textbeet

Kompost für den Alltag


Ladies first

Zum Beispiel diese Geste: Man lässt mir den Vortritt. Bei meinen Recherchen, woher diese Tradition eigentlich kommt, bin ich auf eine interessante Erklärung gestoßen: Im Mittelalter mussten die adligen Herren wegen allgemeinen Machtgerangels ständig um ihr Leben fürchten. Bevor ein adliger Herr also eine Schwelle übertrat, ging er auf Nummer sicher und ließ einer Frau den Vortritt – Ladies first. Wenn diese Lady nun einem Attentat zum Opfer fiel, war immerhin ein Männerleben gerettet.

Ladies First (2017) der pakistanischen Filmemacherin Sharmeen Obaid-Chinoy

Wie sieht es mit Ladies first in der deutschen Sprache aus?
Wer mit der Sesamstraße großgeworden ist, kennt die Reihenfolge:

Quelle: NDR (Screenshot)

der, die, das
wer wie was
wieso weshalb warum …

Mein Vorschlag: Wir sortieren das mal neu. Ladies first! Laut Duden ist die deutsche Sprache mehrheitlich weiblich. Das heißt, wenn man alle Hauptworte im Rechtschreibduden durchzählt, kommt man auf etwa 46 % die-Wörter, 12 % mehr als Substantive mit männlichem Artikel.

Quelle: Rechtschreibduden online

Warum eigentlich nicht?

Wer nicht fragt, bleibt dumm.

Und noch eine Leseempfehlung, die es damals bei Erscheinen des Romans nicht ins Textbeet geschafft hat:
Julie Otsuka, Wovon wir träumten

Aus dem Englischen von Katja Scholtz
Mare Verlag 2012

Zwischen dem ersten und dem zweiten Weltkrieg reiste eine Gruppe japanischer junger Frauen nach San Francisco, um dort ihre Ehemänner kennenzulernen, und ohne ein Wort Englisch zu sprechen. Der Roman beginnt so: »Auf dem Schiff waren die meisten von uns Jungfrauen. Wir hatten langes schwarzes Haar und flache, breite Füße, und wir waren nicht sehr groß. Einige von uns hatten als junge Mädchen nichts als Reisbrei gegessen und hatten leicht krumme Beine, und einige von uns waren erst vierzehn Jahre alt …«

Der Originaltitel. Auch so ein schönes Cover, nicht?

Bald ist es wieder soweit:


Velwechserungen

lichtung
manche meinen
lechts und rinks
kann man nicht velwechsern
werch ein illtum

Ernst Jandl (1925–2000)

Ernst Jandl wäre am 1. August d. J. 97 Jahre alt geworden. Zu seinem 65. Geburtstag hatte die taz ihm 1990 mit einer Titelseite gehuldigt, an die ich mich, schon damals ein Jandl-Fan, gut erinnere. Im taz-Text waren wie in lichtung die Buchstaben l und r vertauscht. Leider kann ich keine Abbildung finden. Eine Überschrift hieß (laut Wikipedia): „Eins beim Lasen, entzweit bei Plomirre“.

Womit wir wieder beim Thema Verkehr wären, genauer gesagt bei Bundesverkehrsministern aus kleinen Koalitionsparteien. 1990 war das Friedrich Zimmermann (CSU), heute setzt sich Volker Wissmann (FDP) gegen Tempo 130 und für den Autobahnausbau ein.

StVO-Zeichen 393:
Informationstafel an Grenzübergangsstellen

Der BUND hat jüngst ein schönes Erklärvideo zum Bundesverkehrswegeplan in Hinblick auf die vereinbarten Klimaschutzziele veröffentlicht [Dauer: gut 5 min].

Quelle: BUND

„Freie Bürger fordern freie Fahrt“, so behauptete es Franz Stadler (ADAC-Präsident 1972–1989) in einer Kampagne von 1973 gegen den Feldversuch Tempo 100 auf deutschen Autobahnen. Damals regierte die SPD gemeinsam mit der FDP. Wegen der Ölpreiskrise gab es ein Fahrverbot am 25.11.1973 und an den folgenden drei Sonntagen. Das 50jährige Jubiläum könnten wir 2023 eigentlich mit ähnlichen Aktionen feiern, nicht?

Wer wissen möchte, was ich grad so richtig lustig finde, schaue sich diesen Rap von FIL [= Philip Tägert] an, der am 7.8.2022 in Till Reiners Happy Hour aufgetreten ist. Zum 3sat-Video [ab min 42:00]

FIL am 7.8.2022 Quelle: 3sat-Mediathek

Zitat: „Du hast mir meine Reime gestohlen, aber ich werde sie mir wieder beschaffen!“

Noch leichter zu verwechseln: Asterix und Asterisk.

Band 38 (2019). Quelle: Ehapa-Verlag


Somit sei in diesem August-Textbeet nach sieben Männern wenigstens noch eine junge Rebellin erwähnt: Die Tochter des Vercingetorix – ADRENALINE, Titelheldin von Asterix-Band 38.

Asterisk dagegen meint den Gender*stern. Erst neulich habe ich diese Bezeichnung gelesen und zwar in einer Empfehlung der Überwachungsstelle des Bundes für Barrierefreiheit von Informationstechnik [was es nicht alles gibt …]. Die dazugehörige Studie gibt dem Asterisk am Ende den Vorzug vorm Gender-Doppelpunkt als Mittel der gendersensiblen Schriftsprache.

