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Kompost für den Alltag


O Himmel ist das recht?

Haben wir noch Zeit genug, die Bücher zu lesen, die uns aus der Klimakrise führen könnten?

Die kanadische Journalistin Naomi Klein hat bereits einiges zur Globalisierung veröffentlicht. Der Klimawandel schien ihr nicht relevant zu sein, sagt sie, bis sie den engen Zusammenhang zwischen Umweltzerstörung und Ungleichheit erkannte.

This Changes Everything – Naomi Klein | Guardian Docs (09:43 min),
am 6.3.2015 bei youtube veröffentlicht. Erschreckend mal wieder – eine Dokumentation von 2015, die Fakten weitgehend ignoriert, das Video könnte auch von 2019 sein.

   

Naomi Kleins neues Buch On Fire: The (Burning) Case for a Green New Deal ist bei Barnes & Noble angekündigt für den 27.09.2019, die deutsche Ausgabe Green New Deal: Wir können unseren Planeten retten! soll Anfang November bei Hoffmann und Campe erscheinen, in der Übersetzung von Gabriele Gockel und Barbara Steckhan.


Naomi Klein © Kourosh Keshir
Quelle: hoffmann-und-campe.de

Zum Vormerken: die Bewegung Extinction Rebellion ruft für den 27. September 2019 gemeinsam mit Fridays for Future, United4Earth, IWW Environmental Unionist Caucus, Youth Strike 4 Climate und Demand Utopia zum Earth Strike auf, zum bislang größten weltweiten Klimaprotest.

»O wunderbares Glück! Denk doch einmal zurück: Was hilft mir mein Studieren, viel Schulen absolvieren? Bin doch ein Sklav, ein Knecht. O Himmel ist das recht?«
Christian Friedrich Daniel Schubart (1739–1791)

Wikipedia zum Begriff Ziviler Ungehorsam:
»Durch einen symbolischen, aus Gewissensgründen vollzogenen, und damit bewussten Verstoß gegen rechtliche Normen zielt der handelnde Staatsbürger mit einem Akt zivilen Ungehorsams auf die Beseitigung einer Unrechtssituation … Durch den symbolischen Verstoß soll zur Beseitigung des Unrechts Einfluss auf die öffentliche Meinungsbildung genommen werden.«

Die Bücher der bemerkenswert unangepassten Autorin Anke Stelling erscheinen seit 2016 passend im Verbrecher-Verlag. Ihr jüngster Roman Schäfchen im Trockenen wurde mit dem Preis der Leipziger Buchmesse 2019 ausgezeichnet. Die Jury begründete: »Schäfchen im Trockenen ist ein scharfkantiger, harscher Roman, der wehtun will und wehtun muss, der protestiert gegen den beständigen Versuch des besänftigt Werdens, der etwas aufreißt in unserem sicher geglaubten Selbstverständnis und dadurch den Kopf frei macht zum hoffentlich klareren Denken.«

         

Schäfchen im Trockenen (2018)
272 Seiten
Fürsorge (2017)
176 Seiten
Bodentiefe Fenster (2016)
256 Seiten

Nun noch ein Hörbuch-Tipp. Im Spiegel hat Franziska Wolffheim den neuen Roman von Alina Bronsky niedergemacht: »Im typischen ›Bronsky-Beat‹ porträtiert Alina Bronsky … eine Helikopter-Großmutter, die ein Wohnheim zu kontrollieren sucht. Könnte sehr lustig sein – wären die Figuren nicht solche Pappnasen.« Fand ich überhaupt nicht. Vielleicht hätte die Rezensentin sich den Roman lieber von Sophie Rois vorlesen lassen sollen? Fand ich großartig!

Alina Bronsky, Der Zopf der Großmutter. Meine Großmutter, mein Großvater, seine Geliebte und ich
Erschienen bei Roofmusic

In leicht melancholischer Stimmung höre ich grad besonders gern das Brad Mehldau Trio, genau gesagt ihr Cover von Time Has Told Me (bei youtube, 08:40 min)
veröffentlicht auf Where Do You Start (2012)

   
Auch schön, und mit Text, das Original von Nick Drake Time Has Told Me (bei youtube, 04:27 min)
auf Five Leaves Left (1969)

Und noch was für Leib und Seele, meine jüngste Kreation:


Aprikosen-Pfingst-Kuchen

· 250 g Butter
· 250 g Mehl
· 250 g Vollkorn-Mehl
· 200 g Rohrzucker
· 2 Eier
· 1 Pk Bourbon-Vanillezucker
zu einem glatten Teig kneten und die Formen damit auskleiden.

