „das Mädchen, das die Welt für 5 Minuten zum Schweigen brachte“ und engagiert sich heute noch als Umweltaktivistin. Severn Suzukis Rede mit deutschem Untertitel nachzusehen bei youtube.


Hinweisen möchte ich auf den Kulturzeit-Beitrag vom 15.3.2019 Mädchen als Mahner, in dem außer Severn Cullis-Suzuki [min 02:44 bis 04:08] und Greta Thunberg auch die US-Amerikanerin Emma González vorgestellt wird, die sich für schärfere Waffengesetze einsetzt.

Im September 2012, also 20 Jahre nach Rio, demonstrierten mehr als 80.000 Menschen in Belgien. Kinder und Erwachsene forderten, jetzt fürs Klima zu handeln, und sangen auf die Melodie des Protestliedes »Bella Ciao«:

We need to wake up
We need to wise up
We need to open our eyes
And do it now now now
We need to build a better future
And we need to start right now

Das Video dazu bei youtube
Text und Noten zu »Do it now« zum Download hier
Quelle: http://climateknoxville.org

Wer mehr über die FAKTEN zum Klimawandel erfahren möchte, denen empfehle ich das Buch
Kleine Gase – Große Wirkung. Der Klimawandel

Die beiden Studenten David Nelles und Christian Serrer erklären wissenschaftliche Erkenntnisse zum Klimawandel so, dass auch Laien (wie ich) sie nachvollziehen können. Auf der Website klimawandel-buch.de gibt es eine 36-seitige Leseprobe.
Und für 5 Euro ist Kleine Gase … über jede Buchhandlung zu bestellen.

Ehrlich gesagt deprimiert es mich, dass wir trotz dieser teils seit Jahrzehnten bekannten Fakten alle Warnungen ignoriert haben, dass wir unseren Planeten weiter ausbeuten, dass alle Proteste bislang nicht durchschlagend etwas bewirkt haben.

Am Strand von Barcelona (2010) Foto: Simon James / wikimedia

Also, lasst uns die positiven Geschichten erzählen, um nicht fatalistisch oder zynisch zu werden.
Zum Beispiel die von den Demonstrationen am 15. März 2019 auf der ganzen Welt.
Mehr unter fridaysforfuture.org oder fridayforfuture.de

       

Nun noch meine vier Hörbuch-Empfehlungen des Monats:
[Ein Klick auf die Titel führt zu weiteren Informationen auf den Verlagsseiten.]

Mechtild Borrmann, Grenzgänger
Gelesen von Vera Teltz

Maja Lunde, Die Geschichte der Bienen
Gelesen von Bibiana Beglau, Thomas M. Meinhardt und Markus Fennert
 

Alex Capus, Königskinder
Gelesen von Ulrich Noethen

Alex Capus, Das Leben ist gut
Gelesen vom Autor

 

Und schlussendlich noch ein Gedicht. Denn morgen steht er im Kalender – der Frühlingsanfang.

Herz, mein Herz, sei nicht beklommen,
Und ertrage dein Geschick,
Neuer Frühling gibt zurück,
Was der Winter dir genommen.

Und wie viel ist dir geblieben!
Und wie schön ist noch die Welt!
Und, mein Herz, was dir gefällt,
Alles, alles darfst du lieben!

Heinrich Heine (1797–1856), aus dem Buch der Lieder