Und nun will ich endlich mal wieder auf unsere Initiative Schenefeld im Wandel hinweisen, denn wir haben ein neues Logo, das wir der Schenefelder Illustratorin Alena Klemp verdanken.

Logo: Alena Klemp

Wie andere Transition-Initiativen versuchen auch wir „eine bessere Welt in kleinen Schritten“. In unserer Stadt tut sich da einiges.


nix dafür

Ich bin leider schuld
Ich hatte mir gewünscht, dass die Mücken sterben und die Wespen auch
Ich bin leider schuld
Ich hatte allgemein einen hohen Verbrauch
Ich bin leider schuld
Ich hatte mir gewünscht, dass es wärmer wird, warm genug zum Baden
Ich bin leider schuld
Ich hatte nicht gedacht an den ganzen Schaden

Aus: Dota, Ich bin leider schuld,
von der CD Wir rufen Dich, Galaktika (2021)

Der ganze Text ist bei genius.com nachzulesen und der ganze Song zu hören hier bei youtube.

Gegen Ende singt ein Kinderchor: „Schuld bist du nicht allein“. Aber irgendwie mitschuldig eben schon. Gleichzeitig gibt es viel Fatales, für das ich z. B. nicht verantwortlich bin. Da kann ich echt nix dafür. Zum Beispiel, dass immer noch kein generelles Tempolimit gilt auf unseren Autobahnen. Daran scheint mir eher unser Finanzminister schuld zu sein. Wollen wir eine Demo organisieren? Bitte melden!
Eine Petition bei change.org Tempolimit 130 km/h – sofort! zum Gleich-Unterschreiben gibt es schon.

Die Ich-Erzählerin in Die Woche von Heike Geißler [ganz zu Recht auf der Shortlist zum Leipziger Buchpreis 2022] wäre bei der Demo wahrscheinlich sofort dabei. Die Woche ist ein großartiger Empowerment-Roman, krass, poetisch, phantastisch, aktuell. Was wollen wir mehr?
Heike Geißler, Die Woche
316 Seiten
Suhrkamp, erschienen am 7.3.2022

Hier noch ein Buchtipp aus der Reihe »Lieblingsbücher, die ich noch nicht im Textbeet erwähnt habe …«

Tanja Langer hat ihre unkonventionelle Freundschaft mit dem Deutsche-Bank-Vorstandssprecher Alfred Herrhausen, der 1989 von der RAF ermordet wurde, in einem fesselnden Roman verdichtet.

Tanja Langer, Der Tag ist hell, ich schreibe dir
408 Seiten
Langen-Müller, erschienen 2012

Unsere Rosen, (c) marengide
Orwells Rosen, (c) Rowohlt Verlag
Rebecca Solnit, (c) Trent Davis Bailey

Als Fan von Rebecca Solnit empfehle ich Orwells Rosen, das noch auf meiner Wunschliste steht. Ich vertraue da ganz Margaret Atwood, die schreibt: »Ich liebe dieses Buch, und viele andere werden das auch tun. Ein berauschender Streifzug durch Orwells Leben und seine Zeit …«

Rebecca Solnit, Orwells Rosen
Aus dem Englischen von Michaela Grabinger
320 Seiten
Rowohlt, erschienen am 14.6.2022

Kletterrose vor der Nachbar-Garage

Zum weiterhin wichtigen Thema Geschlechtergerechte Sprache [Gendern] zitiere ich gern noch die mährisch-österreichische Schriftstellerin Marie von Ebner-Eschenbach (1830–1916), die lange vor der Gender-Debatte festgestellt hat:
»Wenn eine Frau sagt ›Jeder, meint sie: jedermann.
Wenn ein Mann sagt Jeder, meint er: jeder Mann.«

Uns allen, jeder und jedem, wünsche ich wunderbare Sommertage!

(c) Thomas Stephan on Unsplash, entdeckt auf hamburg-tourism.de


… keine gute Ratgeberin

Jage die Ängste fort
und die Angst vor den Ängsten.
Für die paar Jahre
wird wohl alles noch reichen.

Aus: Rezept von Mascha Kaléko

Unser Rosenbäumchen blüht Jahr für Jahr doller

Ja, die Angst … Sie ist einfach keine gute Ratgeberin.

Die Neurowissenschaftlerin und Professorin für Medienpsychologie Maren Urner hat am 29.1.2022 über »positives Denken in der Krise« [verlinkt zur WDR-Mediathek] mit Kornelia Bittmann gesprochen [35:31 Min]. Sie erzählt anschaulich vom Negativitäts-Bias unseres „Steinzeithirns“, also von unserer Vorliebe für das Negative, und dass diese Einstellung (dieser Bias) vor 1 Millionen Jahre durchaus sinnvoll war – als unsere Vorfahr:innen noch in Höhlen lebten. Doch heutzutage eher problematisch ist, denn wir vergessen darüber unsere Selbstwirksamkeit.
Empfehlen kann ich nicht nur dieses Gespräch und ihr Buch Raus aus der ewigen Dauerkrise, sondern auch ihren Rat, nicht gleich als erstes morgens die Nachrichten zu hören. Mir bekommt dieser „Verzicht“ gut. Auch Zeitungspapier ist geduldig.