· etwa 1.250 g gewaschene Aprikosen
in Spalten schneiden und auf den Teig legen.

· 6 Eiweiß, leicht aufgeschlagen,
· 250 g Zucker
· 400 g gemahlene Mandeln
· 1 Pk Bourbon-Vanillezucker
zum Guss verrühren, auf dem Obst verteilen.

Bei 175 Grad etwa 45 min backen.
Menge für ein Blech und eine kleine Form.

DIES IST ÜBRIGENS TATSÄCHLICH SCHON BEITRAG NR. 50 …

 


Klima-Rebellion

If we did all the things we are capable of, we would literally astound ourselves. *
Thomas A. Edison [Quelle: Brainyquote]

Wer auf die Website vom Umweltbundesamt geht, kann über Wörter wie »Klimaanpassungsdienste« stolpern und Sätze wie: »In Zukunft werden sich der Klimawandel und seine Folgen noch verstärken. Es ist daher wichtig, dass wir uns rechtzeitig und effizient anpassen.«

Haben wir den Kampf schon aufgegeben? Ist der „Klimawandel“ doch unser unausweichliches Schicksal? Das Bundesumweltamt (die Bundesregierung?) jedenfalls scheint mehr Energie auf die Anpassung an den „Klimawandel“ verwenden zu wollen als auf den Versuch, die drohende Klimakatastrophe mit effizienten Maßnahmen zu verhindern.

Foto: picture alliance

Der Meeresspiegel steigt? Die Nordseewellen kommen immer näher?
Erste Pfahlbauten in St. Peter-Ording sind in diesem Jahr schon 100 Meter weiter ins Landesinnere versetzt worden!

Dabei gibt es weltweit unglaublich viele Projekte, die uns Mut machen könnten, für den Klimaschutz zu handeln. Solche Projekte versammelt auch nur positive nachrichten.

Für diesen Wald im Süden Indiens pflanzt der Landwirt Jadev Molai Payeng seit 1979 jeden Tag einen Baum. Der beeindruckende Dokumentarfilm [16:34 min] über den „Forest Man“ ist hier zu sehen.

Empfehlen möchte ich außerdem das Video A Message From The Future With Alexandria Ocasio-Cortez, wunderbar animiert von der Künstlerin Molly Crabapple, von Naomi Klein veröffentlicht am 17.4.2019 auf der Plattform unabhängiger JournalistInnen The Intercept.

   

Der siebenminütige Film antwortet auf die Frage: Was ist möglich, wenn wir unseren Kurs radikal ändern, um damit unseren Lebensraum und uns selbst zu retten? Eignet sich bestimmt für den Wahlkampf von Alexandria Ocasio-Cortez, Hoffnungsträgerin vieler DemokratInnen in den USA.

Auch die neue Organisation Extinction Rebellion (Rebellion gegen das Artensterben) ruft auf zu einer radikalen Kehrtwende. In London hat es Mitte April erste Sitzblockaden und phantasievolle Aktionen gegeben, über die der Guardian in diesem Beitrag berichtet hat.

Quelle: The Guardian

Quelle: krautreporter.de

Das Video Extinction Rebellion: a week of protest in three minutes bei youtube [03:37 min].

Meine Hoffnung: Organisationen wie Extinction Rebellion bringen so viele Menschen in gewaltfreiem Widerstand auf die Straße, dass die Verantwortlichen in Politik und Wirtschaft gar nicht anders können, als so-fort alles Mögliche zur Erreichung der Klimaschutzziele zu tun. Was ist grad dringlicher als die Verhinderung des Klimakollapses, den nicht nur SchülerInnen, auch WissenschaftlerInnen – Scientists for Future – prognostieren?

Zur Ablenkung und Inspiration empfehle ich gern meine momentane Lektüre – den neuen Roman von Siri Hustvedt

© Marion Ettlinger

    

Siri Hustvedt, Memories of the Future
320 Seiten, gebunden, Simon and Schuster

Siri Hustvedt, Damals
448 Seiten, gebunden, Rowohlt,
übersetzt von Uli Aumüller und Grete Osterwald

Schließlich noch eine Nachricht aus der Nachbargemeinde Halstenbek, die mich weiter an »das Gute« glauben lässt:

Schenefelder Tageblatt vom 26.4.2019

Niedlich, nicht? Feuerwehrleute retteten am 24.4.2019 diese Entenküken mit einer Steigleiter aus einem tiefen Luftschacht, in den sie gepurzelt waren.
Übrigens werden Enten seit 1989 als Schädlingsbekämpferinnen beim Reisanbau in Asien eingesetzt, ganz ökologisch. Gefunden auf einer weiteren „Positive-Nachrichten-Seite“: Umuntu.

