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Kompost für den Alltag


Fatal

wäre es, wenn wir uns zufrieden gäben mit »Die Technik wird’s schon richten«-Hoffnungen, die völlig absurd sind angesichts des raschen Fortschreitens der Klimakatastrophe. Oder wenn wir nur noch zynisch wären, wenn wir aufgäben. Jeder dritte in Deutschland verkaufte Neuwagen ist laut Handelsblatt ein SUV. Zum K…

Der Duden übersetzt fatal mit: sehr unangenehm und peinlich; Unannehmlichkeiten, Ärger verursachend, in Verlegenheit bringend; misslich.

»… der Fatalismus ist das Gegenteil der Freiheit.«
Jean-Paul Sartre

Mein Sohn (22) hatte mir diesen Beitrag empfohlen über den Essay Losing Earth von Nathaniel Rich.

Losing Earth: Wie wir die Erde fast vor dem Klimawandel gerettet hätten | Capriccio | BR
[5:17 min in der BR-Mediathek bis 29.4.2020 oder bei youtube 5:22 min]

      
Mehr Infos zum Buch nach Klick aufs Cover

»Nathaniel Rich schildert in dem Essay Losing Earth, wie Ende der 70er Wissenschaftler und Politiker erstmals erkennen, dass sich die Erderwärmung desaströs beschleunigt. Fast kommt es danach zu einem weltweiten Klimaabkommen. Fast.«
Quelle: Capriccio

Wer Capriccio vom Bayerischen Rundfunk noch nicht kennen sollte, hier geht’s zu vielen großartigen Beiträgen in der Mediathek.

Fatal erinnert mich Losing Earth an Karen Duves vor 5 Jahren erschienenes Warum die Sache schiefgeht  – Wie Egoisten, Hohlköpfe und Psychopathen uns um die Zukunft bringen.

 

Als Hardcover 2014 bei Galiani Berlin erschienen und noch lieferbar, als Hörbuch 2014 bei Roofmusic, als TB bei Goldmann.

Augusta Luise

Was hilft? Rosen züchten? Beim nächsten Global-Strike-Day mitmachen? Weltweit möglich am Fr, 29. und Sa, 30. November 2019.

mein Schild vom 20.9.

Sehr beeindruckt bin ich von der Courage der Whistleblowerin Katherine Gun, die ich vorgestern beim Filmfest Hamburg  persönlich erlebt habe. Official Secrets kommt – mit Keira Knightley in der Hauptrolle super besetzt – am 21. November 2019 in unsere Kinos. Kurzfassung des Thrillers: Katherine Gun hatte 2003 brisante Geheimdienstinformationen weitergegeben, um den Irak-Krieg zu verhindern.

Quelle: deinkinoticket.de/official-secrets/infos/

Sehr gespannt bin ich auf die Aktionen von Extinction Rebellion, die morgen in Berlin starten.


Zitat von der XR-Homepage: »Es funktioniert: Frühling 2019, London. Über sechstausend Menschen blockieren eine Woche lang die Brücken der Stadt. Wenige Tage später erklärt das britische Parlament den Klimanotstand. Gemeinsam können wir auch in Deutschland die Politik dazu bewegen, endlich effektiv zu handeln.«

Das nenne ich Optimismus angesichts des desaströsen Klimapaketes unserer Regierung.
Ein Überblick zum Klimaschutzprogramm 2030 auf der Website der Bundesregierung …

Wer sich schon vor 2030 sein Wunder lieber selber backen möchte, hier das Rezept vom Wunderbrot.
Es gibt fertige Backmischungen, aber es gibt auch ein Rezept auf der Nachhaltigkeitsplattform Smarticular , das ich leicht abgewandelt zum Nachbacken auf einem Backblech nur empfehlen kann: Wunderbrot [PDF zum Download].

Und jetzt noch ein Blick in unsere LiteraturBrunch-Werkstatt.
Das sind drei von den 2019 erschienenen deutschsprachigen Romanen, die mir besonders gut gefallen haben:

         

Tabea Hertzog, Wenn man den Himmel umdreht, ist er ein Meer
Berlin Verlag 2019, 224 Seiten
Sarah Kuttner, Kurt
S. Fischer 2019, 240 Seiten
Angela Lehner, Vater unser
Hanser Berlin 2019, 284 Seiten
Der Termin für unsere alljährliche legendäre BücherFrauen-Veranstaltung steht schon: Sonntag, 9.2.2020, von 10 bis 14 Uhr. Weitere Informationen folgen.