erschienen am 3.5.2021

Manchmal argumentiere ich gegen Stiftungen als Steuersparmodell, gebe aber zu, dass zum Beispiel die Heinrich-Böll-Stiftung tolle Projekte finanziert, wie z. B. den Salon des guten Lebens. Der erste virtuelle #Salon mit Kübra Gümüşay und ihrem Thema Streit und Sein – Zukunft [verlinkt zum Salon des guten Lebens] vom 8.9.2021 widmete sich unter anderem der Frage: »Was für Grundlagen braucht es, um zugewandt, konstruktiv, erfolgreich über eine gerechtere Zukunft zu sprechen?«
Kübra Gümüşay und ihre Gäste Asal Dardan, Mithu Sanyal und Emilia Roig haben die wertschätzende Kommunikation im digitalen Raum vorgemacht:

(c) Heinrich-Böll-Stiftung
die vier jüngsten Bücher der Autorinnen

Kübra Gümüşay, Sprache und Sein
Asal Dardan, Betrachtungen einer Barbarin
Mithu M. Sanyal, Identitti
Emilia Roig, Why we matter
[verlinkt auf die Verlagsseiten]

Und noch eine Entdeckung: Alisa Amador, die Gewinnerin des 2022 Tiny Desk Contest

Alisa Amador (c) NPR

Für mich entdeckt habe ich sie letzte Woche bei ihrem NPR-Tiny-Disk-Concert vom 31.5.2022, ehrlich gesagt auf youtube, aber es gibt auch das werbefreie(!) Original-Video ihres schönen, nur zu kurzen 20-minütigen Auftritts auf NPR (National Public Radio).

Alisa Amador und ihre Band (c) NPR

Nach so viel Frauenpower mache ich jetzt noch (ganz uneigennützig!) Werbung für zwei meiner Lieblingskünstler:

erschienen am 22.3.2022 (c) Carlsen Verlag, Hamburg

Die Känguru-Comics 1: Also ICH könnte das besser
von Marc-Uwe Kling und Bernd Kissel
ZEIT online veröffentlicht fast jeden Tag einen neuen Känguru-Comic.
In der Sommerpause bietet sich für alle Känguru-Süchtigen das Buch an.

Auf mehrfachen Wunsch zu guter Letzt mal wieder ein Rezept:

Veganer Bananenkuchen

140 g Margarine
80 g brauner Zucker
1 Pck. Vanillezucker
2-3 reife Bananen
5 EL Kokosmilch
250 g Mehl
2 TL Natron
5 EL Rosinen
etwas Margarine für die Backform

Die Margarine mit dem Zucker schaumig schlagen. Die kleingeschnittenen Bananen und die Kokosmilch dazugeben und weitermixen. Mehl und Natron unterrühren. Zuletzt die Rosinen unterheben. Den Teig in die gefettete Spring- oder Kranzform füllen, bei 180°C (ohne vorzuheizen) etwa 35 Min. (Stäbchentest) backen. Der schmeckt nicht nur Veganer:innen.


Entkommen

»Hoffnung ist eben nicht Optimismus. Es ist nicht die Überzeugung, dass etwas gut ausgeht. Sondern Hoffnung ist die Gewissheit, dass etwas Sinn hat, ohne Rücksicht darauf, wie es ausgeht.«
Václav Havel (1936–2011), Dramatiker, Menschenrechtler, Staatspräsident

Was könnte uns Hoffnung machen in diesen verstörenden Zeiten? Wie können wir der Realität ins Auge sehen, ohne lähmende Angst, ohne naiven Optimismus? Wie können wir ins Tun kommen statt nur noch zurück zu wollen vor diese „Zeitenwende“? Wie geht das mit Mut statt Eskapismus?
[Exkurs: Eskapismus kann vom spätlateinischen cappa hergeleitet werden: „die Ordensmütze wegwerfen“. Seit Mitte des letzten Jahrhunderts wird es wie das englische escapism verstanden und steht damit für einen Hang zur Flucht aus der Wirklichkeit.]
Zugegeben lenke auch ich mich gern ab. Zuletzt mit diesem Hörbuch:

Edgar Selge erzählt in seinem großartigen Erinnerungsroman Hast Du uns endlich gefunden auch von seiner frühen Leidenschaft fürs Kino: »Dunkel soll es werden, der Alltag um mich herum verschwinden und auf der knisternden Leinwand soll eine Geschichte entstehen, die mich unterhält und wärmt.«

Hm, welcher Kinofilm hat mich zuletzt gewärmt? Parallele Mütter? Da fand ich jedenfalls Penelope Cruz ganz toll. Wunderschön von Karoline Herfurth? Hat mich auf jeden Fall sehr gut unterhalten.

Kinostart: 3.2.2022

Wenn wir ein gutes Buch lesen, geht das „Kopfkino“ los. Darum beginnt heute die neue kleine Serie: »Bücher, die ich vor Längerem mit Gewinn und Genuss gelesen, aber noch nicht im Textbeet erwähnt, habe«.