* Würden wir alle Dinge tun, zu denen wir in der Lage sind, könnten wir über uns selbst staunen.
Thomas A. Edison


Das leisten wir uns

Zur Einstimmung schlage ich vor, Die Anstalt von gestern Abend in der ZDF-Mediathek nachzusehen. 51 Minuten politisch-satirisches Bildungsfernsehen [verfügbar bis zum 16.4.2020]. Mit Max Uthoff als Sir Isaac Newton und Claus von Wagner als Andreas Scheuer, CSU-Verkehrsminister (Bundesminister für Verkehr und digitale Infrastruktur) – genial.

Still_DIe Anstalt_9.4.2019

Quelle: ZDF-Mediathek

Fridays-For-Future hat vorgestern auf ihrer Pressekonferenz im Berliner Naturkundemuseum erstmals Forderungen bekannt gegeben. Die SprecherInnen fordern von der Bundesregierung die Einhaltung der Ziele des Pariser Abkommens und damit des 1,5°C-Ziels und eine 100% erneuerbare Energieversorgung für Deutschland bis 2035. Weitere Informationen finden sich hier und z. B. im Bericht der Süddeutschen Zeitung vom 9.4.2019.

FFF-PK_8.4.2019

Pressekonferenz im Berliner Naturkundemuseum. Quelle: dpa

Ganz sicher kann jede und jeder von uns noch mehr gegen den Klimawandel tun. Wir können (noch) mehr Rad statt Auto fahren, auf Flugreisen verzichten etc. pp. Aber letztlich ist es die Politik, die Gesetze erlassen muss, damit das Pariser Klimaschutzabkommen eingehalten werden kann. Durch den Ausstieg aus der Kohle, die Besteuerung von Flugbenzin (klar: europaweit), ein Tempolimit auch auf deutschen Autobahnen etc. pp. Und wir alle können den Druck auf die Politik erhöhen. Zum Beispiel am Freitag, dem 24. Mai 2019, wenn der nächste GLOBALE KLIMASTREIK der Fridays-For-Future-Bewegung stattfindet.

Das war an mir vorbeigegangen: Schon Ende November 2018 wurde in einigen Medien über ein schwedisches Phänomen berichtet, das inzwischen auch in anderen Ländern auftaucht: FLYGSKAM – die Flugscham. Unter #jagstannarpåmarken [»Ich bleib auf dem Boden«] tauschen sich SchwedInnen über die Alternative, Bahn zu fahren, aus.
Mehr dazu unter bedeutungonline.de und unter #zugstattflug

Derweil wollen wir den Frühling genießen, Kekse fürs Osternest backen und schöne Bücher lesen.
Bei uns im Regal stehen drei Bände aus den Anfangsjahren der Anderen Bibliothek aus dem Hause Greno, der 1985 mit dem Verlegen der bibliophilen Ausgaben begonnen hat; als Herausgeber zeichnete bis 2007 Hans Magnus Enzensberger. Dabei stammt grob geschätzt(!) bis heute nur jeder 10. Band der Anderen Bibliothek aus der Feder einer Frau. Sei’s drum.
Alle drei Titel sind übrigens nur noch antiquarisch, z. B. über booklooker zu bekommen.

Andreas Thalmayr (= Hans Magnus Enzensberger (*1929)
Das Wasserzeichen der Poesie oder die Kunst und das Vergnügen, Gedichte zu lesen
Die Andere Bibliothek Band 9. Nördlingen: F. Greno 1985

Josef Škvorecký (1924–2012)
Feiglinge. (Übers.: Karl-Heinz Jähn)
Die Andere Bibliothek Band 16. Nördlingen: F. Greno 1986

Raymond Federman (1928–2009)
Alles oder Nichts (Übers.: Peter Torberg)
Die Andere Bibliothek Band 22. Nördlingen: F. Greno 1986

Tatsächlich liebäugele ich mit Band 413, der im Mai erscheint.
Bettine von Arnims Letzte Liebe. Das unbekannte Briefbuch

Cover_Arnim_LIebe

Schließlich mal wieder ein Keksrezept – wenig Aufwand, viel Genuss!