Binsenweisheiten

Diverse Binsen Quelle: Wikipedia

Der Begriff spielt laut Wikipedia auf die weite Verbreitung der Binsen (Gräser) an sowie auf ihre einfache, knotenlose Form. So gab es bereits im Lateinischen die Wendung: nodum in scirpo quaerere („Stengelknoten auch an der Binse suchen“), wenn jemand an einer simplen Feststellung herumdeuteln wollte. Ein Beispiel: Schlimmer als Binsenweisheiten sind Fake News.

Der Guardian hat vor einiger Zeit sein Wording geändert und nennt es nicht mehr Klimawandel, sondern Klimakrise oder Klimanotstand. Das interessante Interview „Wie Sprache unser Denken über die Zukunft verändert“  findet sich bei bento.

Quelle: youtube

Bei einer Brückenbesetzung in London im November 2018, über die der Guardian ausführlich berichtet hat, singen Aktivist*innen: »Never doubt, that a small group of people can change the world indeed. it is the only thing that ever has. Never doubt, that …« [The Guardian, Life inside Extinction Rebellion: ‚We can’t get arrested quick enough‘, bei youtube ab min 9:02, veröffentlicht am 22.11.2018 ] – sehr bewegend, finde ich.


Damit zitieren sie die US-amerikanische Ethnologin Margaret Mead (1901-1978):

»Never doubt that a small group of thoughtful, committed citizens can change the world; indeed, it’s the only thing that ever has.«
gefunden bei brainyquote

 

»In der Gedankenwelt von Extinction Rebellion nehmen drei Zahlen einen entscheidenden Platz ein: 2025, 0 und 3,5 Prozent. 2025 sollen die C02-Emissionen auf null reduziert sein, und die Aktivisten glauben, dass sie die Regierungen nur dazu kriegen, wenn sie ungefähr 3,5 Prozent der Bevölkerung für sich gewinnen.« Rico Grimm, Krautreporter 1.5.2019

Am Freitag, dem 20.9.2019 findet der dritte globale Klimastreik statt – weltweit werden Menschen auf die Straße gehen und für die Einhaltung des Parisabkommens und gegen die anhaltende Klimazerstörung laut werden. Hier der Aufruf von Fridays for Future. Und hier meiner: Kommt um 12 Uhr am 20.9. in Hamburg zum Jungfernstieg, in Berlin zum Brandenburger Tor, in Frankfurt zur Alten Oper, um 10 Uhr in Münster zum Prinzipalmarkt … [alle Orte hier] und bringt noch jemanden mit.

Samuel Harfst [keine Ahnung, wie ich auf den gekommen bin …] rät in seinem Song Alles Gute zum Alltag:
»… träume hellwach, träume groß,
lass die Hoffnung niemals los.«

Auch bildende Künstler*innen setzen sich mit dem Klimanotstand auseinander. Im Berliner Gropiusbau gibt es dazu bis zum 1. Dezember 2019 die alles in allem beeindruckende Ausstellung »Garten der irdischen Freuden«, die ich letzte Woche gesehen habe.

Rashid Johnson, „Antoine’s Organ“ (Detail), 2016. Foto: Martin Parsekian Rashid Johnson, Courtesy: der Künstler und Hauser & Wirth

Und wer es sich immer noch gönnt, Bücher zu lesen, könnte hier in der Longlist zum Deutschen Buchpreis stöbern. Übrigens sind es in diesem Jahr 11 nominierte Autorinnen und 9 Autoren. Die Shortlist wird am 17.9.2019 bekannt gegeben, der Buchpreis am 14.10. zum Auftakt der diesjährigen Frankfurter Buchmesse verliehen.

Quelle: deutscher-buchpreis.de


O Himmel ist das recht?

Haben wir noch Zeit genug, die Bücher zu lesen, die uns aus der Klimakrise führen könnten?

Die kanadische Journalistin Naomi Klein hat bereits einiges zur Globalisierung veröffentlicht. Der Klimawandel schien ihr nicht relevant zu sein, sagt sie, bis sie den engen Zusammenhang zwischen Umweltzerstörung und Ungleichheit erkannte.