Susanne Kippenberger, Das rote Schaf der Familie. Jessica Mitford und ihre Schwestern
Im Hardcover 2014 bei Hanser erschienen, seit 2016 auch als Fischer-Taschenbuch lieferbar.
Jessica Mitford (1917–1996) und ihre sechs Geschwister mussten nach dem Willen ihres Vaters Baron Redesdale nicht zur Schule gehen und entwickelten sich vielleicht auch deshalb zu den unterschiedlichsten durchaus exzentrischen Persönlichkeiten, von denen Susanne Kippenberger auf zum Glück über 600 Seiten hinreißend zu erzählen weiß.

Und dann gibt es ja noch diese wunderbare Erfindung der Podcasts, quasi der Urenkel des Rundfunks.
Fast jede Woche entdecke ich einen neuen Gesprächspodcast für mich, am letzten Wochenende war es (übers tazlab): Freiheit de Luxe von Jagoda Marinić.

Ich empfehle sehr: Ukraine Spezial – Warum es um unsere Freiheit geht vom 28.4.2022.
Jagoda Marinić befragt Katja Petrowskaja, Juri Andruchowytch und Timothy Snyder und jedes dieser Gespräche vermittelt einen differenzierten Blick auf den Krieg und seine unabsehbaren Folgen.

»Und nur, dass ich irgendwo recht habe, das bringt noch niemandem was.«
Luisa Neubauer bei Jung und Naiv [verlinkt zum Podcast) am 19.4.2022

Könnte doch ein Teil der Lösung sein.




Vorbilder


Auf die Frage, ob ich pessimistisch oder optimistisch sei, antworte ich, dass mein Erkennen pessimistisch und mein Wollen und Handeln optimistisch ist.
Albert Schweitzer (1875—1965)

Von Caroline Criado Perez und ihrem Buch Unsichtbare Frauen. Wie eine von Daten beherrschte Welt die Hälfte der Bevölkerung ignoriert hatte ich schon mal kurz geschrieben.

Aus dem Englischen von Stephanie Singh
Aus: Invisible Women The Newsletter

Der Data Gender Gap beschäftigt seit Jahren auch die deutsche Journalistin Rebekka Endler. In ihrem Buch Das Patriarchat der Dinge erklärt sie unterhaltsam, „Warum die Welt den Frauen nicht passt“.

336 Seiten, erschienen am 12.04.2021

Kennengelernt habe ich Rebekka Endler und ihr Buch vor einigen Wochen im Gespräch mit Barbara Rohm, der Mitbegründerin des feministischen Thinktanks Power To Tranform! beim Power Morning, den man hier bei youtube nachsehen kann.

Eine Roman-Empfehlung von Rebekka Endler – im stromern-Podcast: Drei Kameradinnen von Shida Bazyar, im April 2021 erschienen bei Kiepenheuer & Witsch
Da kann ich mich nur anschließen.

Sheida Bazyars völlig zu Recht etwas vorlauter, zynischer-ironischer Ton, ihre Erzählhaltung, ihre Art, uns Leser:innen anzusprechen – ich fühlte mich mit meinen Vorurteilen oft ertappt.

Apropos Patriarchat: Maren Kroymann singt am Ende ihrer großartigen Sendung KROYMANN vom 9.12.2021 genau zum Thema, so lustig wie entlarvend.

Als Fan von Maren Kroymann outet sich Carolin Kebekus, deren neuestes Buch Es kann nur eine geben ich jedem und jeder ans Herz lege, vor allem als Hörbuch. Wobei einige Stellen ganz schön krass sind. Wie im echten Leben eben.

Ungekürzt = 8 Std. 32 Min. Hörvergnügen

Wer für den Moment genug Bücher auf der Lesewunschliste hat und diesen Film noch nicht kennt: Ich bin dein Mensch, noch bis zum 22.6.22 in der ARD-Mediathek zu sehen.

Dan Stevens und Maren Eggert

„Alma trifft auf Tom, eine hochentwickelte Maschine in Menschengestalt, einzig dafür geschaffen, sie glücklich zu machen …“ – Letterbox Filmproduktion über Ich bin dein Mensch. Nicht nur wegen Maren Eggert absolut sehenswert!

Das Drehbuch von Maria Schrader und Jan Schomburg beruht übrigens auf Motiven der gleichnamigen Kurzgeschichte von Emma Braslavsky, die ich neulich in einem sehr interessanten Gespräch mit Sasha Marianna Salzmann gesehen habe, im Rahmen der Ricarda Huch Poetikdozentur für Gender in der literarischen Welt [was es nicht alles gibt …], unter dem Titel: Der Android ist eine Frau [verlinkt zu youtube]

Emma Braslavskys jüngster Roman Die Nacht war bleich, die Lichter blinkten, der 2019 bei Suhrkamp erschienen ist, erzählt ebenfalls von einer nahen Zukunft und dem Zusammenleben mit Humanoiden. Was macht uns eigentich einzigartig als Menschen?

Sasha Marianna Salzmann hat im letzten Herbst einen neuen Roman bei Suhrkamp veröffentlicht, den ich immerhin schon angefangen habe zu lesen: Im Menschen muss alles herrlich sein.

Tolles Cover, oder?