Mandelsplittergebäck

1 Ei mit 80 g Rohrzucker verrühren, 200 g Mandelsplitter und 150 g Sonnenblumenkerne untermischen, mit einem Teelöffel Häufchen aufs Backpapier setzen (zwei Bleche), bei 170 Grad Umluft im Ofen etwa 10 Minuten backen, nur leicht anbräunen und gut abkühlen lassen.

Mandelsplittergebaeck


Kopf im Sand

Einem mir gut bekannten jungen Mann fiel zum Ausdruck »Den Kopf in den Sand stecken« das grad grassierende Prokrastination ein. In diesem Wort steckt alles drin: Krasses Ignorieren von Aufgaben, die eigentlich dringend erledigt sein wollen, und dieses gewisse »Ich kann auch nichts dafür«, da es sich offenbar um eine Art Fluch handelt.

Zeichnung von Adolf Oberländer (1877)

Auf neueswort.de findet sich: »Die Prokrastination stammt vom lateinischen procrastinatio (Vertagung) ab … ein kontraproduktives und unnötiges Aufschieben …«
Das Kopf-in-den-Sand-Stecken bietet also kaum Vorteile. Und doch vertagen wir ständig die Auseinandersetzung mit Problemen. Wir verdrängen, fühlen uns nicht angesprochen [Waaaas? Es gibt einen Zusammenhang zwischen Flugverkehr und Klimawandel? Echt jetzt?], würden zu gern so bequem und relativ entspannt weiterleben und auf gar keinen Fall persönliche Nachteile in Kauf nehmen wollen. Außerdem: Was kann ich allein schon ausrichten?

Als mir neulich diese adretten Plakate auffielen

 

Jennifer Aniston wirbt für Smart Water (c) Coca-Cola

hatte ich gleich Nestlé im Verdacht. Aber es steckt doch Coca-Cola dahinter. Der US-amerikanische Konzern hofft wohl, dass auch europäischen GroßstädterInnen gefallen könnte, worauf man in Hollywood nicht mehr verzichten möchte: WASSER  in Plastikflaschen. Selbstverständlich kein gewöhnliches, sondern quasi kluges Wasser. 

Wir hier im »echten Norden« sind heilfroh, dass wir uns keine Sorgen ums Trinkwasser machen müssen, trotz der ungewöhnlichen Dürre dieses Sommers. Das aus der Nordheide schmeckt übrigens ausgezeichnet.

In diesem Zusammenhang berichtete die Landeszeitung aus Lüneburg im letzten Jahr unter der Überschrift Wem gehört das Trinkwasser?, dass Coca-Cola Deutschland am Standort Lüneburg »ViO« abfülle und »in den vergangenen Jahren keine Gewerbesteuer gezahlt« habe. Coca-Cola verwies dazu auf »Verluste durch außerordentliche Kosten«.

Wasserspielplatz im Bürgerpark Bielefeld, (c) aquado.de

Die ideale Verbindung von Sand und Wasser – eine „Matschanlage« oder auch das Wattenmeer der Nordsee, seit 2009 UNESCO-Weltnaturerbe. Es gibt Prognosen, was aus dem Wattenmeer wird bei weiterem Meeresspiegelanstieg. Dazu gibt es die Strategie Wattenmeer 2100  – Wie ist das Watt trotz Klimawandel und Meeresspiegelanstieg zu retten? Mehr dazu auf der Website der Schutzstation Wattenmeer.

Karte: Schutzstation Wattenmeer

Zum Schluss noch kurz den Kopf aus dem Sand gesteckt und einen Blick geworfen auf die Vorbereitungen zu unserem nächsten BücherFrauen-LiteraturBrunch im Februar 2019, für den wir grad die Neuerscheinungen deutschsprachiger Autorinnen 2018 sichten. Zwei meiner Favoritinnen [ein Klick auf die Titel führt zu weiteren Informationen]:

       
Milena Michiko Flašar, Herr Katō spielt Familie
Verlag Klaus Wagenbach, 176 Seiten, geb., 20,– Euro

Wlada Kolosowa, Fliegende Hunde
Ullstein Buchverlage, 224 Seiten, geb., 20,– Euro