This Changes Everything – Naomi Klein | Guardian Docs (09:43 min),
am 6.3.2015 bei youtube veröffentlicht. Erschreckend mal wieder – eine Dokumentation von 2015, die Fakten weitgehend ignoriert, das Video könnte auch von 2019 sein.

   

Naomi Kleins neues Buch On Fire: The (Burning) Case for a Green New Deal ist bei Barnes & Noble angekündigt für den 27.09.2019, die deutsche Ausgabe Green New Deal: Wir können unseren Planeten retten! soll Anfang November bei Hoffmann und Campe erscheinen, in der Übersetzung von Gabriele Gockel und Barbara Steckhan.


Naomi Klein © Kourosh Keshir
Quelle: hoffmann-und-campe.de

Zum Vormerken: die Bewegung Extinction Rebellion ruft für den 27. September 2019 gemeinsam mit Fridays for Future, United4Earth, IWW Environmental Unionist Caucus, Youth Strike 4 Climate und Demand Utopia zum Earth Strike auf, zum bislang größten weltweiten Klimaprotest.

»O wunderbares Glück! Denk doch einmal zurück: Was hilft mir mein Studieren, viel Schulen absolvieren? Bin doch ein Sklav, ein Knecht. O Himmel ist das recht?«
Christian Friedrich Daniel Schubart (1739–1791)

Wikipedia zum Begriff Ziviler Ungehorsam:
»Durch einen symbolischen, aus Gewissensgründen vollzogenen, und damit bewussten Verstoß gegen rechtliche Normen zielt der handelnde Staatsbürger mit einem Akt zivilen Ungehorsams auf die Beseitigung einer Unrechtssituation … Durch den symbolischen Verstoß soll zur Beseitigung des Unrechts Einfluss auf die öffentliche Meinungsbildung genommen werden.«

Die Bücher der bemerkenswert unangepassten Autorin Anke Stelling erscheinen seit 2016 passend im Verbrecher-Verlag. Ihr jüngster Roman Schäfchen im Trockenen wurde mit dem Preis der Leipziger Buchmesse 2019 ausgezeichnet. Die Jury begründete: »Schäfchen im Trockenen ist ein scharfkantiger, harscher Roman, der wehtun will und wehtun muss, der protestiert gegen den beständigen Versuch des besänftigt Werdens, der etwas aufreißt in unserem sicher geglaubten Selbstverständnis und dadurch den Kopf frei macht zum hoffentlich klareren Denken.«

         

Schäfchen im Trockenen (2018)
272 Seiten
Fürsorge (2017)
176 Seiten
Bodentiefe Fenster (2016)
256 Seiten

Nun noch ein Hörbuch-Tipp. Im Spiegel hat Franziska Wolffheim den neuen Roman von Alina Bronsky niedergemacht: »Im typischen ›Bronsky-Beat‹ porträtiert Alina Bronsky … eine Helikopter-Großmutter, die ein Wohnheim zu kontrollieren sucht. Könnte sehr lustig sein – wären die Figuren nicht solche Pappnasen.« Fand ich überhaupt nicht. Vielleicht hätte die Rezensentin sich den Roman lieber von Sophie Rois vorlesen lassen sollen? Fand ich großartig!

Alina Bronsky, Der Zopf der Großmutter. Meine Großmutter, mein Großvater, seine Geliebte und ich
Erschienen bei Roofmusic

In leicht melancholischer Stimmung höre ich grad besonders gern das Brad Mehldau Trio, genau gesagt ihr Cover von Time Has Told Me (bei youtube, 08:40 min)
veröffentlicht auf Where Do You Start (2012)

   
Auch schön, und mit Text, das Original von Nick Drake Time Has Told Me (bei youtube, 04:27 min)
auf Five Leaves Left (1969)

Und noch was für Leib und Seele, meine jüngste Kreation:


Aprikosen-Pfingst-Kuchen

· 250 g Butter
· 250 g Mehl
· 250 g Vollkorn-Mehl
· 200 g Rohrzucker
· 2 Eier
· 1 Pk Bourbon-Vanillezucker
zu einem glatten Teig kneten und die Formen damit auskleiden.