Nach so viel Frauenpower möchte ich nun aber doch noch von den beiden Männern schwärmen, die mir oft den Tag retten, wie man so sagt: Marc-Uwe Kling und Bernd Kissel. Inzwischen gibt es über 300 Folgen ihrer Känguru-Comics, fast täglich auf ZEIT online – guckt sie Euch an!

Aus Folge 307 vom 21. Dezember 2021: Das Kommentier


Am Limit

Rio Reiser (1950–1996) hat sich vor 35 Jahren vorgestellt, wie’s wär, König von Deutschland zu sein. Inzwischen sind wir weiter und ich stelle mir vor, wie’s wär, Kaiserin von Europa zu sein.

(c)Lienhard Schulz Tempolimit im Naturpark Nuthe-Nieplitz

Meine ersten Verfügungen als Kaiserin von Europa wären: tagsüber Tempo 100 auf allen Autobahnen, so wie in den Niederlanden, und Tempo 130 von 19 bis 6 Uhr. Luxussteuer auf Hochprozentiges, SUVs, Yachten usw. Außerdem mehr Bürger*innenversammlungen, Grundeinkommen, Subventionen nur noch für ökologisch-nachhaltige Landwirtschaft etc. Ich bin sicher, uns fallen noch eine Menge anderer Maßnahmen ein, die nicht zwingend im Koalitionsvertrag stehen.

Demo in Berlin am 19.11.2021 (Quelle: FFF)

Fridays for Future z. B. fordert von der neuen Bundesregierung in den ersten 100 Tagen:

  1. Die Verabschiedung eines 1,5°C-konformen CO2-Budgets, verbindlich als Grundlage eines Reduktionspfades, unabhängig kontrolliert mittels eines Mechanismus zur Prüfung aller Gesetze und Infrastrukturprojekte auf Kompatibilität mit dem CO2-Budget
    Mehr zu den Forderungen

Leider beschäftigt uns gleichzeitig noch immer die weiter eskalierende Corona-Lage 😡😡😡
Wer sich um Ungeimpfte im eigenen Umfeld Sorgen macht, denen empfehle ich: Sascha Lobo, Warum soll ich mich impfen lassen? – seit dem 17.11.21 online auf spiegel.de, ausdrücklich zum Weiterleiten.

Verhärtete Fronten gibt es bekanntermaßen auch beim Thema Gendern. Tscha. Bereits in der Gründungsakte der Goethe-Universität Frankfurt von 1914 ist übrigens von „Studierenden“ die Rede, worauf neulich Frau Prof. Dr. Helma Lutz bei einer Podiumsdiskussion aufmerksam machte.
Gern genommen wird als Argument für das generische Maskulinum, man dürfe das Gerundivum „studierend“ nicht benutzen, denn man könne ja unmöglich gleichzeitig studieren und Pizza essen.
Ob es 1914 in Frankfurt schon Pizza-Lokale gab?

Die Podiumsdiskussion GENDER(n) – Wahn oder Sinn? [verlinkt zu youtube] fand am 19.10.2021 in der Reihe „Die Stunde der Wahrheit“ auf Einladung der hessischen Wissenschaftsministerin statt.
Auch Prof. Harald Lesch hat sich in seiner ZDF-Sendung Leschs Kosmos im Oktober dem Thema Gleichberechtigung gewidmet und bezieht sich dabei auf einige Studien: Gendern – Wahn oder Wissenschaft?

Quelle: ZDF_Mediathek

Inzwischen sei wissenschaftlich belegt, dass eine männlich geprägte Sprache zu einem männlich geprägten Blick auf die Gesellschaft beiträgt. Gendern könne dagegen wirken. Harald Lesch sagt: „Der veränderte Sprachgebrauch führt zu einer erweiterten Gedankenlandschaft.“ Klingt doch gut.
Nachzusehen ist das Video in der ZDF-Mediathek bis zum 6.10.2026. Bis dahin ist es hoffentlich selbstverständlich, Frauen sprachlich nicht nur mitzumeinen, sondern auch mitzunennen.

Frauen im Literaturbetrieb sichtbarer zu machen, gehört zu den Anliegen der Literaturwissenschaftlerin Dr. Nicole Seifert. Ihr Buch FRAUEN LITERATUR: Abgewertet, vergessen, wiederentdeckt und ihren Blog NachtundTag habe ich grad für mich entdeckt.
Nicole Seifert, FRAUEN LITERATUR: Abgewertet, vergessen, wiederentdeckt
Kiepenheuer & Witsch, 224 Seiten, erschienen am 9.9.2021

Meine jüngste Buch-Entdeckung, im Podcast Das Lesen der Anderen empfohlen von der Berliner Schriftstellerin Kirsten Fuchs:

Avant-Verlag 2019

In I’m every woman erzählt Liv Strömquist den Mythos vom männlichen Genie neu, aus weiblicher Perspektive, z. B. aus der Sicht von Jackson Pollocks Frauen, den Künstlerinnen Lee Krasner und Ruth Kligman.
Liv Strömquist, geboren 1978 im schwedischen Lund, gilt als eine der einflussreichsten feministischen Comiczeichnerinnen. Die junge Buchhändlerin, bei der ich den Comic telefonisch bestellt habe, wusste gleich, wen ich meine …

Wenn eine Frau sagt »Jeder«, meint sie: jedermann.
Wenn ein Mann sagt »Jeder«, meint er: jeder Mann.
Marie von Ebner-Eschenbach (1830–1916)


Aufbrüche

»Weitermachen ist sinnlos, aber aufhören ist noch sinnloser. Also machen wir weiter!«

Sr. Ruth Pfau (1929–2017)

Gemeinsam mit lokalen Initiativen wie Alle Dörfer Bleiben ruft Fridays For Future zu einer Demonstration am 31.10.2021 um 12 Uhr in Lützerath auf.