Fliegende Hunde erinnert mich an Alina Bronskys Scherbenpark von 2008, das ich damals ebenfalls sehr beeindruckend fand.
Alina Bronsky, Scherbenpark
Verlag Kiepenheuer & Witsch, 304 Seiten, TB, 9,99 Euro

    

Und eines der Bücher vom LiteraturBrunch 2018 ist soeben als Penguin-Taschenbuch erschienen und sei hiermit noch einmal ausdrücklich empfohlen:
Annette Mingels, Was alles war
Penguin Verlag, 288 Seiten, TB, 10,– Euro

PS: In dieser Woche wurde die Longlist für den Deutschen Buchpreis 2018 bekannt gegeben. Diesmal überwiegen die Romane von Autorinnen (12 von 20 nominierten Neuerscheinungen). Wir sind gespannt auf die Shortlist, die am 11.9.2018 präsentiert wird.

Nachtrag vom 12.9.2018: Auch auf der Shortlist überwiegen die Titel von Autorinnen. Wer den Deutschen Buchpreis 2018 erhält, wird am Montag, dem 8. Oktober um 18.55 Uhr bekannt gegeben.


Ansichtssache

In meinem Postkartenkarton finden sich tatsächlich noch ein paar Ansichtskarten wie diese, die ich vor einigen Sommern nicht rechtzeitig verschickt habe:

Postkarten zeigen in der Regel besonders hübsche Ansichten am Urlaubsort, die den Neid der Adressat_innen wecken könnten.
Weniger harmlose Ansichten dagegen sind solche, die auf Falschmeldungen oder Fehleinschätzungen beruhen.
Wie harmlos sind Menschen, die sich in der Flat Earth Society versammelt haben? Die davon überzeugt sind: Die Erde ist eine Scheibe.
Nein. Die Erde ist rund, die Welt ist bunt und außerdem bevölkert von Rechthabern und Besserwisserinnen [engl.: know-alls and smartypants].

Mit seinem Buch FACTFULNESS versucht der Schwede Hans Rosling (1948–2017), Professor für Internationale Gesundheit, zumindest mit einigen Irrtümern in unserem Denken aufzuräumen – sehr anschaulich und eindrücklich. Seine positive Sicht auf die Welt ist nicht naiv optimistisch, sondern gründet sich auf Fakten, auf Zahlen der Weltbank und der Vereinten Nationen z. B.

  
Hans Rosling with Ola Rosling and Anna Rosling Rönnlund
Factfulness. Ten Reasons We’re Wrong About the World – and Why Things Are Better Than You Think

Hans Rosling mit Anna Rosling Rönnlund und Ola Rosling
Factfulness. Wie wir lernen, die Welt so zu sehen, wie sie wirklich ist

Anna Rosling Rönnlund, Hans und Ole Rosling

Ich kann einen Blick auf die Website der 2004 von Hans Rosling gegründeten Gapminder-Stiftung nur empfehlen. Und zum Einstieg vielleicht Roslings TED-Vortrag in Katar über den Zusammenhang zwischen Religionen und Geburtenraten: Religions and babies. Das NDR-Kulturjournal hat dazu am 30.4.2018 diesen Beitrag Hans Rosling: „Factfulness“ gesendet. Wer das ZDF und Aspekte bevorzugt, schaue: Der Optimist Hans Rosling „Die Welt ist gar nicht so schlecht“.

Schon 1967 sangen die Beatles [bei youtube], dass alles immer besser werde, in Getting Better auf Sgt. Pepper’s Lonely Hearts Club Band:
.

»I’ve got to admit it’s getting better (Better)
A little better all the time (It can’t get more worse)
I have to admit it’s getting better (Better)«

Wahrscheinlich nicht nur, um den Beatles zu widersprechen, schrieb Joni Mitchell zwei Jahre später den wesentlich kritischeren Song Big Yellow Taxi [bei youtube], 1970 erschienen auf Joni Mitchells drittem Album Ladies of the Canyon:

»Don’t it always seem to go
That you don’t know what you’ve got till it’s gone?
They paved paradise
Put up a parking lot«

Joni Mitchell 2007

Joni Mitchell wurde 2007 in die Canadian Songwriters Hall of Fame aufgenommen. Bei dieser Gelegenheit sang das Publikum „Big Yellow Taxi“ mit, auch schön – Audience sing-along at the 2007 CSHF Induction Ceremony [bei youtube]. Eine kurze Rückschau auf ihr Leben als Musikerin zeigt dieser Rock and Roll Hall of Fame Induction Film von 1997 [bei youtube] .