· etwa 1.250 g gewaschene Aprikosen
in Spalten schneiden und auf den Teig legen.

· 6 Eiweiß, leicht aufgeschlagen,
· 250 g Zucker
· 400 g gemahlene Mandeln
· 1 Pk Bourbon-Vanillezucker
zum Guss verrühren, auf dem Obst verteilen.

Bei 175 Grad etwa 45 min backen.
Menge für ein Blech und eine kleine Form.

DIES IST ÜBRIGENS TATSÄCHLICH SCHON BEITRAG NR. 50 …

 


Kopf im Sand

Einem mir gut bekannten jungen Mann fiel zum Ausdruck »Den Kopf in den Sand stecken« das grad grassierende Prokrastination ein. In diesem Wort steckt alles drin: Krasses Ignorieren von Aufgaben, die eigentlich dringend erledigt sein wollen, und dieses gewisse »Ich kann auch nichts dafür«, da es sich offenbar um eine Art Fluch handelt.

Zeichnung von Adolf Oberländer (1877)

Auf neueswort.de findet sich: »Die Prokrastination stammt vom lateinischen procrastinatio (Vertagung) ab … ein kontraproduktives und unnötiges Aufschieben …«
Das Kopf-in-den-Sand-Stecken bietet also kaum Vorteile. Und doch vertagen wir ständig die Auseinandersetzung mit Problemen. Wir verdrängen, fühlen uns nicht angesprochen [Waaaas? Es gibt einen Zusammenhang zwischen Flugverkehr und Klimawandel? Echt jetzt?], würden zu gern so bequem und relativ entspannt weiterleben und auf gar keinen Fall persönliche Nachteile in Kauf nehmen wollen. Außerdem: Was kann ich allein schon ausrichten?

Als mir neulich diese adretten Plakate auffielen

 

Jennifer Aniston wirbt für Smart Water (c) Coca-Cola

hatte ich gleich Nestlé im Verdacht. Aber es steckt doch Coca-Cola dahinter. Der US-amerikanische Konzern hofft wohl, dass auch europäischen GroßstädterInnen gefallen könnte, worauf man in Hollywood nicht mehr verzichten möchte: WASSER  in Plastikflaschen. Selbstverständlich kein gewöhnliches, sondern quasi kluges Wasser. 

Wir hier im »echten Norden« sind heilfroh, dass wir uns keine Sorgen ums Trinkwasser machen müssen, trotz der ungewöhnlichen Dürre dieses Sommers. Das aus der Nordheide schmeckt übrigens ausgezeichnet.

In diesem Zusammenhang berichtete die Landeszeitung aus Lüneburg im letzten Jahr unter der Überschrift Wem gehört das Trinkwasser?, dass Coca-Cola Deutschland am Standort Lüneburg »ViO« abfülle und »in den vergangenen Jahren keine Gewerbesteuer gezahlt« habe. Coca-Cola verwies dazu auf »Verluste durch außerordentliche Kosten«.

Wasserspielplatz im Bürgerpark Bielefeld, (c) aquado.de

Die ideale Verbindung von Sand und Wasser – eine „Matschanlage« oder auch das Wattenmeer der Nordsee, seit 2009 UNESCO-Weltnaturerbe. Es gibt Prognosen, was aus dem Wattenmeer wird bei weiterem Meeresspiegelanstieg. Dazu gibt es die Strategie Wattenmeer 2100  – Wie ist das Watt trotz Klimawandel und Meeresspiegelanstieg zu retten? Mehr dazu auf der Website der Schutzstation Wattenmeer.

Karte: Schutzstation Wattenmeer

Zum Schluss noch kurz den Kopf aus dem Sand gesteckt und einen Blick geworfen auf die Vorbereitungen zu unserem nächsten BücherFrauen-LiteraturBrunch im Februar 2019, für den wir grad die Neuerscheinungen deutschsprachiger Autorinnen 2018 sichten. Zwei meiner Favoritinnen [ein Klick auf die Titel führt zu weiteren Informationen]:

       
Milena Michiko Flašar, Herr Katō spielt Familie
Verlag Klaus Wagenbach, 176 Seiten, geb., 20,– Euro

Wlada Kolosowa, Fliegende Hunde
Ullstein Buchverlage, 224 Seiten, geb., 20,– Euro