Quelle: openstreetmap

Die Demonstration richtet sich gegen die geplante Ausweitung des Braunkohle-Tagebaus Garzweiler, wodurch sechs Dörfer umgesiedelt werden müssten.
„Im Rheinland entscheidet sich gerade, ob Deutschland seine Versprechen zu 1,5-Grad einhalten kann … Wir fordern von der nächsten Bundesregierung den Erhalt von Lützerath und allen Dörfern am Tagebau sowie einen Kohleausstieg bis spätestens 2030“, sagt Christina Schliesky, Sprecherin von Fridays for Future.

Panorama-Aufnahme (Ausschnitt) des Tagebaus Garzweiler 2005
© Raimond Spekking / CC BY-SA 4.0

Passend dazu aus der Reihe Für mich neue Wörter: Solastalgie
Solastalgie bezeichnet ein belastendes Gefühl des Verlustes, das entsteht, wenn jemand die Veränderung oder Zerstörung der eigenen Heimat bzw. des eigenen Lebensraums direkt miterlebt. Solastalgie ist eine Kombination aus dem lateinischen Begriff sōlācium (Trost) und der griechischen Wurzel -algia (Schmerz, Leiden, Krankheit). Quelle: Wikipedia

Tsitsi Dangarembga, Friedenspreisträgerin 2021

Am vergangenen Sonntag wurde der aus Simbabwe stammenden Schriftstellerin und Filmemacherin Tsitsi Dangarembga in der Frankfurter Paulskirche der Friedenpreis des Deutschen Buchhandels verliehen. Auf der Friedenspreis-Website lassen sich alle Reden nachhören und -lesen. Besonders bewegend fand ich die Rede der Preisträgerin.

Die Vorsteherin des Börsenvereins des Deutschen Buchhandels Karin Schmidt-Friderichs hatte in ihrer Rede so begeistert von Tsitsi Dangarembgas Tambudzai-Trilogie, insbesondere den Romanen Aufbrechen und Überleben erzählt, dass ich dachte, vor allem Aufbrechen muss ich unbedingt lesen.

Aus dem Englischen von Ilija Trojanow
Orlanda Verlag, 280 Seiten, erschienen am 15.12.2019
Aus dem Englischen von Anette Grube
Orlanda Verlag, 376 Seiten, erschienen am 30.8.2021
Hanser Verlag, 128 Seiten, erschienen am 17.8.2020

Außerdem auf meiner Leseliste: Frausein von Mely Kiyak, die in diesem Jahr als erste Autorin mit dem BücherFrauen-Literaturpreis ausgezeichnet wird.

Mely Kiyak ©Jacqueline Illemann

Die mit 10 000 Euro dotierte Auszeichnung ist mit der Statuette Christine verbunden, benannt nach der Schriftstellerin und Philosophin Christine de Pizan (um 1365 bis um 1430).
Barbara Fischer stellt Christine de Pizan [Link zum BücherFrauen-Blog] in ihrem sehr lesenswerten Beitrag vor.

Von Torsten Körners Dokumentarfilm DIE UNBEUGSAMEN hatte ich ja schon im September geschwärmt. Ich habe ihn grad zum zweiten Mal gesehen, wiederum mit einer Mischung aus Entsetzen und Vergnügen, nachdem ich In der Männer-Republik. Wie Frauen die Politik eroberten gelesen habe – großartig wie der Film und mit noch mehr Einblicken in diese Welt der Bonner Republik, die immer weiter nachwirkt.

KiWi-Taschenbuch, 368 Seiten, erschienen am 19.8.2021


Wann Alina Bronsky wohl eine Fortsetzung von Barbara stirbt nicht schreibt? Denn das Einzige, was mir an ihrem jüngsten Roman nicht gefallen hat, ist das etwas abrupte Ende der tragikomischen Erzählung von Walter Schmidt und seinen Strategien für seine neue Lebensphase …

Kiepenheuer & Witsch, 256 Seiten, erschienen am 9.9.2021

Zum Abschluss ein Foto vom August 2021 aus einer neuen kleinen Serie, die in lockerer Folge Umgedeutete Verkehrsschilder vorstellt:

Foto: marengide, gesehen in Blankenese an Broers Treppe


Harmoniebedürftig?

„The disease to please“, nennt es Oprah Winfrey, die US-amerikanische Talkshow-Moderatorin. Manche Wendungen klingen im Englischen einfach cooler. Das Leiden, allen gefallen zu wollen?

Streitbare Frauen werden gern mal als hysterisch, nervig und jedenfalls streitsüchtig bezeichnet. Zänkisch und „Drachen“ kenne ich von früher und sehe eine Frau mit Besen vor mir, warum auch immer. Jedenfalls kehrt sie nicht alles Unangenehme unter den Teppich, sondern trägt ihre Konflikte offen aus, wenn auch undiplomatisch.