Einer, dem die Bewahrung der Schöpfung sicher so am Herzen liegt wie Joni Mitchell und der die Herausforderungen der heutigen Zeit viel deutlicher anspricht als die meisten Politiker_innen und das durchaus zuversichtlich, ist Papst Franziskus. Am 14. Juni 2018 kommt der neue Film von Wim Wenders in die Kinos, auf den ich schon sehr gespannt bin – das Porträt „Papst Franziskus – Ein Mann seines Wortes“.

Papst Franziskus – Ein Mann seines Wortes (Universal)

Dieser 5-minütige Beitrag zum Film auf Arte ist noch bis zum 1.9.2018 online.
Papst Franziskus, nun immerhin schon fünf Jahre im Amt, sagt: „Lasst uns nach vorne blicken und gemeinsam vorangehen.“  Zum Trailer auf kino-zeit.de.

Keine zwei Meinungen bzw. Ansichten gibt es jedenfalls zu diesem Johannisbeer-Quark-Kuchen: mein Sommerkuchen mit roten Johannisbeeren ausm Garten [das Rezept als PDF Marens_Johannisbeer-Quark-Kuchen].

200 g weiche Butter mit
100 g Zucker,
2 Eiern,
je 200 g Mehl und Vollkornmehl sowie
1 Pk. Vanillezucker
zu einem geschmeidigen Teig verkneten.
Auf einem gebutterten Backblech ausbreiten.

750 g Magerquark,
250 g Zucker,
5 Eigelb und
1 Pk. Vanillepudding verrühren.
Jeweils 250 ml Sahne und
die 5 Eiweiße steif schlagen und mit
750 g Johannisbeeren
vorsichtig unter den Quark heben.
Auf dem Teig verteilen.

Bei 175°C (im nicht vorgeheizten Ofen) etwa 45 Min. backen.

Getting better handelt übrigens weniger von der immer besser werdenden Welt, wie Hans Rosling sie beschreibt. Hier gibt einfach jemand zu, mit seiner neuen Freundin großes Glück zu haben: „It’s getting better since you’ve been mine.“

Schönen Sommer weiterhin!


Ohne Krimi …

Heute ist Equal Pay Day, der internationale Aktionstag für gleiche Bezahlung von Frauen und Männern. Rechnerisch auf das ganze Jahr bezogen, arbeiten die Frauen hierzulande bis zum 18. März 2018 sozusagen unentgeltlich, um für die gleiche Arbeit das Geld zu verdienen, das ihre männlichen Kollegen vom 1.1.2018 an auf ihrem Konto haben. Noch mal anders und mit wikipedia gesagt: »Damit steht der Equal Pay Day für den Tag, bis zu dem Frauen umsonst arbeiten, während Männer schon ab dem 1. Januar für ihre Arbeit bezahlt werden.«

2007 startete das Frauennetzwerk Business and Professional Women (BPW) Germany e.V. die „Initiative Rote Tasche“. Schon 1988 hatte das internationale BPW in den USA die „Red Purse Campaign“ initiiert, um auf den international bestehenden Gender Pay Gap hinzuweisen! Die roten Taschen stehen dabei für die roten Zahlen in den Geldbörsen der Frauen.

Es gibt noch eine gute Nachricht zum Thema: Die isländische Premierministerin Katrín Jakobsdóttir (Jg. 1976), seit dem 30. November 2017 im Amt, hat mit ihrer Partei Links-Grüne-Bewegung diese Geschlechter-Einkommenslücke per Gesetz abgeschafft (Quelle: perspective daily)  Damit ist Island mit seinen 348.000 Einwohner_innen das erste Land weltweit, in dem es in dieser Hinsicht gerechter zugeht.

Katrín Jakobsdóttir, visir.is

Maren Kroymann, ard.de

Eine bitter-lustige Überspitzung des Problems Chancengleichheit hat Maren Kroymann (Jg. 1949) in ihrer Satire-Sendung KROYMANN vom 8.3. (Weltfrauentag) in Szene gesetzt, nachzusehen in der ARD-Mediathek [ab min 19:51].
Zur 1. Sendung KROYMANN vom 9.3.2017.
Zur 2. Sendung KROYMANN vom 11.1.2018.