Fliegende Hunde erinnert mich an Alina Bronskys Scherbenpark von 2008, das ich damals ebenfalls sehr beeindruckend fand.
Alina Bronsky, Scherbenpark
Verlag Kiepenheuer & Witsch, 304 Seiten, TB, 9,99 Euro

    

Und eines der Bücher vom LiteraturBrunch 2018 ist soeben als Penguin-Taschenbuch erschienen und sei hiermit noch einmal ausdrücklich empfohlen:
Annette Mingels, Was alles war
Penguin Verlag, 288 Seiten, TB, 10,– Euro

PS: In dieser Woche wurde die Longlist für den Deutschen Buchpreis 2018 bekannt gegeben. Diesmal überwiegen die Romane von Autorinnen (12 von 20 nominierten Neuerscheinungen). Wir sind gespannt auf die Shortlist, die am 11.9.2018 präsentiert wird.

Nachtrag vom 12.9.2018: Auch auf der Shortlist überwiegen die Titel von Autorinnen. Wer den Deutschen Buchpreis 2018 erhält, wird am Montag, dem 8. Oktober um 18.55 Uhr bekannt gegeben.


Ansichtssache

In meinem Postkartenkarton finden sich tatsächlich noch ein paar Ansichtskarten wie diese, die ich vor einigen Sommern nicht rechtzeitig verschickt habe:

Postkarten zeigen in der Regel besonders hübsche Ansichten am Urlaubsort, die den Neid der Adressat_innen wecken könnten.
Weniger harmlose Ansichten dagegen sind solche, die auf Falschmeldungen oder Fehleinschätzungen beruhen.
Wie harmlos sind Menschen, die sich in der Flat Earth Society versammelt haben? Die davon überzeugt sind: Die Erde ist eine Scheibe.
Nein. Die Erde ist rund, die Welt ist bunt und außerdem bevölkert von Rechthabern und Besserwisserinnen [engl.: know-alls and smartypants].

Mit seinem Buch FACTFULNESS versucht der Schwede Hans Rosling (1948–2017), Professor für Internationale Gesundheit, zumindest mit einigen Irrtümern in unserem Denken aufzuräumen – sehr anschaulich und eindrücklich. Seine positive Sicht auf die Welt ist nicht naiv optimistisch, sondern gründet sich auf Fakten, auf Zahlen der Weltbank und der Vereinten Nationen z. B.

  
Hans Rosling with Ola Rosling and Anna Rosling Rönnlund
Factfulness. Ten Reasons We’re Wrong About the World – and Why Things Are Better Than You Think

Hans Rosling mit Anna Rosling Rönnlund und Ola Rosling
Factfulness. Wie wir lernen, die Welt so zu sehen, wie sie wirklich ist

Anna Rosling Rönnlund, Hans und Ole Rosling

Ich kann einen Blick auf die Website der 2004 von Hans Rosling gegründeten Gapminder-Stiftung nur empfehlen. Und zum Einstieg vielleicht Roslings TED-Vortrag in Katar über den Zusammenhang zwischen Religionen und Geburtenraten: Religions and babies. Das NDR-Kulturjournal hat dazu am 30.4.2018 diesen Beitrag Hans Rosling: „Factfulness“ gesendet. Wer das ZDF und Aspekte bevorzugt, schaue: Der Optimist Hans Rosling „Die Welt ist gar nicht so schlecht“.

Schon 1967 sangen die Beatles [bei youtube], dass alles immer besser werde, in Getting Better auf Sgt. Pepper’s Lonely Hearts Club Band:
.

»I’ve got to admit it’s getting better (Better)
A little better all the time (It can’t get more worse)
I have to admit it’s getting better (Better)«

Wahrscheinlich nicht nur, um den Beatles zu widersprechen, schrieb Joni Mitchell zwei Jahre später den wesentlich kritischeren Song Big Yellow Taxi [bei youtube], 1970 erschienen auf Joni Mitchells drittem Album Ladies of the Canyon:

»Don’t it always seem to go
That you don’t know what you’ve got till it’s gone?
They paved paradise
Put up a parking lot«

Joni Mitchell 2007

Joni Mitchell wurde 2007 in die Canadian Songwriters Hall of Fame aufgenommen. Bei dieser Gelegenheit sang das Publikum „Big Yellow Taxi“ mit, auch schön – Audience sing-along at the 2007 CSHF Induction Ceremony [bei youtube]. Eine kurze Rückschau auf ihr Leben als Musikerin zeigt dieser Rock and Roll Hall of Fame Induction Film von 1997 [bei youtube] .