Jenseits von richtig und falsch
liegt ein Ort.
Dort treffen wir uns.
Rūmī (1207–1273)

Was für eine wunderbare Einladung in diesen konfliktreichen Zeiten, wo so viele die „Wahrheit“ für sich gepachtet haben.


Letzte Woche fand in Berlin – von den Medien weitgehend ignoriert – der Rebellion-Wave von XR statt. XR = Extinction Rebellion ≈ Aufstand gegen das Aussterben. Gleich Montag gab es einen „Trauerzug der toten Bäume“, vorbei an den Ministerien für Landwirtschaft, Verkehr und Wirtschaft. Friedlich, kreativ, widerständig.

„Stirbt der Wald, stirbt der Mensch! Die zusätzliche Belastung durch Extremwetter der Klimakrise sieht man bereits im ganzen Land. Wir fordern: Wald statt Asphalt!“ XR Deutschland

Übrigens können wir XR auch mit dieser Payback-Karte unterstützen:

Schon seit einem Jahr gibt es Baumbesetzungen und andere Proteste des gewaltfreien Widerstands in Nordhessen, um den Dannenröder Forst, auch Danni genannt, vor dem Weiterbau der A 49 von Gießen nach Kassel zu retten. www.danni-bleibt.de
Für den Ausbau der A 49 sollen bei Stadtallendorf etwa 85 Hektar Wald weichen – eine Schneise, die insgesamt fast 120 Fußballfeldern entspricht. Der Beschluss für diesen Autobahnabschnitt stammt übrigens aus den 1970er Jahren.

Zum Eilappell von Campact –> Dannenröder Wald: Stoppt die Rodung!

Jenseits von richtig und falsch
liegt ein Ort.
Dort treffen wir uns.
Rūmī (1207–1273)

Total gefreut habe ich mich am 1. Oktober mit Hannah Kiesbye, deren Idee für einen „Schwer in Ordnung“-Ausweis  in den letzten Jahren hohe Wellen geschlagen und u. a. dazu geführt hat, dass die Sozialministerien von wenigstens zehn Bundesländern eine „Schwer in Ordnung“-Hülle anbieten. Angefangen hat alles 2017 mit dieser Geschichte [als PDF bei kidshamburg.de]

Unter dem Motto „Vereint und füreinander da“ hat Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier am 1. Oktober 2020 Hannah und 14 weiteren Bürger*innen einen Verdienstorden der Bundesrepublik Deutschland verliehen. Noch bis zum 1.1.2021 in der NDR-Mediathek nachzusehen ist dieser sehr schöne Beitrag „Halstenbekerin Hannah Kiesbye Bundesverdienstkreuz“ [2 min]

Eine ebenfalls couragierte und kreative junge Frau ist die Heldin in Karin Kalisas Roman Radio Activity, den ich grade begeistert als Hörbuch „verschlungen“ habe, da die Autorin das Thema Sexueller Missbrauch und die frühzeitige Verjährung der Tat ganz ungewöhnlich bearbeitet hat.
   

Über die Onleihe unserer Stadtbücherei lese ich grad – übrigens eine Empfehlung der Transformationsforscherin Maja Göpel:
Kübra Gümüşay, Sprache und Sein
Hanser Berlin, erschienen am 27.01.2020
208 Seiten
Die wunderbare Einladung von Rumi stellt Kübra Gümüşay ihrem Buch voran.
Ich bin erst auf Seite 55, finde aber Sprache und Sein schon jetzt eine große Bereicherung.

„Nicht jeder kann in der Sprache, die er spricht, sein. Nicht etwa, weil er die Sprache nicht ausreichend beherrscht, sondern weil die Sprache nicht ausreicht.“
Kübra Gümüşay

Jenseits von richtig und falsch
liegt ein Ort.
Dort treffen wir uns.
Rūmī (1207–1273)

Auf meiner Wunsch-Leseliste steht noch:
Caroline Criado-Perez, Unsichtbare Frauen
Wie eine von Daten beherrschte Welt die Hälfte der Bevölkerung ignoriert
Aus dem Englischen von Stephanie Singh
btb, erschienen am 10.02.2020
496 Seiten

Caroline Criado-Perez habe ich über diesen empfehlenswerten Beitrag in ttt – titel, thesen, temperamente kennengelernt:
„Unsichtbare Frauen“: Der Mann als Maß aller Dinge | [Video verfügbar bis 16.02.2021]

Quelle: NDR

Am Parliament Square in London hat Criado-Perez eine erste Frau sichtbar gemacht, zwischen all den Statuen berühmter Männer: die britische Frauenrechtlerin Millicent Garrett Fawcett (1847–1929).