Sieben Jahre, bevor die 68er neue Rollenmodelle entwickelten [unter anderem], kam „Ohne Krimi geht die Mimi nie ins Bett“ in die Kinos, mit Starbesetzung: Karin Dor, Edith Hancke, Heinz Ehrhardt, Trude Herr, Harald Juhnke, Bill Ramsey … Zum Trailer und Titelsong [1:54 min] (Vorsicht Ohrwurm).

Edith Hancke und Bill Ramsey

Bei meinen Buchempfehlungen sind Krimis bislang eindeutig zu kurz gekommen, was daran liegen mag, dass ich kaum noch Krimis lese. Nun also endlich eine Auslese aus den letzten 20 Jahren. Ein Klick auf die Titel führt zu den ausführlichen Verlagsinformationen.

Mechtild Borrmann, Die andere Hälfte der Hoffnung
320 Seiten
  
Leif Davidsen, Der Augenblick der Wahrheit
Aus dem Dänischen von Peter Urban-Halle
432 Seiten

Håkan Nesser, Kim Novak badete nie im See von Genezareth
Aus dem Schwedischen von Christel Hildebrandt
432 Seiten. In Schweden Schullektüre!
  
Rose Tremain, Der unausweichliche Tag
Aus dem Englischen von Christel Dormagen
334 Seiten

Apropos Bill Ramsey – habe ich schon mal erwähnt, dass ich ein großer Fan von Stefan Gwildis bin, dem Soulsänger aus Hamburg-Barmbek? Zum guten Schluss dieses youtube-Fundstück: Stefan Gwildis am 11.04.2016 zu Gast bei Bill Ramsey [11:14 min].

Euch und Ihnen allen einen sonnigen Frühlingsanfang!


Egoismen

Der erste Monat des neuen Jahres 2018: schon am Ende. Für gute Vorsätze sei es aber nie zu spät. Zum Beispiel weniger Zucker, mehr ins Theater, weniger überflüssigen Konsum, noch mehr singen, nix mehr bei amazon bestellen … Denn wo das hinführen kann, davon erzählt sehr eindrücklich [und witzig] Marc-Uwe Kling in seinem neuen Roman QualityLand. Wer in QualityLand bei TheShop angemeldet ist, der bekommt auch die Produkte, die er unbewusst haben will, automatisch per Drohne zugeschickt. Also, wenn das nicht bequem ist. Hörbuch Hamburg hat ein lustiges Unboxing-Video zu QualityLand gedreht [1:20 min].

beim Chaos Computer Club am 27.12.2017

  

So unverblümt und amüsant wie in Grönemeyers „So wie ich“ habe ich selten über Egozentrismus singen gehört. Aus der CD „Schiffsverkehr“ (2011)

Ich bin total in mich verliebt,
Ich bin so froh, dass es mich gibt,
Und nur bei mir bin ich schön
Ich will mich um mich selber drehn
Keiner liebt mich, denn keiner liebt mich so wie ich
Niemand kann mich wie ich verstehen.
Aus: Herbert Grönemeyer, So wie ich

Foto: Superbass 2014

   

Eine ganz andere interessante Variante von Egozentrismus zeigt dieser kleine Film aus der Reihe „Filosofix“  [2:29 min].

Auf dieses „Gedankenspiel Menschenfleisch – Sind Menschen mehr wert als Tiere?“  bin ich über den Jahresrückblick 2017 von Sternstunden der Philosophie des Schweizer Fernsehens  gestoßen. Gesendet wurde das knatterharte Filmchen am 2. Weihnachtstag 2017. Da waren die meisten Gänse wohl schon verspeist …

Zum Schluss möchte ich noch einige „kleine“ Bücher empfehlen, die für ein, zwei gute Stunden unterhaltsame „Anstiftungen zum Denken“ bieten.


Chimamanda Ngozi Adichie
Mehr Feminismus! Ein Manifest und vier Stories
Aus dem Englischen übersetzt von Anette Grube
112 Seiten


Jenny Erpenbeck
Dinge, die verschwinden
112 Seiten


David Foster Wallace (1962–2008), Das hier ist Wasser / This is Water
Anstiftung zum Denken. Zweisprachige Ausgabe.
Aus dem Englischen übersetzt von Ulrich Blumenbach
64 Seiten


Kathrine Kressmann Taylor (1903–1996)
Adressat unbekannt
Aus dem Englischen übersetzt von Dorothee Böhm
96 Seiten