Einer, dem die Bewahrung der Schöpfung sicher so am Herzen liegt wie Joni Mitchell und der die Herausforderungen der heutigen Zeit viel deutlicher anspricht als die meisten Politiker_innen und das durchaus zuversichtlich, ist Papst Franziskus. Am 14. Juni 2018 kommt der neue Film von Wim Wenders in die Kinos, auf den ich schon sehr gespannt bin – das Porträt „Papst Franziskus – Ein Mann seines Wortes“.

Papst Franziskus – Ein Mann seines Wortes (Universal)

Dieser 5-minütige Beitrag zum Film auf Arte ist noch bis zum 1.9.2018 online.
Papst Franziskus, nun immerhin schon fünf Jahre im Amt, sagt: „Lasst uns nach vorne blicken und gemeinsam vorangehen.“  Zum Trailer auf kino-zeit.de.

Keine zwei Meinungen bzw. Ansichten gibt es jedenfalls zu diesem Johannisbeer-Quark-Kuchen: mein Sommerkuchen mit roten Johannisbeeren ausm Garten [das Rezept als PDF Marens_Johannisbeer-Quark-Kuchen].

200 g weiche Butter mit
100 g Zucker,
2 Eiern,
je 200 g Mehl und Vollkornmehl sowie
1 Pk. Vanillezucker
zu einem geschmeidigen Teig verkneten.
Auf einem gebutterten Backblech ausbreiten.

750 g Magerquark,
250 g Zucker,
5 Eigelb und
1 Pk. Vanillepudding verrühren.
Jeweils 250 ml Sahne und
die 5 Eiweiße steif schlagen und mit
750 g Johannisbeeren
vorsichtig unter den Quark heben.
Auf dem Teig verteilen.

Bei 175°C (im nicht vorgeheizten Ofen) etwa 45 Min. backen.

Getting better handelt übrigens weniger von der immer besser werdenden Welt, wie Hans Rosling sie beschreibt. Hier gibt einfach jemand zu, mit seiner neuen Freundin großes Glück zu haben: „It’s getting better since you’ve been mine.“

Schönen Sommer weiterhin!


Hoffnung, lyrisch

Wäre die Welt eine bessere, womöglich friedlichere, wenn alle mehr Gedichte lesen würden? Eine Welt voller poetischer Momente, verdichtet im Augenblick? Lyrik als Kontrapunkt zu Hass-Tweets und anderen -Tiraden? Wir sollten noch Visionen haben. Gerade jetzt im Frühling!

Man sollte wieder mal spazierengehn.
Das Blau und Grün und Rot war ganz verblichen.
Der Lenz ist da! Die Welt wird frisch gestrichen!
Die Menschen lächeln, bis sie sich verstehn.

Aus: Erich Kästner (1899–1974), Besagter Lenz ist da
Das ganze Gedicht, gesprochen von Hermann Lause bei youtube.

Nun ist er endlich kommen doch
in grünem Knospenschuh;
Er kam, er kam ja immer noch,
die Bäume nicken sich’s zu.

Aus: Theodor Fontane (1819–1898), Frühling

Einst hab ich drei Weiden besungen.
Eine ist nur geblieben.
Ich habe drei Weiden besungen.
So sind auch drei Weiden geblieben.

Eva Strittmatter (1930–2011)

Hope is the thing with feathers,
That perches in the soul
And sings the tune without the words
And never stops – at all.

Aus: Emily Dickinson (1830–1886), Hope

Täglich säen wir Samen aus
Für Bäume des Himmels
Darin unsere Träume nisten
Die Vögel fliegen auf
Aus ihren Zweigen
Sieh doch, die Luft trägt!
Täglich säen wir neue Samen
Für einen ganzen Wald Hoffnung
Weil das Paradies in uns wurzelt.