 

 


Neue Narrative

Vor gut einem Jahr wurde auf Island der Gletscher Okjökull mit einer Zeremonie für „tot“ erklärt. Dieser Tagesspiegel-Artikel vom 19.8.2019 erklärt sehr gut, was es mit der weltweit grassierenden Gletscherschmelze auf sich hat: Okjökull wegen der Erderwärmung geschmolzen

Quelle: Der Tagesspiegel

Quelle: Der Tagesspiegel

Andri Snær Magnason (* 1973 in Reykjavík) hat ein faszinierendes Buch geschrieben über die Geschichte der Gletscher, seine eigene Familiengeschichte, eine Reise nach Indien und die Gefahren in der Klimakrise weltweit. Magnason erfindet eine neue Sprache, neue Narrative, damit wir besser begreifen, was wir alles mit unserem andauernden Verhalten aufs Spiel setzen.
Wasser und Zeit – Eine Geschichte unserer Zukunft
Aus dem Isländischen von Tina Flecken
Insel Verlag, 18.5.2020

»Als Guðrún und Valur, die Geschwister meiner Großmutter, geboren wurden, rief man einen Pfarrer anstatt eines Arztes und sie starben. Jetzt wo die Erde in Gefahr ist, soll man da einen Ökonomen oder einen Ökologen rufen?«
Aus: Magnason, Wasser und Zeit, S. 242

Im Rahmen des internationalen literaturfestivals berlin ist Andri Snær Magnason eingeladen ins FUTURIUM zum Gespräch mit Maja Göpel, Christiane Grefe und Claudia Kemfert. Ich freu mich, am 11.9. dabei zu sein. Damit alle auch von zu Hause aus dabei sein können, wird »Gegenwart und Zukunftsperspektiven der Bioökonomie« live im Internet übertragen.
Zum Livestream am 11.9.2020 ab 18 Uhr auf youtube

Höchstwahrscheinlich würde sich Andri Snær Magnason auch ausgezeichnet mit der indischen Aktivistin Dr. Vandana Shiva (* 1952) verstehen. Ihr Buch Eine andere Welt ist möglich. Aufforderung zum zivilen Ungehorsam, entstanden aus Gesprächen mit dem französischen Journalisten Lionel Astruc, ist vor einem Jahr erschienen.

Vandana Shiva erzählt über ihr Leben, ihre Motivation, ihre Kämpfe gegen Monsanto, Nestlé und Co. und von ihrer  Vision für eine bessere Zukunft. Zur Leseprobe (PDF) auf der Seite des Oekom Verlags.

Als Einstimmung bietet sich dieses Interview mit Vandana Shiva (spricht sich übrigens mit kurzem i) auf utopia.de an.
»Wie ich mit dem Druck umgehe: Indem ich von der Natur und der ökologischen Landwirtschaft lerne. Es gibt ein inneres System: Ein Samenkorn – es ist winzig – wird eingepflanzt und zum Baum. Oder zu einer Haferpflanze oder zu Gerste. Das Korn weiß im Inneren, dass es eine Gerste ist, niemand muss ihm das sagen. Wenn wir unser Selbstbewusstsein aufrechterhalten, unsere innere Orientierung und unser Gewissen, dann kann uns keine Gewalt von einem äußeren patriarchalen System innerlich etwas anhaben.« Vandana Shiva im utopia-Interview vom Februar 2020.

Quelle: youtube

Quelle: youtube

Im Januar hat Vandana Shiva eine großartige Rede zur Eröffnung der Lessingtage 2020 im Hamburger Thalia-Theater gehalten, die ebenfalls bei youtube nachzuerleben ist [auf Englisch, 40 min].

Gern erinnere ich noch mal an den Globalen Klimastreik von Fridays For Future am Freitag, dem 25.9.2020

Fight Every Crises war das Motto der coronabedingt ersten digitalen Großdemo am 24.4.2020. Alle Krisen, die uns zur Zeit bedrohen, treffen uns je nach Alter, Wohnort, Einkommen etc. sehr unterschiedlich, global als auch hier in Deutschland. Der Paritätische Wohlfahrtsverband und der Verein Sanktionsfrei haben ein kurzes Quiz zu Hartz 4 ins Netz gestellt, bei dem ich ganz naiv und peinlicherweise nur eine Frage richtig beantwortet habe.

Gemeinsam

Vergesset nicht
Freunde
wir reisen gemeinsam

besteigen Berge
pflücken Himbeeren
lassen uns tragen
von den vier Winden

Vergesset nicht
es ist unsre
gemeinsame Welt
die ungeteilte
ach die geteilte

die uns aufblühen läßt
die uns vernichtet
diese zerrissene
ungeteilte Erde
auf der wir
gemeinsam reisen

Aus: Rose Ausländer, Gedichte, S.Fischer

Für alle, die noch nicht genug Podcasts abonniert oder einfach Lust haben, einer begeisterten Musikliebhaberin zuzuhören, hier noch ein Tipp: NDR Kultur – Stereo. In der ersten Folge vom 29.8.2020 hat Carolin Emcke den venezianischen Komponisten Baldassare Galuppi (1706–1785) vorgestellt und eines ihrer Lieblingsstücke von Miles Davis, NDR Kultur – Stereo [19 min]. Galuppis schlicht schöne Sonata in C major bei youtube in voller Länge [15 min], eingespielt 1962(!) von Arturo Benedetti Michelangeli.

Quelle: Der Tagesspiegel

Ganz ignorieren lässt sich die Pandemie auch im Textbeet nicht.
Wie das Coronavirus den Körper befällt zeigt interaktiv und gut verständlich, wie das Virus den Menschen benutzt, um sich zu vermehren. Also weiter Hände waschen, Maske auf, Abstand halten und unbelüftete Räume meiden.