Hilde Domin (1909–2006)

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Zu guter Letzt gibt es noch ein Gewinnspiel – das Frühlingsrätsel:
Welches Gedicht endet mit der Zeile »Der Regenblues wird abgestellt« und wer hat es geschrieben?
Die Antwort bitte per Mail an mg@textbeet.de
Einsendeschluss ist der 20.6.2018, der Rechtsweg ist ausgeschlossen, die Verlosung findet unter Aufsicht statt und zu gewinnen gibt es ein Exemplar von Gedichte, die glücklich machen.

 


Stete Tropfen fürs Fass

Februarmorgen

Bleiche Morgenhelle,
drin der Vogel singt,
deren Frühlingswelle
Land der Nacht verschlingt –

Früh‘ um Frühe eher
weckt dein Lerchenschlag,
und der Spätaufsteher
tritt in lichten Tag.

Christian Morgenstern

Ja, die Tage werden spürbar länger. Und heller. Ein Segen nach all dem Regengrau.
Apropos Tropfen – ist es nur eine Frage der Perspektive, ob ein Tropfen auf heißem Stein verdampft oder ob er ein Fass zum Überlaufen bringen kann? Geht es nicht eigentlich um Selbstwirksamkeit, darum, was ich mir von meinem Tun verspreche? »Steter Tropfen höhlt den Stein«, sagte schon Ovid  – »Gutta cavat lapidem«.

Als passionierte Briefeschreiberin (Papier, Tinte, Umschlag, Briefmarke, Briefkasten, Postbotin) muss ich heute mal einige »Briefromane« empfehlen, auch als Hörbücher.
  
Mary Ann Shaffer, Annie Barrows
Deine Juliet
Originaltitel: The Guernsey Literary and Potato Peel Pie Society
Aus dem Amerikanischen von Margarete Längsfeld und Martina Tichy
304 Seiten
Mary Ann Shaffer, Annie Barrows
Deine Juliet. Club der Guernseyer Freunde von Dichtung und Kartoffelschalenauflauf
Hörbuch, 6 CDs [7:29 Std.]
Leider haben die Verlage Covermotive gewählt, die eher Kitschiges verheißen. Dabei geht es um die Überlebensstrategie der Bewohner der britischen Kanalinsel Guernsey, die im zweiten Weltkrieg von der deutschen Armee besetzt war – total interessant und spannend erzählt.

  
Helene Hanff
84, Charing Cross Road. Eine Freundschaft in Briefen
Aus dem Englischen von Rainer Moritz
160 Seiten
Helene Hanff
84, Charing Cross Road. Eine Freundschaft in Briefen
Hörbuch, 2 CDs [1:44 Std.]

Von 1949 bis 1969 korrespondierte die amerikanische Drehbuchautorin Helene Hanff (1916–1997) mit dem Londoner Antiquariatsbuchhändler Frank Doel. Der originelle Briefwechsel erschien in deutscher Übersetzung erst 2002.

    

Moritz-Verlag

Megumi Iwasa
Viele Grüße, Deine Giraffe!
Aus dem Japanischen von Ursula Gräfe
Illustriert von Jörg Mühle
112 Seiten, für Erstleser_innen
Viele Grüße, Deine Giraffe
Als Hörspiel ab 4 Jahren [40 min]
»Ein amüsanter Briefroman über Neugierde, Abenteuerlust und Spaß am Schreiben.« Ola Lebedowicz, Der Tagesspiegel

Die Arbeit von Übersetzerinnen und Übersetzern ist übrigens bis vor wenigen Jahren, na, sagen wir Jahrzehnten, kaum gebührend gewürdigt worden.
Eine schöne Wertschätzung erfahren die Wortkünstler_innen in dem Kulturzeit-Beitrag »Was macht eigentlich … ein Übersetzer« vom 19.1.2018 auf 3sat – im Gespräch mit Maralde Meyer-Minnemann und Ulrich Blumenbach [6:13 min].
Hörenswert auch das WDR ZeitZeichen vom 10.1.2018, das an die Gründung des Europäischen Übersetzer-Kollegiums in Straelen vor 40 Jahren erinnert – das weltweit größte Arbeits- und Begegnungszentrum für literarische Übersetzer_innen [14:54 min].

»Deutsche Leserinnen und Leser lesen nicht den auratischen Originalton des Autors, sondern sie lesen einen Vermittler, eine Vermittlerin.« Ulrich Blumenbach